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Panorama Die Hippies sind wieder da: Blumenkränze im Haar sind erneut in
Nachrichten Panorama Die Hippies sind wieder da: Blumenkränze im Haar sind erneut in
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15:20 06.07.2019
Perfekt arrangiertes Modeaccessoire zwischen Freiluftbühne und Dixi-Klos: Blumenkränze sind besonders auf Festivals der Sommertrend. Quelle: freestocks/unsplash
Hannover

Hip zu sein reicht diesen Sommer nicht, man muss schon Hippie sein, um auf Social-Media-Kanälen viele Likes zu bekommen. Das jedenfalls suggeriert die Blumenindustrie. Der Blumenversand Fleurop beispielsweise hat schon vor einigen Jahren damit begonnen, sich ganz unverblümt mit eigenen Ständen unters Festivalvolk zu mischen und Workshops im Blumenkranzflechten anzubieten.

In diesem Jahr ist die „Initiative Blumen – 1000 gute Gründe“ der nordrhein-westfälischen Erzeugergenossenschaft Landgard mit einer „stylischen Flowerbar“ bei diversen Open-Air-Veranstaltungen vertreten, um Anleitungen im Selbstbinden von Blumenschmuck für Haar und Handgelenk zu geben. Denn laut Landgard sind die „fröhlichen Blumenkinder wie zuletzt in den Siebzigern“ wieder allgegenwärtig.

Perfekte Instagram-Fotos statt Frieden und Liebe

Woodstock reloaded? Der vermeintliche Blumenkranzkult ist eher jenseits des legendären Festivals, das im August 1969 den Höhepunkt der Hippie-Bewegung markierte, angesiedelt.

Denn während damals auf den Kuhweiden bei Bethel im US-Bundesstaat New York Blumen als Symbol für Liebe und Frieden getragen wurden, geht es nach Einschätzung der Floristen heutigen Fans bei Musikveranstaltungen unter freiem Himmel vorwiegend um „die perfekten Fotos für Instagram und Co“.

Danach ist also einer von tausend Gründen, Blumen zu kaufen, diese als möglichst perfekt arrangiertes Modeaccessoire zwischen Freiluftbühne und Dixi-Klos zur Schau zu stellen.

In diesem Jahr ist die „Initiative Blumen – 1000 gute Gründe“ der nordrhein-westfälischen Erzeugergenossenschaft Landgard mit ihrer Flowerbar bei diversen Open-Air-Veranstaltungen vertreten. Quelle: 1000 gute Gründe

Auch die Nähe zur Natur, die die Ur-Hippies gern betont haben, spielt nach der heutigen Definition von Blumenkind keine Rolle mehr: Unter der Rubrik „Festivalmode“ von Onlineversandhäusern kann man Kunstblumenkitsch zum Anstecken und Umhängen direkt mitbestellen. Eine beim Chillen auf der grünen Wiese zusammengezwirbelte Gänseblümchenkette sieht allerdings weitaus weniger billig aus.

Doch in Sachen Instagram-Tauglichkeit könnte es für das zarte Gratismodell möglicherweise wieder Abstriche geben. Es geht schließlich darum, aus der Menge herauszustechen. Fotogene Flower-Power braucht heute möglichst Blüten der Orchidee Vanda Deep Purple sowie Yasmin, Chrysanthemen und Hahnenkamm.

Das alles wächst zwar nicht auf Festivalplätzen, ergibt aber einen Haarreifen, der es in diesem Jahr immerhin bis auf den Laufsteg von „Germany’s Next Topmodel“ geschafft hat. Für wen das der Maßstab ist, der kann sich mittels DIY-Videos im Internet Tipps zum Selberbinden holen. Wer lieber binden lassen will, zahlt zusätzlich zu den exklusiven Blumen in der Regel auch einen exklusiven Preis zwischen 50 und 100 Euro.

Blumen lieber in Form von Stickereien oder als Lochmuster

Dann vielleicht doch lieber die Gänseblümchenkette – oder mal wieder nach Coachella schielen: Das jährliche Musikevent in den USA eröffnet traditionell im Frühjahr den weltweiten Festivalreigen – und gibt mit all den Influencern und It-Girls unter den Besuchern den Dresscode der Saison vor.

In diesem Jahr waren in Coachella tatsächlich die Siebzigerjahre angesagt: Häkelbikinis, Maxikleider, Ethno-Chic. Blumen gab es höchstens in Form von Stickereien oder als Lochmuster zu sehen. Im Haar steckten in der Regel Designer-Sonnenbrillen. Die sind nicht unbedingt schicker oder origineller, aber in der kalifornischen Wüste immerhin nützlicher als Blumen, die dort sowieso schneller als üblich die Köpfe hängen lassen würden.

Vergänglichkeit hat zwar auch was mit Einzigartigkeit zu tun. Doch der morbide Charme welker Blüten steht wohl selbst den fröhlichsten Blumenkindern nicht besonders gut zu Gesicht.

Von Kerstin Hergt

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