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Panorama Tatort Bahnsteig: Wie kann ich mich an den Gleisen schützen?
Nachrichten Panorama Tatort Bahnsteig: Wie kann ich mich an den Gleisen schützen?
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09:25 31.07.2019
Ein ICE fährt am Morgen im Frankfurter Hauptbahnhof ein. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Frankfurt

Auf einem belebten Bahnsteig im Frankfurter Hauptbahnhof stößt ein Mann einen Jungen und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE – die Frau kann sich retten, der Achtjährige wird getötet. Der Fall erinnert an eine Attacke vor gut einer Woche in Voerde in Nordrhein-Westfalen: Dort hatte ein Mann eine Frau an einem Bahnhof vor einen Zug gestoßen und so getötet. Reisende und Pendler stellen sich die Frage: Sind solche entsetzlichen Taten überhaupt zu verhindern? Und wie kann ich mich schützen?

Nach Einschätzung des Fahrgastverbands Pro Bahn bietet auch eine Sicherung der Bahnsteige keinen Schutz vor solchen Fällen. „Sollte sich herausstellen, dass es sich bei dem Vorfall in Frankfurt um ein absichtliches Tötungsdelikt handelt, kann die Bahn so etwas im Prinzip nicht verhindern“, sagte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender vom Fahrgastverband Pro Bahn, der „Rheinischen Post“. Bahnsteige könnten nicht etwa mit Schutzgittern so gesichert werden, dass niemand vor einen Zug gestoßen oder aus Versehen ins Gleis fallen kann, so Naumann. Das Problem sei, dass Züge nie präzise an immer derselben Stelle halten könnten. „Wenn brutale Menschen es darauf absehen, Unbeteiligte auf so eine Art zu töten, finden sie immer einen Weg“, sagte Naumann. Es sei nicht leistbar, funktionierende Schutzgitter an den mehr als 6000 Bahnhöfen in Deutschland zu installieren.

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„Man kann so etwas nicht hundertprozentig verhindern“

Eine Patentlösung für mehr Sicherheit an deutschen Bahnsteigen sieht auch Thomas Kraft vom Fahrgastverband Pro Bahn Hessen nicht. „Ich weiß keinen Rat. Man kann so etwas nicht hundertprozentig verhindern“, sagte er. An größeren Bahnhöfen wie dem Frankfurter Hauptbahnhof gebe es sogar noch vergleichsweise viel Aufsichtspersonal. An kleinen Bahnhöfen oder Haltepunkten könne letztlich auch jemand aus einer Hecke hervorspringen und Reisende auf die Gleise stoßen.

Auch Konzepte wie etwa für größere Bahnhöfe in England oder Frankreich, wo Bahnreisende oft nur mit einem Ticket oder erst nach Einfahren des Zugs auf den Bahnsteig gelangen, bringen Kraft zufolge keine völlige Sicherheit. Potenzielle Täter kämen dort eben mit einem Kurzstrecken-Ticket für wenig Geld auf den Bahnsteig. Bei kurzen Zug-Aufenthalten sei es zudem zeitlich kaum machbar, die Reisenden erst nach Einfahren des Zugs an die Gleise zu lassen.

Im Video: Achtjähriger vor Zug geschubst

Verhalten am Bahnsteig: Das rät ein Sicherheitsexperte

Allerdings kann jeder Einzelne etwas für seine eigene Sicherheit tun, betont Michael Kuhr, Chef eines Berliner Sicherheitsdienstes. „Viele Menschen sind von ihrem Handy extrem abgelenkt, sodass sie ihre Umwelt kaum noch wahrnehmen“, sagte Kuhr dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Gerade an Bahngleisen sollte man den Blick vom Handy nehmen und darauf achten, wer in seiner Nähe ist – etwa drängelnde Pendler oder übermütig oder gar aggressiv wirkende Jugendliche. „Wenn man sein Gegenüber nicht einschätzen kann, sollte man sich woanders hinstellen“, sagte Kuhr.

Im Video: 400 Menschen gedenken des in Frankfurt getöteten Jungen

Grundsätzlich gelte immer am Bahnsteig: „Mindestens zwei Meter Abstand zur Bahnsteigkante halten. Gut ist, eine Wand im Rücken zu haben, so kann niemand hinter einem stehen.“

Die Deutsche Bahn beantwortete eine Anfrage des RND zum Thema Sicherheit an Bahnsteigen zunächst nicht.

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Von RND/seb/dpa

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