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Panorama „Mein Zuhause ist meine Leinwand“: Bloggerin Holly Becker im Interview
Nachrichten Panorama „Mein Zuhause ist meine Leinwand“: Bloggerin Holly Becker im Interview
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11:00 09.02.2019
„Ich liebe es, für Menschen eine inspirierende Atmosphäre zu schaffen“: Ein Hausbesuch bei Interior-Expertin und Bloggerin Holly Becker. Quelle: Philipp Rathmer

Frau Becker,
auf Ihrem Blog Decor8
und Ihren Social-Media-Kanälen sehen Millionen Follower täglich, wie Sie eingerichtet sind. Was ist Ihre Wohnung für Sie? Ein Zuhause? Oder ein Ort, an dem Sie Ideen umsetzen?

Diese Wohnung bin ich. Wir leben hier auf 220 Quadratmetern und sind sehr glücklich hier. Es leben nur vier Familien bei uns im Haus, die untereinander befreundet sind. Wir feiern besondere Anlässe mit ihnen. Als mein Sohn Aidan geboren wurde, kamen die Nachbarn regelmäßig, um mir dem Baby zu helfen. Mein Mann arbeitet wie ich viel zu Hause, wir haben beide ein Büro hier. Unser Sohn geht in der Nähe zur Schule. Diese Wohnung ist das Zentrum unseres Lebens. Alles passiert von hier aus. Einer meiner Freunde sagte mal, dass unsere Wohnung mein Headquarter sei. Das trifft es sehr gut.

Wie oft gestalten Sie um?

Jede Saison. Aber ich verändere nicht viel. Ich tausche die Kissen aus, oder die Bücher auf dem Tisch. Ich habe viele Bilder, oftmals hänge ich dann andere auf. Die Möbel bleiben meistens an ihrem Platz.

Was treibt Sie an?

Ich bin eine Kreative, eine Künstlerin. Und ich liebe es, für Menschen eine inspirierende Atmosphäre zu schaffen Mein Zuhause ist meine Leinwand. Ich kann keine Bilder malen oder besonders gut zeichnen, aber es fällt mir leicht, schöne Räume mit guter Energie zu kreieren. So schaffe ich Kunst. Ich habe das schon als Kind im Alter von sechs Jahren gemacht. Meine Mutter sagt, jedes Mal, wenn sie nach Hause kam, hatte ich Möbel umgestellt und die Dekoration der Bücherregale verändert. Sie fand das toll und inspirierend und hat mich immer ermuntert, kreativ zu sein. Wir haben gerne zusammen genäht, dekoriert oder den Garten verschönert.

„Diese Wohnung bin ich“: Holly Becker in ihrem Wohnzimmer in Hannover. Quelle: Philipp Rathmer

Wie machen Sie das heute? Reden Sie vorher mit der Familie?

Ja, wir diskutieren die Dinge. Als ich neulich neue Esszimmerstühle gekauft habe, habe ich meinem Mann vorher einige Modelle gezeigt. Er hat mir etwa von einem Modell abgeraten und gesagt: Das ist zu sehr ein Designerstuhl. Niemand kann darauf sitzen. Er sagt hin und wieder: Das bring mal lieber nicht mit nach Hause. Das ist unpraktisch. Ich muss dann oft einsehen, dass er Recht hat und meine Idee vielleicht ein bisschen zu wild war. Manchmal treffe ich durch ihn tatsächlich bessere Entscheidungen.

Ist das eine Raufaser-Tapete?

Ja. In den meisten Räumen haben wir sie abnehmen lassen, um einen glatten, modernen Look zu erzeugen. Nur an wenigen Wänden ist sie geblieben.

Sie haben mal geschrieben, dass Sie Raufaser-Tapete gar nicht mögen.

Ich bin da mittlerweile pragmatisch und sehe die Vorteile: Die Tapete verdeckt viele Macken in der Wand. Und alte Gebäude wie dieses Haus haben nun mal eine Menge davon. Aber Wände ohne Raufaser-Tapete gefallen mir immer noch besser!

Helle Farben, vom skandinavischen Design inspirierte Möbelstücke – der Look von Holly Beckers Wohnung lässt sich durch das Austauschen von Dekoration und Details an neue Einrichtungstrend anpassen. Quelle: Holly Becker

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihren Blog zu starten?

Ich habe im Jahr 2006 mit dem Bloggen begonnen. Damals hatte ich mich bei mehreren Magazinen beworben, aber keine Erfahrung. Ich war Interior-Designer und wollte über meine Arbeit schreiben, aber ich bekam nur Absagen. Also startete ich meinen Blog. Sechs Monate später hatte ich sie überzeugt: Ich fing an, für mehrere Einrichtungsmagazine zu schreiben, und ich bekam sehr schnell eine Kolumne im „Boston Globe“. Später dann kamen Bücher dazu. Mein Blog aber ist geblieben. Er ist eine Herzensangelegenheit, er gehört zu mir.

Mit „Living at Home + Holly“ ist jetzt das erste Einrichtungsmagazin erschienen, das mit ihrem Namen versehen ist. Wie kam es dazu?

Vor einem Jahr wurde ich Kolumnistin der Zeitschrift „Flow“ und die Chefredakteurin Sinja Schütte sagte zu mir: Du bist so voller Ideen, du solltest ein eigenes Magazin machen. Damals haben wir erstmal gelacht. Aber man sollte vorsichtig mit dem sein, worüber man Witze macht: Später wurde uns klar, dass wir eine gute Idee hatten. Und so habe ich in „Living at Home“ zunächst eine regelmäßige Kolumne bekommen, die ich immer noch mit viel Freude schreibe. Dann kam der Verlag auf mich zu – und wir setzten die Idee des eigenen Magazins um.

Liebevoll zusammengestellt: Kerzen, Pflanzen und verspielte Details verleihen jedem Raum eine persönliche Note. Quelle: Holly Becker

Die Arbeit vieler Influencer besteht darin, sich mit Produkten zu zeigen und damit für diese zu werben. Viel Text oder Hintergrund braucht es nicht. Wie finden Sie das?

Das Internet hat uns viele Möglichkeiten eröffnet, uns zu präsentieren. Manche Menschen machen das auf eine Weise, die für andere sehr inspirierend sein kann. Auf der einen Seite finde ich das bewundernswert. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, echte Kompetenzen zu entwickeln und sich zu bilden. Jeder sollte sich ernsthafte Gedanken über seine Zukunft machen. Der schnelle Ruhm als Influencer kann schon morgen vorbei sein. Dann braucht man einen Plan B.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Ich bin sehr beständig in dem was ich tue und in meinem Stil. Aber ich bin auch gerne innovativ. Ich habe sehr viel Energie und eine große Antriebskraft. Die Menschen wissen, dass sie mir vertrauen können, ich lasse mich nicht kaufen. Ich bin freundlich und ich möchte Menschen helfen – im Geschäfts- wie im Privatleben und natürlich beim Interior Design ihres Zuhauses. Ich habe keine Geschwister, habe mir aber immer welche gewünscht. Deshalb bin ich jetzt gerne Schwester und Freundin für viele Menschen, besonders Frauen. Sie wissen, dass ich authentisch bin – was du siehst, ist das, was du bekommst.

„Living at Home + Holly“ erscheint zweimal jährlich bei Gruner + Jahr. Quelle: Verlag

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