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Panorama „Ich werde deine Brücke über tiefes Wasser sein“
Nachrichten Panorama „Ich werde deine Brücke über tiefes Wasser sein“
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16:55 07.07.2017
„Ein Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft“: Oberbürgermeister Stefan Schostok (links) mit dem Brautpaar. Quelle: dpa
Hannover

Sie trägt ein fließendes langes Kleid in Seidensatin. Leicht ins Roséfarbene schimmernd, mit langen Ärmeln, vor dem Bauch ein wenig gerafft. Schlicht und doch gediegen. Ein angemessen eleganter Dress für eine Modeschöpferin. Entworfen hat es ihre Freundin, die libanesische Designerin Sandra Mansour, die auch das Brautkleid für die kirchliche Trauung designt hat. Doch wenige bekommen dieses Kleid zu sehen.

Der dunkle Phaeton mit getönten Scheiben (und Braunschweiger Kennzeichen), in dem das Brautpaar sitzt, verschwindet zügig in der Lieferanteneinfahrt des Neuen Rathauses. Mehrere Kamerateams filmen, die internationale Presse ist da: „Die Hochzeit von Ernst August von Hannover und Ekaterina Malysheva ist ein enorm wichtiges Thema für uns“, sagt Marie Emilie Fourneaux, die aus Paris für die Illustrierte „Point de Vue“ angereist ist. „Das ist eine Titelgeschichte.“

Ein Massenansturm von Schaulustigen bleibt aus, aber einige sind doch gekommen, um einen Blick aufs Brautpaar zu erhaschen: „Der Erbprinz macht einen sympathischen Eindruck“, sagt die 67-Jährige Monika Otto, „und so was kommt so schnell nicht wieder.“

Egal ob Lady Di, Mette Marit oder Grace Kelly: Adlige Hochzeiten sind vor allem modisch immer ein Highlight.

Die meisten werden enttäuscht; kaum jemand bekommt das Brautpaar zu sehen. Das Rathaus bleibt zwar geöffnet, Einlasskontrollen gibt es nicht. Und doch wird das prominente Paar bei seiner standesamtlichen Trauung hermetisch abgeschirmt: Flatterbänder sperren die Zufahrten ums Rathaus. Innen verdecken Sichtschutzwände den Eingang zum Trauzimmer.

Eine kleine, aber illustre Runde ist dabei, als Oberbürgermeister Stefan Schostok das Paar in der Ratsstube traut. Die beiden wünschen ausdrücklich eine Eheschließung im Familienkreis. Als Trauzeugen fungieren Dina Amer und Julio Santo-domingo, Freunde des Paares, sowie Christian von Hannover. Der Bruder des Bräutigams heiratet seinerseits bald die aus Peru stammende Alessandra de Osma. Mit dabei ist außerdem Alexandra, die Schwester des Bräutigams. Ernst August hat ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu der 17-Jährigen, die aus der Ehe seines Vaters mit Caroline von Monaco stammt. Diese ist selbst nicht ins Rathaus gekommen – dafür ist aber Chantal von Hannover dabei, die Mutter des Erbprinzen.

Ernst August senior ist nicht bei der Hochzeit seines Sohnes dabei. Das Verhältnis ist angespannt, der 63-Jährige versagte der Ehe seinen Segen und forderte in der vergangenen Woche öffentlich Schenkungen von seinem Sohn zurück, darunter die Marienburg.

Oberbürgermeister Stefan Schostok vollzieht die Zeremonie teils auf Deutsch, teils auf Englisch. Erst vor Kurzem hat er einen Lehrgang absolviert, um Trauungen durchführen zu dürfen. Zur Sicherheit hat er bei seiner Premiere eine erfahrene Standesbeamtin an seiner Seite. In seiner Ansprache zitiert er aus einem Liebeslied der Band Swan Silvertones: „I’ll be your bridge over deep water if you trust in me“ – „Ich werde deine Brücke über tiefes Wasser sein, wenn du mir vertraust“.

Das Bild der Brücke sei passend für eine Ehe, sagt er – und diese Ehe sei ein Brückenschlag ganz besonderer Art: „Ein junger Mann aus sehr alter Familie, die wichtige Aspekte hannoverscher Stadtgeschichte repräsentiert, heiratet in unserer modernen Stadt“, sagt Schostok. „Kaum ein anderer Anlass könnte schöner einen Bogen spannen zwischen Geschichte und Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft als diese Hochzeit.“

Dann ist die Zeremonie vorbei; die Gäste huschen über den Rathausflur. Das Brautpaar verschwindet im Phaeton. Ernst Augusts Schwester Alexandra sitzt auf dem Beifahrerplatz, neben sich den weißen Brautstrauß. Die Braut heißt jetzt „Prinzessin von Hannover Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg Königliche Prinzessin von Großbritannien und Irland“. Geborene Malysheva.

Am Sonnabend um 12 Uhr beginnt dann die kirchliche Trauung in der Marktkirche, in einem Gottesdienst mit rund 600 geladenen Gästen. Nach dem Ja-Wort ist vor dem Ja-Wort.

Von RND/Simon Benne

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