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Panorama Paar aus Bangkok designt aus Einkaufswagen Rollstühle für Arme
Nachrichten Panorama Paar aus Bangkok designt aus Einkaufswagen Rollstühle für Arme
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18:49 17.07.2019
Freiwillige testen nach getaner Arbeit die umgebauten Fortbewegungsmittel. Quelle: Cart Wheel Chair Donate
Bangkok

Rund 20 Millionen Menschen weltweit sind gehbehindert, können sich aber keinen Rollstuhl leisten. So auch in Thailand. Und das brachte den Marketing-Manager Apichai Inthutsingh und seine Freundin Atisanun Uengwiriyasakun auf eine Idee, als sie an einer Werbekampagne für einen Supermarkt in ihrem Heimatland arbeiteten: Sie nahmen einen handelsüblichen Einkaufswagen und machten sich an einen Umbau, erzählt das Paar dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Die Rückwand neu zugeschnitten, der vordere Teil des Bodens nach unten gebogen, eine Fußstütze angebaut und heraus kommt ein provisorischer Rollstuhl. Polster auf den Armlehnen, im Rücken und auf dem Sitz sorgen für einen besseren Komfort. „Als wir für die Kampagne zwei Wochen in Supermärkten waren, haben wir realisiert, wie viel Gewicht die Wagen tragen können“, sagt Inthutsingh.

Millionen können sich kein Hilfsmittel zur Fortbewegung leisten

Mit dem Team aus seiner Werbeagentur begann er schließlich an einem Konzept zu arbeiten und die Rollstühle zu designen. „Wir wussten, dass viele Leute in Thailand zu arm sind, um sich irgendein Hilfsmittel zur Fortbewegung leisten zu können“, so der 44-Jährige. Das Projekt „Cart Wheel Chair Donate“ war geboren – auch darauf angelegt, andere zu inspirieren, auf diese Art armen Menschen zu helfen.

Für den ersten – gebrauchten – Einkaufswagen hat das Team noch 1200 Baht, rund 35 Euro, bezahlt. Sie posteten das Ergebnis 2017 auf der Website ihrer Marketingfirma – und erreichten mehr als drei Millionen Menschen. Zahlreiche Anfragen gingen ein. Umgebaut und mit Kissen ausgestattet haben sie die Wagen für 2500 Baht weiterverkauft, inklusive Lieferung – wobei die Kosten von Spendern übernommen werden. „Wir müssen auch kaum noch Einkaufswagen kaufen, weil wir so viele gespendet bekommen, aber auch Polster oder Stoffe bekommen wir geschenkt.“

3000 Rollstühle haben sie bisher gebastelt

Zudem haben sich zahlreiche Freiwillige gemeldet, die kostenlos beim Umbau helfen. Erst kürzlich hatten sie einen Aktionstag, an dem sich 30 Menschen beteiligten und alleine an diesem Tag 22 Rollstühle herstellten.

Der Bedarf ist riesig. 3000 Rollstühle hat das Team bisher verkauft und die Nachfrage ist riesig. Über soziale Medien und Mund-zu-Mund-Propaganda erfahren immer mehr Menschen in Bangkoks und Thailands Armenviertel von dem Projekt. Inzwischen erreichen die Gründer sogar Briefe von Menschen, die um Hilfe bitten. Laut Weltgesundheitsorganisation hat nicht einmal ein Prozent der gehbehinderten Menschen in Entwicklungsländer auch tatsächlich einen Rollstuhl.

Um aus Einkaufswagen Rollstühle zu designen, braucht es Zeit und Manpower. Dutzende Freiwillige helfen inzwischen mit.

Über einen Fragebogen ermitteln Inthutsingh und die 35-jährige Uengwiriyasakun die Dringlichkeit und andere Faktoren. Dementsprechend werden neue Rollstühle herausgegeben. Das Ziel ist aber, sagt Inthutsingh, dass jeder, der Bedarf habe, am Ende einen Rollstuhl bekomme. Das könne allerdings dauern, immerhin arbeiten alle Beteiligte ehrenamtlich an dem Projekt.

Kein medizinischer Ersatz

Die umgebauten Rollstühle sind zwar kein medizinischer Ersatz für richtige Rollstühle, für viele Menschen aber die einzige Möglichkeit, sich wieder ein Stück Mobilität leisten zu können. Inthutsingh berichtet dem RND, dass sie einer Frau einen Rollstuhl geschenkt haben, die jede Woche von ihrem Sohn einen Kilometer zum Krankenhaus getragen wurde – und wieder nach Hause.

Inthutsingh und Uengwiriyasakun betonen, dass ihre umgebauten Einkaufswagen keine medizinische Zertifizierung haben. Das führte auch zu Kritik von Ärzten. Eine Ärztin schrieb etwa online, die Rollen seien viel zu klein für das Gewicht der Patienten, ergonomisch seien die Wagen zudem nicht geeignet. „Die Schmerzen und Leiden der Menschen können sich dadurch verschlechtern“, warnt sie.

In den sozialen Medien kommen User mit neuen Ideen

Inthutsingh weiß das – er hat auch Kritik bekommen, dass die Stühle nicht zusammen mit Medizinern entwickelt wurden. „Wir haben für keinen offiziellen Patienten übernommen. Wir geben sie an alte Leute, die sonst keine Chance haben, sich zu bewegen. Wir geben sie an Arme, die sich seit Ewigkeiten nicht aus ihrem Bett hinaus bewegen konnten.“ Es gehe darum, Menschen ein Stück Mobilität zurück zu geben, nicht einen adäquaten medizinischen Ersatz zu Rollstühlen zu entwickeln.

Der Zuspruch ist ohnehin größer als die Kritik. In den sozialen Medien finden sich inzwischen auch Ideen von Bürgern, wie sich die Stühle noch verbessern lassen: Durch Fahrradreifen an beiden Seiten könnten sich Menschen vielleicht selbst fortbewegen und seien nicht mehr auf Personen angewiesen, die schieben, schreibt eine Frau.

Von RND/Miriam Keilbach

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