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Panorama Mörder-Phantom löst sich in Luft auf
Nachrichten Panorama Mörder-Phantom löst sich in Luft auf
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17:55 26.03.2009
Mit diesem Phantombild suchte die Polizei einen Täter, den es vermutlich gar nicht gibt
Mit diesem Phantombild suchte die Polizei einen Täter, den es vermutlich gar nicht gibt Quelle: ddp
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Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) stellte sich am Donnerstag hinter die Ermittler, während die Grünen-Landtagsfraktion von „einer der peinlichsten Pannen in der Polizeigeschichte des Landes“ sprach. Ob die Polizei tatsächlich seit Jahren aufgrund verunreinigter Wattestäbchen eine falsche Spur verfolgte, wird voraussichtlich nächste Woche feststehen. Bis dahin erwartet das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart Ergebnisse aus den laufenden Untersuchungen.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass es die im Zusammenhang mit dem Heilbronner Polizistenmord und rund 40 anderen Straftaten gesuchte „Unbekannte Weibliche Person“ (UWP), wie die Ermittler die angebliche Serienverbrecherin bislang nannten, möglicherweise nicht gibt. Die Ermittler überprüfen, ob die an den Tatorten von Kriminalisten verwendeten Wattestäbchen schon zuvor mit DNA verunreinigt waren. Ein LKA-Sprecher erläuterte am Donnerstag, die Produktionskette des Herstellers werde auf mögliche Schwachstellen untersucht. In der Firma, deren Name nicht genannt wurde, seien auch DNA-Tests von Mitarbeitern vorgesehen.

Während Rech die Ergebnisse abwarten will und weder Anlass für Kritik an den Ermittlern noch für Zweifel am Sinn von DNA-Analysen generell sieht, schloss Landesjustizminister Ulrich Goll (FDP) eine Panne nicht aus. „Manchmal wird man auch als Politiker noch überrascht“, sagte Goll. Er sprach von einer „hohen Plausibilität“, dass die Spuren nicht von der Phantomfrau seien. Es sei zu überlegen, was das für Folgen haben könne. Rech kündigte vorerst nur rechtliche Schritte gegen die Firma an, falls sich der Verdacht bewahrheiten sollte.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, zeigte sich von der neuen Entwicklung derweil nicht überrascht. Bei der Fahndung nach dem „Phantom“ habe es bereits in der Vergangenheit viele Hinweise auch von Ermittlern gegeben, dass die Spurenlage nicht plausibel sei. „Die ganz unterschiedlichen Tatorte, die Durchführung der Taten und das unterschiedliche Täterumfeld passten einfach nicht zusammen“, erläuterte Freiberg. Er warf die Frage auf, ob das eingesetzte Untersuchungsmaterial sorgfältig genug überprüft wurde. Die DNA-Analyse stellte er dagegen wie Rech nicht in Frage.

„Nun muss höchstwahrscheinlich die Suche nach mehreren Mördern ganz von vorn beginnen, fügte der GdP-Chef hinzu. Diese Wende schloss auch das LKA nicht aus. Womöglich müssten alle Fälle mit DNA-Treffern neu bewertet werden, hieß es dort. Vorwürfe, die Polizei habe sich zu sehr auf die „Phantom“-Spur kritisiert, wies der Behördensprecher aber zurück. Die DNA-Spur sei „nie das einzige Standbein“ der Ermittlungen zum Polizistenmord gewesen. Es gebe mehrere Ansätze.

Die Zweifel waren unter anderem wegen eines DNA-Treffers in Saarbrücken aufgekommen. Dabei ging es um einen seit 2002 vermissten Asylbewerber. Da ein gewaltsamer Tod nicht ausgeschlossen werden konnte, ließ die Polizei aus den Akten des Asylverfahrens einen Fingerabdruck des Asylbewerbers auf DNA untersuchen. Auch dabei tauchte die „Phantom“-DNA auf, obwohl es keinerlei Zusammenhang mit der gesuchten Frau gab.

Bei dem Polizistenmord in Heilbronn waren am 25. April 2007 eine 22-jährige Beamtin mit einem Kopfschuss getötet und ihr 25-jähriger Kollege lebensgefährlich verletzt worden. ddp