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Panorama Nach Lebenslang-Urteil: El Chapo fühlt sich ungerecht behandelt
Nachrichten Panorama Nach Lebenslang-Urteil: El Chapo fühlt sich ungerecht behandelt
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20:44 17.07.2019
El Chapo muss für immer ins Gefängnis. Quelle: Eduardo Verdugo/AP/dpa
New York

Am Ende konnte El Chapo einem richtiggehend leidtun, wie er da in einem Gerichtssaal in Brooklyn stand, sich mutmaßlich zum letzten Mal in seinem Leben an die Öffentlichkeit wandte und sich dann mit einem tieftraurigen Blick für immer von seiner Frau verabschiedete.

Seine letzten Worte, bevor er seine lebenslängliche Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis in Colorado antrat, nutzte der wohl gefürchtetste Drogenboss aller Zeiten für eine ausführliche Klage. Es sei ihm keine Gerechtigkeit widerfahren vor diesem amerikanischen Gericht, sagte Chapo nach seiner Strafmaßverkündung am Mittwochabend (Ortszeit), im Gegenteil, die USA hätten sich ihm gegenüber schlechter verhalten, als Staaten mit einem weniger ausgeprägten Sinn für Rechtsstaatlichkeit. Seine Haftbedingungen bezeichnete er als Folter und als Missachtung seiner Menschenrechte.

„Jeder Angeklagte verdient ein ordentliches Verfahren“

In die gleiche Kerbe schlugen Chapos Anwälte, die kurz darauf vor dem Gerichtsgebäude vor die Mikrofone traten. Dies sei kein faires Verfahren gewesen, klagte Jeffrey Lichtmann, sondern ein Schauprozess. „Es geht hier um unser Rechtssystem. Jeder Angeklagte in den USA verdient ein ordentliches Verfahren, gleich, was er getan hat.“

Es war eine Klage, die man von Chapos Verteidigung während des gesamten Prozesses gehört hatte, der im vergangenen Februar in einem Schuldspruch in allen 10 Anklagepunkten mündete – von Drogenhandel bis zum Betreiben einer kriminellen Vereinigung. Jetzt, rund um die Strafmaßverkündung, erneuerte das Team von Star-Anwälten seine Beschwerde.

Geschworene sollen gegen die Auflage Medienberichte gelesen haben

Den jüngsten Grund dafür, von einem Schauprozess zu sprechen, lieferte Richter Brian Cogan der Verteidigung nur Tage vor der Strafmaßverkündigung. Einer der Geschworenen hatte einem Magazin erzählt, dass sämtliche Geschworenen die Auflage verletzt hatten, keine Medienberichte über den Prozess zu konsumieren. Die Verteidigung beantragte daraufhin eine Wiederaufnahme des Verfahrens mit neuen Geschworenen. Der Richter lehnte ab und ordnete an, mit der Strafmaßverkündigung fort zu fahren.

Doch die Beschwerden von Chapos Verteidigung ging noch weiter. Gegen den Berg an Indizien, den die Regierung über die Jahre angehäuft hatte, habe er keine Chance gehabt, so Lichtmann. Zumal ihm der Zugang zu diesen Informationen deutlich erschwert wurde: „Wir haben jede Nacht um Mitternacht ein Paket an neuen Beweisen von der Anklage erhalten, die wir nie und nimmer bis zum Morgen verarbeiten konnten.“

Strukturen des Kartells in Details aufgedeckt

Die amerikanischen Behörden sammeln seit Beginn der 90er Jahre Beweise gegen El Chapo, die in Brooklyn in aller Länge vor den Geschworenen ausgebreitet wurden. Es wurden im Detail die Strukturen des Sinaloa Kartells aufgedeckt, die Handels- und Vertriebswege der Drogen, sowie die grausamen Methoden, mit denen Chapo sein Reich aufbaute und verteidigte.

Dazu gehörten Geschichten, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen konnten. Etwa, wie Chapo einen Rivalen von einem Arzt hat wieder beleben lassen, damit er ihn weiter foltern kann. Oder etwa seine Praxis, Gegner an den Füßen aufzuhängen und zu Tode zu Prügeln.

Verteidigung stört sich an Kronzeugen

Doch die Beschwerde der Verteidigung war damit noch nicht zu Ende. Am meisten störte Lichtman und seine Kollegen, dass sich die Anklage stark auf Aussagen von Kronzeugen verließ, denen durch eine Kooperation mit der Regierung Hafterleichterung versprochen wurde. Nicht weniger als 14 Zeugen aus dem ehemaligen Umfeld des Kartells waren bereits in Haft in den USA.

Die Anklage wertete trotz all dieser Kritik den Abschluss des Prozesses als Triumph. „Ich weiß, dass viele glauben, der Krieg gegen die Drogen lohne sich nicht“, sagte Staatsanwalt Richard Donoghue. „Sie haben nicht recht. Jedem, der versucht, den Platz Chapos ein zu nehmen, wird das gleiche Schicksal blühen wie ihm.“

Effektivität der US-Regierung wird bezweifelt

In der Tat, zweifeln viele in den USA daran, dass die Strategie der US-Regierung, den Drogenkonsum in den USA zu kriminalisieren und mit enormem Aufwand die Drogenbosse zu jagen, effektiv ist. So hat seit der Verhaftung von Chapo der Drogenkonsum in den USA nicht ab- sondern zu genommen. Im Jahr 2017 starben in den USA mehr als 70,000 Menschen an Drogen. Die Kartells sind nicht verschwunden, sondern lediglich unübersichtlicher geworden.

Alleine deshalb betrachteten Kritiker den Prozess gegen Chapo als Schauprozess. Die US Drogenbehörde DEA gibt jährlich laut Time Magazine knapp 60 Milliarden Dollar für die Drogenbekämpfung aus. Der Erfolgsdruck ist über die Jahrzehnte deshalb enorm angewachsen.

Auch Partner von El Chapo stehen vor Gericht

Immerhin hat der Prozess gegen Chapo zu einer Reihe von Folgeprozessen geführt. In Chicago steht Jesus Beltran Leon, ein Partner von El Chapos Sohn vor Gericht. In Kalifornien wird demnächst Chapos Sicherheitschef Jose Rodrigo Arechia abgeurteilt. In New York wird Fredy Renán Nájera Montoya der Prozess gemacht, ein honduranischer Kongressabgeordneter, der Chapo beim Kokain – Schmuggel geholfen und in seinem Auftrag einen General ermordet hat.

Ob all das Amerikas Drogenproblem löst, bleibt dennoch zweifelhaft. Fest steht allein, dass der größte Drogenkriminelle aller Zeiten nun ein für alle Mal von der Bildfläche verschwunden ist. Dem großen Geschäft mit den Betäubungsmitteln und der Gewalt auf den Straßen Nordamerikas und Mexikos wird dies jedoch wohl keinen Abbruch tun.

Von RND/Sebastian Moll

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