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Panorama Um die Niagarafälle bildet sich gerade eine Traumlandschaft
Nachrichten Panorama Um die Niagarafälle bildet sich gerade eine Traumlandschaft
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13:19 06.01.2018
So sehen die Niagarafälle gerade aus.
So sehen die Niagarafälle gerade aus. Quelle: dpa
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New York

Dank einer eisigen Kältewelle fühlen sich viele US-Amerikaner gerade wie in einem Tiefkühlschrank zu Hause - an den Niagarafällen wird das auch optisch deutlich. Von den Fällen aufsteigender Dunst gefriert sofort an allem, was er berührt. Er hüllt Bäume, Wege, Klippen und Aussichtsposten in Brillant-Weiß. Wer hart im Nehmen ist und die bis auf die Knochen beißende Kälte aushält, kann sich mit Fotos in einem magischen Winter-Wunderland belohnen.

„Es ist außergewöhnlich. So kalt es auch wird, es ist das ganze Jahr sehenswert“, sagt Paul Tabaczynski über die Wasserfälle. Der aus Buffalo in New York stammende Mann lebt mittlerweile zwar im texanischen Dallas. Wie man sich bei Kälte in Schichten anzieht, hat er trotzdem nicht vergessen: Über einem T-Shirt trägt er ein Flanellhemd, darüber ein gefüttertes Sweatshirt. Letzteres geht in Texas eigentlich als Winterjacke durch.

Obwohl alles um sie herum gefroren ist, sind die drei Wasserfälle im steten Fluss. Sie bilden das Naturphänomen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada. Herabstürzendes Wasser zerstäubt zu feinem Nebel. Westwinde blasen den Dampf für gewöhnlich Richtung US-Seite, sagt Meteorologe Steven Welch vom US-Wetterdienst. Dort lässt die gefrorene Feuchtigkeit gerade jeden Zentimeter in weiß erstrahlen.

„Ich kann meine Füße nicht fühlen!“, ruft die zwölfjährige Keila Cruz ihrem Vater Jonathan zu. Sie und ein Dutzend andere Familienmitglieder tauen im Besucherzentrum auf. „Wir sind noch nicht einmal richtig rausgegangen“, sagt Jonathan Cruz über die Gruppe aus Florida. Sie seien bloß 200 Meter vom Parkplatz hergelaufen. Die Temperaturen liegen derzeit zwischen minus 6 und minus 12 Grad Celsius, Winde stürmen mit einem Tempo von 64 Kilometern pro Stunde, so dass sich alles noch viel kälter anfühlt. Kein Wunder also, dass die Gruppe eine warme Pause brauchte, bevor sie zum Wasser geht. „Wir versuchen, unsere Füße aufzuwärmen, weil sie bitterkalt sind“, sagt der Vater.

Über weiten Teilen der USA - vom Süden in Texas bis zur kanadischen Grenze und von Montana bis nach New England - spielen sich derzeit surreale Winterszenen ab. In Arkansas, New York City und sogar in Savannah, Georgia, sind Brunnen eingefroren. Dort liegt die Durchschnittstemperatur im Januar bei plus 16 Grad Celsius, doch am Dienstag zeigte das Thermometer minus 1 Grad an. Kalt genug, dass dort Eiszapfen von einem verzierten Eisenbrunnen baumelten.

Auf dem Mississippi schwimmen Eisplatten, am Rand des Lake Michigan sind kleine Eisbälle im Gewässer zu sehen. US-Wetterexperten haben bis Freitag vor gefährlichen Reisen vom Südosten nach New England gewarnt. Schlechtes Wetter sollte vor allem die Staaten South und North Carolina erfassen und bis nach Maine hinaufziehen. Bis zum Wochenende sollte die bittere Kälte noch anhalten.

Tim Partin aus Kentucky hat sich deshalb entschieden, das Beste aus der Lage zu machen: Eigentlich aus geschäftlichen Gründen an den Niagarafällen, schaute er sich das Winter-Wunderland an. „Es ist wirklich schön.“

Von Carolyn Thompson, AP