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10:00 20.04.2019
Die Normalität in vielen Kirchen am Sonntagmorgen ist eine gewisse Leere. „Wir müssen etwas anders machen“, sagt Pastorin Carola Scherf. Quelle: Bertram Solcher
Lübeck

Sie möchte den Menschen etwas mit auf den Weg geben, deshalb beginnt Carola Scherf den Morgen immer gleich: mit Worten an die Gläubigen.

„Guten Morgen“, so beginnt sie auch an diesem Tag, „ich wünsche Euch heute den Segen, Dinge zu übersehen, zu vergessen und hintanzustellen, die Euch nicht gut tun, und dass Ihr aus dem Guten in Eurem Leben die Kraft bekommt, selber Gutes zu tun.“ Dann drückt sie auf den Twittern-Button auf ihrem Bildschirm.

Die Worte würden gut an das Ende einer Morgenandacht passen. Ein Segen für den Tag. Aber vielleicht würden ihn dann wieder nur vier Leute hören, wie neulich, an Aschermittwoch, als sie eine Andacht in der Fastenzeit anbot. Vier. Mehr waren es nicht.

Ein Segen an 2328 Follower

Auf Twitter geht ihr Segen an 2328 Menschen, ihre Follower. 88 werden am Ende des Tages den „Gefällt mir“-Button geklickt haben, das Zeichen, dass sie die Worte mögen. Sechs schreiben kleine Kommentare. „So ermutigend, danke“, schreibt jemand und setzt drei rote Herzen dahinter. „Ein guter Gedanke, über den man sich auch als Nicht-Glaubender freut“, lobt ein anderer.

Und was ist das jetzt? Eine Morgenandacht 2.0? Eine Losung für den Tag? Die digitale Schwundstufe einer persönlichen Begegnung am Morgen in der Kirche? Oder einfach eine neue Möglichkeit?

Carola Scherf ist Pastorin in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübeck. Schwarzer Lederrock, schwarze Lederjacke, die blonden Haare an den Seiten kurzgeschnitten, so steht die 40-Jährige in dem Backsteinbau mit dem geschwungenen Dach aus den Fünfzigerjahren. Es ist wenige Tage vor Ostern, ein Nachmittag, Pastora Cara, wie sie sich auf Twitter nennt, hätte jetzt viel zu tun.

Carola Scherf ist Pastorin in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübeck. Quelle: Bertram Solcher

„Sonntagsgottesdienst, Trauerfeier, Karfreitag, Ostern, Konfirmation. Welche Predigt schreibe ich jetzt zuerst?“, so hat sie die Frage gerade auf Twitter gestellt. „Ostern“, rät ihr jemand.

Da hat sie immerhin die Gewissheit, dass sie viele hören werden. An Ostern wird die Kirche ja wieder voller sein. Sie werden nicht die Fenster zum Vorraum öffnen müssen wie an Weihnachten. Aber es wird belebt sein, gut gefüllt, nicht wie sonst, an ganz normalen Sonntagen, wenn sie zum Beispiel nicht noch zusätzlich den Kinderchor auftreten lassen, dem die Eltern natürlich zuhören wollen.

An ganz normalen Sonntagen kann es beim Gottesdienst schon mal übersichtlich zugehen, hier wie in sehr vielen, vor allem den evangelischen Gemeinden. Die Normalität am Sonntagmorgen ist eine gewisse Leere. „Wir müssen etwas anders machen“, sagt Carola Scherf.

Kann der 10-Uhr-Sonntagsgottesdienst einfach weg?

Aber was? Helfen Twitter, Facebook, Instagram, um die Menschen an die Kirche zu binden, sie vielleicht hineinzulocken? Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen, muss sie dann vielleicht einfach dorthin kommen, wo sie sind, muss sie also in Fitnessstudios gehen, in Fußballstadien, Einkaufszentren?

Und wenn sowieso nur wenige kommen und die Kirche bald angesichts des Nachwuchsmangels ein großes Problem hat, überhaupt alle Termine zu besetzen: Kann der 10-Uhr-Sonntagsgottesdienst dann vielleicht einfach weg?

Es ist eine ältere Debatte, die ein junger Autor gerade ziemlich radikal neu belebt hat. Erik Flügge heißt er, ist 32 Jahre alt, Katholik und betreibt in Köln eine Agentur für Wahlkampf- und Strategieberatung, Squirrel & Nuts heißt sie. Seine Bücher landeten auf Bestsellerlisten, er hat vor allem SPD-Politiker beraten, sein neuestes Buch „Nicht heulen, sondern handeln“ ist der evangelischen Kirche gewidmet. SPD, Kirche, man kann sagen, Flügge hat eine Schwäche für schwächelnde Großorganisationen.

Erik Flügges neues Buch „Nicht heulen, sondern handeln“ ist der evangelischen Kirche gewidmet. Quelle: Imago

Anruf also bei Flügge, der – gewohnt, mit Politikern in Zeitnot zu reden – gleich mal vorschlägt, sein Buch in drei Thesen zusammenzufassen. Gerne. Aber zuvor hat er noch eine Warnung. Oder ein Versprechen, je nach Perspektive. „Die Thesen verstoßen gegen alles, was im Protestantismus traditionell wichtig ist“, sagt Flügge.

Um sich langsam zu steigern, zunächst These drei: Die Protestanten sollten sich einen Präsidenten wählen, einen ungebundenen Repräsentanten, der, unbelastet von einem Amt, offen Position beziehen kann, ein protestantisches Gegenstück zum Papst, nur ohne dessen Übermacht. These zwei: Jede Generation solle die Bibel fortschreiben, sie um eine Geschichte ergänzen, so wie die Bibel ja schon immer eine Sammlung von Geschichten war.

„Ihre Gottesdienste sind tot“

Die meisten Reaktionen aber, sagt Flügge, habe er auf These eins erhalten. Sie lautet, verkürzt gesagt: Weg mit dem klassischen 10-Uhr-Gottesdienst – und ihn ersetzen „durch neue spirituelle, freiere Formen“. Im Buch begründet er sie mit durchaus drastischen Sätzen:

„Warum sollte man einer protestantischen Predigt auch lauschen? Man erfährt ja nichts Neues, sondern nur mittellauwarm Aufgewärmtes.“ Oder: „Für fast jede Protestantin und jeden Protestanten ist der Gottesdienst nicht Mittelpunkt seiner Kirche. Er ist abgesehen von Weihnachten und der eigenen Hochzeit vollkommen egal.“

Er verweist auf die bekannte wie ernüchternde Zahl, dass gerade mal 3 Prozent der Mitglieder regelmäßig in der Kirche erscheinen. „Ihre Gottesdienste sind tot“, schreibt er. „Sie werden nicht mehr lebendig. Das ist eine der bitteren Wahrheiten, denen sich der Protestantismus endlich stellen muss.“

Wenn Kirche digital werden will, dann endet das manchmal putzig: Der Roboter BlessU-2 erteilt am 08.09.2017 in Frankfurt am Main dem 13-jährigen Moritz seinen Segen. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Flügges Buch ist radikal, provozierend, anmaßend. Und es kommt an. Bei den normalen Protestanten übrigens sehr gut, versichert er, von ihnen kämen positive Reaktionen. Nicht so gut hingegen bei den Amtsträgern. Geschrieben, sagt Flügge, habe er das Buch nicht, um die evangelische Kirche zu verletzen – sondern um ihr zu helfen. Aber wenn die Radikalität einer Therapie ein Maßstab für den Ernst einer Krankheit ist, dann geht es dem Patienten Kirche gerade wirklich nicht gut.

Aber nur mal angenommen, man verzichte tatsächlich auf den klassischen Gottesdienst: Was käme denn dann? Soll das dann die Stunde der digitalen Spiritualität sein? Vaterunser auf Instagram, Gebet auf Facebook? Carola Scherf in Lübeck ist eine der aktivsten Vertreterinnen der digitalen Kirche. Sie weist auf Facebook auf Gemeindefeste hin, twittert aus dem Leben einer Pastorin, bloggt über ihre Fastenerfahrung.

Wenn Kirche digital werden will, dann endet das manchmal putzig. Wie beim ersten Digitalgottesdienst 2018 in Hamburg zum Beispiel, als im Ernst ein Segensroboter namens „BlessU2“ auflief. Oder wenn Kirchen die Kollekte mit dem bargeldlosen Klingelbeutel einsammeln. Carola Scherf wurde als twitternde Pastorin zu einer lokalen Berühmtheit. Das Fernsehen berichtete über sie. Und ihre Erfahrungen mit der digitalen Kirche?

„Kirche muss dahin gehen, wo Menschen sind“

„Sie ist eine Chance, möglichst viele Menschen zu erreichen“, sagt Carola Scherf. Aber es ist kein Ersatz. „Kirche muss auch selbst dahin gehen, wo Menschen sind. In Kitas, auf Siedlerfeste, und warum auch nicht eine Andacht im Fitnessstudio?“ Und wenn sie erzählt, auf welchen Text im Netz sie am meisten Reaktionen erhielt, dann war es einer, der auch als Predigt Aufsehen erregt hätte.

Sie beschreibt darin, wie sie selbst zur Kirche fand. 15, ungetauft, aufsässig, aus nicht einfachen Verhältnissen, so stand sie damals eines Tages beim Pastor vor der Tür und wollte sich taufen lassen. Die Erfahrung, die sie dann machte, bewegt sie bis heute: Sie fühlte sich angenommen, so, wie sie war, mit ihren Fehlern.

„Ob der Pastor wusste, dass die Kippen hinter dem Altar von mir waren, das habe ich ihn nie gefragt“, schreibt sie und erzählt von den inneren Kämpfen Luthers, bis er sich ebenfalls bei Gott aufgenommen, anerkannt fühlte. Es ist ein Text über die Reformation, über ihr Leben, persönlich, authentisch, theologisch, wie er auch von der Kanzel die Menschen berührt hätte. Nur dass ihn da an einem ganz normalen Sonntag kaum jemand gehört hätte. Schon gar nicht die Jüngeren.

„Ich habe da unheimlich Lust drauf“, sagt Jonas Goebel, der vor kurzem seine erste Stelle als Pastor in Hamburg-Lohbrügge angetreten hat. Quelle: Bertram Solcher

Es ist eine schwierigere, eine postchristliche Generation, die die Kirche da für sich gewinnen will. Von den 19- bis 27-Jährigen bezeichnet sich noch gerade mal ein Fünftel als religiös, so hat es eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD ergeben. „Kirche muss sehen, dass die Gruppe der jungen Erwachsenen so gut wie nichts mehr von ihr erwartet“, sagen die Forscher.

Jonas Goebel ist schon etwas älter, 30, aber in mancher Hinsicht gehört er noch voll zu dieser Generation. „Ich bin nie freiwillig in einen 10-Uhr-Gottesdienst gegangen“, sagt er. Jetzt ist er selbst Pastor. Und muss, unter anderem, dafür sorgen, dass die Menschen Sonntagmorgen gerne zu ihm kommen. Dass Kirche wieder an Bedeutung gewinnt.

Er weiß um die Größe der Aufgabe. „Ich habe da unheimlich Lust drauf“, sagt er und lässt die Finger seiner erhobenen Hände vor sich hertanzen, als könne er es gar nicht erwarten. Jonas Goebel strahlt, trotz allem, eine geradezu fröhlich-idealistische Leichtigkeit aus, die man nicht mit Naivität verwechseln darf. Wahrscheinlich geht es auch gar nicht anders.

Kirche funktioniert nur als Dialog

Offenes Karohemd, Drei-Tage-Bart, so steht er in seiner Kirche in Hamburg-Lohbrügge. Es ist seine erste Stelle, seit wenigen Tagen ist er hier. Ringsum viele Wohnblöcke, kein einfaches Terrain. Goebel ist einer der wenigen wirklich jungen Pastoren, die es nun versuchen müssen. Die Voraussetzungen sind gar nicht schlecht.

Er hat ja oft genug selbst mit seiner Kirche gehadert. Zum Beispiel mit seinem weltfernen Studium. „Da saß ich dann vormittags da und zählte Silben im Buch Hiob.“ Nachmittags arbeitete er beim Obdachlosenmagazin „Hinz&Kunzt“. Wenn er erzählte, was er studiert, sagten sie zu ihm: „Dein Gott soll mir mal helfen, aus der Scheiße rauszukommen.“ Er konnte das gut verstehen.

Natürlich bloggt Jonas Goebel (www.juhopma.de). Natürlich twittert er. Aber wenn es bei ihm etwas Konstantes gibt, dann ist es die Aufforderung, seine Meinung zu sagen, einen Kommentar zu hinterlassen. Kirche hat nicht die absolute Wahrheit, die dann von der Kanzel verkündet wird. Kirche funktioniert nur als Dialog. Das ist die praktische Umsetzung.

Jonas Goebel schickt seine Predigt vorab einer Gruppe von Testlesern, um deren Meinung zu hören. Quelle: Bertram Solcher

Am Anfang, bevor er eine Predigt schrieb, hat er sich mit Bekannten zusammengesetzt, um mit ihnen über die Bibelstelle zu beraten. „Eine Stunde, ein Bier, ein Text“, nannte er das. Inzwischen schickt er seine Predigt vorab einer Gruppe von Testlesern, um deren Meinung zu hören.

Auf die Idee, sagt er, sei er gekommen, als er bei einer Preview des Comedians Johann König war, der seine Witze vor Publikum testete. „Und ich dachte, das müsste man mit einer Predigt eigentlich auch machen.“

Mehr Dialog. Mitwirkung. Vielfalt. „Craftbeer-Kirche“ nennt er das, statt Einheitsbräu. Abruf nach Bedarf statt vorgegebenem Programm. „Es wird Zeit, dass wir als Kirche etwas netflixiger werden“, sagt er. Ist das schon die Lösung?

„Manchmal muss man alte Dinge abschlagen“

Jonas Goebel macht sich keine Illusionen. Kirche werde viel kleiner werden. Kirchensteuern? Werde es nicht mehr geben. „Aber dafür werden wir auch ehrlicher. Schlagkräftiger. Manchmal muss man alte Dinge abschlagen.“ Aber er klingt nicht beschwert dabei, ganz so, als läge für ihn nicht mal ein Schrecken in dieser Aussicht.

Und erst mal gibt es für ihn ja auch noch ein paar andere Dinge zu regeln. Jonas Goebel steht jetzt draußen, vor dem Kirchturm. Siebzigerjahre-Architektur, nackter Beton, verblichene Farbe, efeuumrankt.

„Müsste dringend saniert werden“, sagt Goebel. Würde aber wohl Millionen kosten. Abriss? Schwierig, der Turm steht unter Denkmalschutz. Sie müssen ihn irgendwie in die Zukunft retten. Nur wie, das ist noch nicht klar.

„Gott wäre nicht das Ideal, wenn er erreichbar wäre“

Sophia Fritz (22) studiert derzeit Drehbuch an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Ihr Sachbuch „Gott hat mir nie das Du angeboten“ erschien im März 2019 im Herder-Verlag. Quelle: Stoffers/privat

Frau Fritz, Sie sind in Tübingen aufgewachsen, getauft, katholisch sozialisiert, waren viele Jahre Minis­trantin und sind noch vor dem Abitur aus der Kirche ausgetreten. Jetzt sind Sie 22 Jahre alt und haben ein Buch über Gott geschrieben – wie kam es dazu?

Als Jugendliche habe ich eine Zeit lang geboxt. Mein Trainer war ein gläubiger Muslim, und wir sprachen oft über den Koran. Ich beschloss, ihn zu lesen, der Koran hat schließlich nur ungefähr 600 Seiten, das schaffe ich locker, dachte ich. Da hatte ich mich natürlich überschätzt (lacht). Wir diskutierten dann oft über verschiedene Stellen aus dem Koran. Als ich ungefähr 17 war, nahm ich mir das Gleiche mit der Bibel vor. Ich habe sie gelesen, über ein, zwei Jahre hinweg – und mir währenddessen immer wieder Notizen gemacht. Am Ende entstanden 365 Fragen über Gott, die ursprünglich als Kalender erscheinen sollten. Es wurde dann doch ein Buch.

Das hat den Titel „Gott hat mir nie das Du angeboten“. Worum geht es?

Es behandelt die Sehnsucht nach Gott. Es spiegelt, wie im Titel anklingt, aber auch eine fordernde, trotzige, fast kindliche Erwartungshaltung wider: Wer ist diese eine Instanz, die mehr weiß, als ein Mensch wissen kann, die über allem steht? Wie kann sie mir helfen? Wo finde ich Trost?

Haben Sie Antworten gefunden?

Ich weiß nicht, was oder wer Gott ist. Das Buch hat aber auch nicht den Anspruch, Antworten zu geben. Es richtet sich an Menschen, die zweifeln. Es ist eher eine Aufforderung, sich ein eigenes Bild zu machen.

Im Buch heißt es, Gott sei eine Redensart, die ihre Bedeutung verloren hat. Wie ist Ihre Definition?

Gott ist für mich das höchste Ideal von dem, was man am meisten haben möchte: Am verbreitetsten ist wahrscheinlich die Sehnsucht nach einem Wesen mit Allmacht, ein Richter, die Omnipräsenz des Guten. Für mich persönlich ist Gott vor allem die Liebe. Glauben heißt für mich, so zu leben, als würde Gott existieren. Und zu versuchen, ein anständiger Mensch zu sein.

Gläubig zu sein funktioniert also ganz ohne Gottesdienstbesuche?

Manchen mag der Gottesdienst helfen, ein besserer Mensch zu werden. Da sollte jeder seinen eigenen Weg finden. Ich gehe seit Jahren nicht mehr regelmäßig in die Kirche. Ich bin auf dem Papier Protestantin, habe damals verschiedene Gemeinden ausprobiert, das tue ich heute noch ab und zu, um meine Meinung nicht frühzeitig festzufahren. Aber ich stelle immer wieder fest: Das hat nichts mit meinem Leben zu tun; da ist wenig, das mich anspricht, das mich berührt. Kirche ist für mich in erster Linie ein Ort, der den Zweck hat, eine Gruppe von Menschen zusammenzuführen, die Gemeinschaft pflegen wollen, an ein gemeinsames Ideal glauben und einen moralischen Kodex vertreten. Und wenn ich mich als Mensch in der traditionellen Kirche nicht mehr vertreten fühle, dann suche ich mir einen Ersatz dafür. Alle Institutionen, die die Absicht haben, Menschen zu besseren Menschen machen und Nächstenliebe zu leben sind für mich Alternativen. Das kann auch der Naturschutzbund sein, oder ein Ehrenamt im Pflegeheim.

Wo liegt das Problem der modernen Kirche?

Ich glaube grundsätzlich nicht an moralische Institutionen, weil sie von Menschen geleitet werden müssen und Menschen fehlbar sind – Gott aber nicht. Deshalb kann er für mich nicht von Menschen vertreten werden, Gott wäre nicht das Ideal, wenn er erreichbar wäre. Ich kann nicht sagen, was sich konkret an der Kirche ändern sollte. Ich glaube, das grundsätzliche Bedürfnis des Menschen, einen Sinn in seinem Leben zu finden, bleibt vorhanden, aber vielleicht steigt gerade die Anspruchshaltung an die Qualität der Kirche aufgrund von zahlreichen Alternativen.

Sie spielen auch auf die Missbrauchsfälle in der Kirche an.

Ja, das ist mit ein Grund, warum ich damals aus der katholischen Kirche ausgetreten bin. Ich persönlich kann hinter den Idealen und Werten des Christentums stehen, aber nicht hinter der Institution an sich. Das hat mich auch davon abgehalten, Theologie zu studieren, obwohl es mich interessiert hätte. Aber ich könnte und wollte andere Menschen als Pfarrerin nicht von einer Religion überzeugen, hinter der ich selbst nicht vollständig stehen kann.

Stattdessen studieren Sie gerade Drehbuch an der Hochschule für Film und Fernsehen München.

Da gibt es trotzdem Berührungspunkte. Gerade im Alten Testament finden sich immer wieder archetypische Figuren mit Problemen, die Menschen heute noch haben. Das versuche ich auch in meinen Geschichten und Drehbüchern einfließen zu lassen. Die Bibel ist da für mich eine große Inspirationsquelle.

Von Thorsten Fuchs

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