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Panorama Toter in Messie-Wohnung: Feuerwehr kann nur mit Atemschutz rein
Nachrichten Panorama Toter in Messie-Wohnung: Feuerwehr kann nur mit Atemschutz rein
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22:06 26.02.2019
Feuerwehrleute in speziellen Schutzanzügen und mit Atemschutz unterstützten den Rettungsdienst nach dem Fund einer Leiche in einem Haus in Geesthacht. Quelle: TIMO JANN
Geesthacht

In Geesthacht in Schleswig-Holstein ist am Montagabend in einer Doppelhaushälfte an der Mühlenstraße eine Leiche gefunden worden. Vermutlich hatte der nach Polizeiangaben 30 Jahre alte Sascha L. schon längere Zeit unbemerkt tot in seinem Haus gelegen. Aufgrund des Zustandes des Hauses gehen die Einsatzkräfte davon aus, dass der Mann unter dem Messie-Syndrom litt.

Nachdem Rettungsdienst und Polizei die Leiche gefunden hatten, wurde die Geesthachter Feuerwehr um Hilfe bei dem schwierigen Einsatz gebeten. In Einwegschutzanzügen, mit Atemschutzgeräten, mit Gummihandschuhen und abgeklebten Ärmeln erregten die Feuerwehrleute Aufsehen am Fundort.

Feuerwehr hilft Rettungsdienst

„Wir wurden angefordert, um für den Rettungsdienst einen Zugang zum Patienten freizuräumen und Platz zu schaffen, damit der Mann bewegt werden konnte“, berichtete Marc Phelbs, Gruppenführer der Feuerwehr. Das Gewicht des Mannes wurde auf etwa 200 Kilo geschätzt, sodass der Notarzt für die Feststellung des Todes Hilfe benötigte.

Ein Dutzend Feuerwehrleute war mit zwei Fahrzeugen im Einsatz. Zunächst wurde das Haus gelüftet, weil dort beißender Gestank herrschte. Die im Haus eingesetzten Feuerwehrleute wurden anschließend dekontaminiert und die Schutzanzüge entsorgt.

Kaum Kontakt zu Nachbarn

„Er war so ein wunderbarer Mensch. Aber irgendwie fehlte ihm die Liebe. Er wurde ganz einsam und hat sich dann auch nicht mehr helfen lassen“, berichtet Renate Ala. Die 71-Jährige lebte quasi Wand an Wand mit Sascha L. in dem Doppelhaus an der Mühlenstraße. Ein Freund versorgte den 30-Jährigen mit dem Nötigsten. Er war es auch, der den Toten am Montagabend entdeckt hatte. Zu Mutter und Schwester soll es kaum noch Kontakt gegeben haben. Als 18-Jähriger war L. in die Haushälfte neben Renate Ala eingezogen. „Er war immer hilfsbereit, half mir mit dem Computer. Er war erst auch engagiert, aber irgendwas hat ihn dann aus der Bahn geworfen“, berichtet Renate Ala. Anwohnerin Elsbeth Hillmer kannte den jungen Mann ebenfalls. „Ich habe ihn aber schon lange nicht mehr draußen gesehen“, erklärt sie. L. ließ sich einen langen Bart stehen und ging nicht mehr zum Friseur. Die Einsatzkräfte fanden ihn leblos auf dem Sofa, wo er ständig gesessen haben soll. „Irgendwann ist er zum Messie geworden. Aber er hat ja auch niemanden mehr reingelassen und wollte keine Hilfe“, sagt Renate Ala. Oft habe sie den 30-Jährigen animiert, draußen mal eine Runde zu gehen. Doch er wollte nicht. „Man kam nicht mehr an ihn ran“, sagt sie.

„Kein normaler Einsatz“

„Für unsere Kräfte war das kein normaler Einsatz, das Umfeld sehr ungewöhnlich. Die Person war schwer und der Weg sehr zugemüllt. Aber die Unterstützung für den Rettungsdienst war nötig, sodass wir uns bestmöglich vor der Umgebung geschützt haben“, berichtet Heiko Brett, Geesthachts stellvertretender Wehrführer. Um den Müll in der Messie-Wohnung wird sich jetzt der Hauseigentümer kümmern müssen. „Mal sehen, wie das wird. Ich stehe schon mit dem Ordnungsamt im Kontakt, aber das Sozialamt wird wohl nichts zahlen“, berichtet der Hausbesitzer. Doch zuvor muss noch die Leiche abgeholt werden. Bisher konnte der schwergewichtige Tote nicht geborgen werden, denn die besonderen Umstände stellen den Bestatter vor Probleme. Die Haustür, die am Montag beim Besuch des Freundes offen war, ist notdürftig vernagelt, die Kripo hat ein Siegel angebracht und die Haushälfte gesichert.

Todesursache noch unklar

Weil der Notarzt die Todesursache nicht eindeutig feststellen konnte, geht die Polizei in solchen Fällen zunächst von einer unnatürlichen Todesursache aus. Hinweise auf ein Verbrechen fand man aber bisher nicht. Der Kriminaldauerdienst aus Lübeck war noch am Abend vor Ort. Die weiteren Ermittlungen führt jetzt die Geesthachter Kripo. Insgesamt zog sich der Einsatz dort mehrere Stunden hin.

Von RND/Timo Jann

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