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Panorama Trauer um Artur Brauner – Der legendäre deutsche Filmproduzent stirbt mit 100 Jahren
Nachrichten Panorama Trauer um Artur Brauner – Der legendäre deutsche Filmproduzent stirbt mit 100 Jahren
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17:14 07.07.2019
Rührig bis zuletzt: Artur Brauner mit Bettina Bernhard und seiner Tochter Alice Brauner (r.) 2018 bei der Eröffnungsgala der 68. Berlinale in Berlin. Quelle: action press
Berlin

100 Jahre ist er alt geworden – Artur Brauner. Und kurz vor seinem 100. Geburtstag im vorigen August hatte er noch einmal eindringlich Stellung bezogen. Der Filmproduzent und Holocaust-Überlebende, der am Sonntag in Berlin starb, wie die „Bild“-Zeitung berichtete, hatte junge Leute vor der Verführung durch Rechtspopulisten gewarnt: „Ich kann der Jugend nur nahelegen, dass sie den Populisten weltweit nicht ins Netz geht und sich mit aller Kraft Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenstellt“, hatte Brauner gesagt. „Und zwar jetzt und nicht erst, wenn es schon zu spät ist.“

Viele von Artur Brauners Filmen gehörten ins leichte Fach

Es war das letzte Gefecht in seinem großen Kampf gegen rechtes Gedankengut. Eines Kampfs, den er mit Kinomitteln führte – auch wenn viele seine mehr als 300 Filme ins leichte Fach gehören und den Deutschen gute Laune machen sollten - egal, ob Karl-May-Western oder Edgar-Wallace-Krimi, Schlagerfilme mit Peter Alexander oder Caterina Valente, ob Ausstattungsorgien wie „Das indische Grabmal” oder „Kampf um Rom”.

Seinen ersten Film finanzierte der Mann mit dem sorgsam gepflegten Schnauzer schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Verkauf des Nerzmantels der Schwiegermutter. 200 000 Reichsmark, etwa 1000 Dollar, brachte das gute Stück ein. Später ratterten aus seinen Berliner CCC-Studios um die 20 Filme pro Jahr.

Artur Brauner wurde als „Anführer des Schnulzenkartells“ verhöhnt

Die Jungregisseure des Neuen Deutschen Films verhöhnten Brauner als „Anführer des Schnulzenkartells”. Tatsächlich aber nutzte er die Einnahmen aus seinen „Konsumfilmen“, um seine Herzenswerke zu produzieren: 1948 entstand „Morituri” mit dem ganz jungen Klaus Kinski als junger holländischer KZ-Flüchtling, der zusammen mit anderen Häftlingen von Deutschen durch die polnischen Wälder gejagt wird.

„Morituri” war ein Flop. Und schlimmer noch: Nazis schlugen die Scheiben von Kinos ein, die das Drama zeigten. Die Deutschen wollten sich damals nicht mit ihren NS-Verbrechen beschäftigen. Trotzdem blieb Brauner in Deutschland, holte Vertriebene wie Fritz Lang und Robert Siodmak aus Hollywood zurück - und wurde gegen Ende seines Lebens wieder von der Angst umgetrieben, dass der Antisemitismus offen und in verstärkter Form zurückkehrt.

Der am 1. August 1918 im polnischen Lodz geborene Sohn eines jüdischen Holzgroßhändlers hatte sich im Nationalsozialismus geweigert, sich den Davidstern anheften zu lassen. Mit seinen Eltern und vier Geschwistern flüchtete er in die Sowjetunion. 49 Mitglieder seiner Familie wurden in deutschen Todeslagern ermordet. Brauner und seine Eltern überlebten. Die Eltern gingen später nach Israel, er ging in die Trümmerstadt Berlin, wo ihm Curd Jürgens alsbald den Spitznamen „Atze” verpasste.

Artur Brauner drehte immer wieder jüdische Lebensgeschichten

Brauner drehte jüdische Lebensgeschichten, etwa über die in Auschwitz ermordete Malerin Charlotte Salomon. Er inszenierte Filme über die Widerstandskämpfer des 20. Juli oder der „Weißen Rose”. Er erinnerte an die Schlucht von „Babij Jar” in der Nähe von Kiew, wo die deutsche Wehrmacht Ende September 1941 mehr als 30 000 Menschen niedermetzelte. Brauner machte Filme im Namen der Opfer.

Mit „Hitlerjunge Salomon” (1989) holte er den Golden Globe — und war stinksauer, dass er nicht auch den Oscar gewann. Er konnte ihn nicht gewinnen: Von deutscher Seite wurde sein Film gar nicht erst eingereicht.

Seine Arbeitswut war legendär. Gern schrieb er Drehbücher um und entschied nach Patriarchenart. Aber auch für Ausflüge aufs gesellschaftliche Parkett hatte er Zeit: Fotos mit Bill Clinton oder dem Papst existieren genauso wie die von einem eleganten Tänzer mit Gina Lollobrigida im Arm.

Artur Brauner konstatierte mit Bitterkeit den Erfolg von „Der Untergang“

Bitterkeit hatte sich schon in den vergangenen Jahren in die Worte des letzten deutschen Produzenten-Tycoons gemischt. „Wenn ein Film den Untergang des jüdischen Volkes behandelt, geht niemand hinein, wenn ein Film den Untergang von Adolf Hitler zeigt, kommen 4,6 Millionen Zuschauer”, sagte er mal unter Anspielung auf Oliver Hirschbiegels Film „Der Untergang“ (2004).

Seine Filme machen ihn unvergesslich: Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat eine eigene Mediathek für mehr als 20 seiner Werke eingerichtet. Für Brauner war das die „Krönung meines Filmschaffens”.

Von Stefan Stosch/RND

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