Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Schmuddelwetter und kein Ende: Mai bleibt nass und kalt
Nachrichten Panorama Schmuddelwetter und kein Ende: Mai bleibt nass und kalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
14:00 26.05.2013
Regentropfen auf den Blütenblättern einer Klatschmohnblüte. Quelle: Patrick Pleul
Anzeige
Offenbach/Berlin

"So schlimm kann das ja nicht bleiben", sagte Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach (DWD) am Sonntag. Die Temperaturen am Sonntag lagen verbreitet unter denen an Weihnachten 2012, in München sogar um fünf Grad. Wegen des miesen Maiwetters fürchten die Bauern um ihre Ernte, Gärtner heizen ihre Gewächshäuser und Gastronomen beklagen Umsatzverluste.

Allerdings: "Die Wetterbesserung ist leider nur von kurzer Dauer, da bereits in den Abendstunden des Dienstag sich von Westen erneut ein Regengebiet nähert", sagt Malewski. Ein grundlegender Wetterwechsel sei in den nächsten acht Tagen nicht in Sicht. "Es wird nur etwas wärmer: tagsüber 15 statt 10 Grad." Normalerweise seien Ende Mai in Deutschland durchaus bis zu 30 Grad möglich.

Novemberwetter mit teils kräftigen Niederschlägen bestimmte das Wetter am Wochenende. Vor allem in der Mitte und im Norden Deutschlands regnete es am Sonntag kräftig, mit Niederschlagsmengen von mehr als 50 Litern pro Quadratmeter. Auf der Fan-Meile in Berlin trübte das Wetter am Samstagabend den Andrang der Zuschauer zum Fußball-Champions-League-Finale. In Hannover wurde der autofreie Sonntag samt Fahrradsternfahrt und Bühnenprogramm wegen Dauerregens abgesagt.

In den Mittelgebirgen, so etwa im Erzgebirge, im Thüringer Wald, im Harz, im Schwarzwald oder auf der Wasserkuppe in Hessen, gab es sogar ein wenig Schnee. "Für Ski und Rodel reicht es aber nicht", sagte Malewski. Am Freitag kam eine Autofahrerin bei Bräunlingen in Baden-Württemberg wegen plötzlicher Schneeglätte von der Straße ab. Sie wurde schwer verletzt.

Das regenreiche Tief sollte am Sonntag vom Harz aus über ganz Thüringen ziehen und dem gesamten Freistaat weitere intensive Regengüsse bringen. Bereits vor Ende der kräftigen Regenfälle am Wochenende fiel laut Wetterdienst in einigen Thüringer Gemeinden deutlich mehr Regen als die für den Mai normalen 60 Liter pro Quadratmeter.

Das nasse Wetter macht vielen Landwirten Sorge: "Unsere Erdbeeren sind noch grün und weiß, weil die Sonne fehlt", sagte Rolf Meinhardt, Erdbeerbauer und Vorsitzender des Arbeitskreises Spargel Südhessen, der Nachrichtenagentur dpa. Statt der 150 Erdbeerpflücker, die Meinhardt sonst zur Hand gehen, benötige er derzeit lediglich 30. Auch beim Spargel sehe es nicht gut aus.

Auch Gärtnereien im Südwesten stöhnen: "Wir sind mit der Ernte drei Wochen hintendran", sagte etwa der Geschäftsführer vom Vertrieb Reichenau-Gemüse, Johannes Bliestle. Um die Feuchtigkeit aus den Gewächshäusern zu bekommen, würden diese beheizt.

Das schlechte Wetter habe für "verheerende" Umsatzeinbußen bei Gastronomen gesorgt, weil diese auf Laufkundschaft und Touristen angewiesen seien, sagte der rheinland-pfälzische Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Gereon Hauman. An allen Feiertagen seit Ostern sei das Wetter schlecht gewesen.

Auch in Österreich ist es seit Tagen sehr kühl für die Jahreszeit. Im Schweizer Mittelland könnte es der kälteste Mai seit über 20 Jahren werden. In Spanien und Portugal wird indessen auf hohem Niveau geklagt. Die Madrilenen schimpften, weil es in den vergangenen Tagen in Madrid nur Temperaturen von 15 bis 20 Grad gab. Während die Einheimischen warm eingehüllt aus dem Haus gingen, trugen Touristen aus Nordeuropa T-Shirts und kurze Hosen und Röcke. In Palma de Mallorca kletterten die Temperaturen am Samstag allerdings auf 26 Grad. An der Costa Brava und der Costa Blanca blieb es am Wochenende mit 17 bis 20 Grad jedoch immer noch relativ kühl.

dpa