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Panorama Olivia Jones: „Außenministerin könnte ich mir gut vorstellen“
Nachrichten Panorama Olivia Jones: „Außenministerin könnte ich mir gut vorstellen“
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09:29 20.11.2018
Wolfgang Kubicki (l.) und Olivia Jones vor ihrer Bar auf der Partymeile Große Freiheit in Hamburg. Quelle: Marius Roeer
Hamburg

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Wolfgang Kubicki, der Bundestagsvizepräsident, und Olivia Jones, die Dragqueen. Was viele nicht wissen: Das Duo kennt und schätzt sich seit vielen Jahren. Vergangene Woche besuchte der FDP-Politiker die Kiezgröße auf der Großen Freiheit – zum feiern, tanzen und für ein Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Eine Dragqueen und ein Bundestagsvizepräsident haben auf den ersten Blick nicht unbedingt viel gemeinsam. Was schätzen Sie aneinander?

Wolfgang Kubicki: Ich schätze an Olivia, dass sie so einen starken, eigenen Willen hat. Sie verwirklicht sich in dem, was sie will. Und das gegen alle Vorurteile und Widerstände.

Olivia Jones: Wolfgang und ich haben einiges gemeinsam. Wir sind beide mutig und haben Kampfgeist – und ich schätze seinen Humor. Den im alltäglichen Politirrsinn nicht zu verlieren, ist bestimmt schwer. Und im weitesten Sinne haben unsere Jobs beide was mit Entertainment zu tun. (lacht)

Wie viel Politik steckt in Olivia Jones?

Jones: Ich bin kein Politiker, aber politisch: Mein Kinderbuch für Toleranz und Vielfalt stellen wir Kitas und Grundschulen kostenlos zur Verfügung, wir gehen an weiterführende Schulen und geben Nachhilfe gegen Mobbing und Ausgrenzung, diese Woche spreche ich darüber auch beim deutschen Ausbildungsleiterkongress.

Kubicki: Ich erinnere mich noch gut, wie Olivia Jones im vergangenen Jahr zur Bundespräsidentenwahl in den Bundestag kam. Sie kam nicht etwa angepasst im Hosenanzug, sondern bunt wie immer. Das hat mir imponiert.

Jones: Ich finde, die Politik kann durchaus etwas mehr Farbe vertragen. Nicht unbedingt optisch wie mich, aber thematisch bunter. Nur auf zu braunes Blau würde ich verzichten. Mir ist der Kampf für mehr Toleranz und gegen Diskriminierung wichtig, gerade in Zeiten, wo Populisten wieder an Macht gewinnen.

Olivia Jones (48)

Schon während der Realschulzeit hatte Jones erste Travestieauftritte und belegte Maskenbildnerkurse. 1997 gewann Jones in Miami den „Miss Drag Queen of the World“-Contest. 2008 eröffnete sie ihre erste Bar auf dem Hamburger Kiez, mittlerweile besitzt sie vier Läden und führt mehrmals die Woche Touristen durch St. Pauli.

Ist denn eine Dragqueen im Bundestag vorstellbar?

Kubicki: Natürlich ist eine Dragqueen im Bundestag vorstellbar, aber sie würde schon sehr auffallen. Man hat sich daran gewöhnt, dass Abgeordnete eher unscheinbar durch die Gegend laufen.

Jones: Da hält sich aber Claudia Roth auch nicht immer dran.

Kubicki: Frau Roth ist auch sehr bunt, das stimmt. Aber sie würde trotzdem niemals so rumlaufen wie du. Oder kannst du Dir Angela Merkel in einem deiner Kleider vorstellen?

Jones: Sie hat wenigstens ein paar farbenfrohere Sakkos…

Kubicki: Das ist ein Sakko in vielen verschiedenen Farben…

Jones: Vielleicht sollte ich ihr noch ein paar Stylingtipps geben.

Welche Rolle könnten Sie sich in der Politik vorstellen, Frau Jones?

Jones: Habe ich freie Auswahl? Dann Außenministerin. Das wäre weltweit ein Zeichen: So bunt und tolerant ist Deutschland. An vielen Orten der Welt werden Schwule leider immer noch drangsaliert und verfolgt. Die Orte würde ich als erstes besuchen.

Welche Rolle könnten Sie sich auf dem Kiez vorstellen, Herr Kubicki?

Kubicki: Ich habe die perfekte Figur eines Türstehers.

Jones: Barkeeper würde auch passen. Am Tresen bist du super, dahinter bestimmt auch. Außerdem bist du bist nicht konfliktscheu. Wenn das mit dem Bundestag nicht mehr läuft, kannst du sofort bei uns anfangen.

Wie viel Kiez steckt in Ihnen, Herr Kubicki?

Kubicki: Ich kann dazu nur so viel sagen: der Kiez ist mir nicht fremd, ich habe hier legendäre Abende verbracht. Einige meiner Kollegen würden sich hier gar nicht fotografieren lassen wollen, weil sie glauben, dass es ihrer Karriere schaden könnte. Ich setze hier gerne ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit. Tatsächlich kann ich aber kaum noch ungestört auf die Reeperbahn gehen, weil mich zu viele Leute nach einem Selfie fragen würden.

Jones: Nächstes Mal verkleiden wir dich als Frau, ich hätte da was zum Leihen…

Kubicki: Das wäre nicht das erste Mal, dass ich Frauenklamotten trage. Ich habe auch schon mal versucht, auf Stöckelschuhen zu laufen. Das ist bedauerlicherweise komplett misslungen, nach zwei Schritten lag ich auf der Nase. Meine Frau meinte dann, dass man eher auf der Spitze laufen sollte. Ich bin dann wohl eher die Sorte Hackenläufer.

Wolfgang Kubicki (66)

Kubicki studierte VWL und Rechtswissenschaft. Mit 19 Jahren trat er in die FDP ein, ist seit 2013 stellvertretender Bundesvorsitzender. Neben seiner politischen Karriere war er immer wieder als Strafverteidiger aktiv.

Er hat erwachsene Zwillingstöchter und ist in dritter Ehe verheiratet. Sein Hauptwohnsitz ist Strande bei Kiel.

Frau Jones, wenn Sie für einen Tag Wolfgang Kubicki wären, was würden Sie tun?

Jones: Ich würde alle Bundestagsabgeordneten zur Kiezführung nach St.Pauli mitnehmen und zeigen, wie engagiert die Menschen hier sind und Zusammenleben trotz Unterschieden gelingen kann. So, wie die Nachbarschaft unserer Bar mit der katholischen St. Joseph Kirche. Aus dem Nebeneinander ist ein tolles Miteinander geworden. Jetzt zeigen wir zusammen beim Tag des offenen Denkmals mit kostenlosen Führungen die Große Freiheit als Beispiel für Vielfalt, Toleranz und Respekt. Das machen wir dann auch mit den Abgeordneten. Und wer sich nicht benimmt, dem zeigen wir unseren SM-Keller etwas genauer.

Was würden Sie machen, wenn Sie einen Tag Olivia Jones wären?

Kubicki: Ich würde versuchen, genau so gut auszusehen wie sie, ich bewundere ihre schlanke Figur.

Jones: Ich leihe dir gerne eine meiner Corsagen. Kann nur sein, dass Dir das Ding die Luft zum Reden abschnürt.

Von Lena Obschinsky

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