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Panorama Bilanz: Hellseher tappen auch 2015 im Dunkeln
Nachrichten Panorama Bilanz: Hellseher tappen auch 2015 im Dunkeln
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17:43 11.12.2015
Berlin

Dagegen gab es vor realen Katastrophen wie dem Germanwings-Absturz oder den Terroranschlägen von Paris keine belegten Warnungen, wie sich aus einer Prognoseauswertung der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" ergibt, die am Freitag in Roßdorf bei Darmstadt veröffentlicht wurde.

"Wieder einmal erwiesen sich die Wahrsager als Versager, die Hellseher stocherten im Dunkeln und die Astrologen lieferten bestenfalls Binsenweisheiten", bilanziert der Anti-Esoterik-Verein.

2015 wurden den Angaben zufolge die Prognosen von rund 70 namentlich bekannten Hellsehern und Wahrsagern ausgewertet. "Besonders im Herbst hatten Weltuntergänge Hochkonjunktur", heißt es in der Jahresbilanz, die von dem Mainzer Mathematiker Michael Kunkel erstellt wurde.

Zwischen dem 24. September und dem 7. Oktober hätte es gleich dreimal so weit sein sollen. Ein sich "Neo, the One" nennender Deuter der Verse des Renaissance-Dichters Nostradamus habe den dritten Weltkrieg auf die Tage zwischen dem 1. und 10. November terminiert und eine christliche Sekte erwarte seit September aufgrund der Experimente am Genfer Kernforschungszentrum CERN eine "Verschiebung der tektonischen Erdplatten, was ungeheure Erdbeben auslösen würde".

Wirklich exakte Prognosen seien selten, überwiegen würden einschränkende Formulierungen wie "möglicherweise", "vielleicht", "denkbar", resümieren die Autoren der Studie. Dies treffe auch auf Katastrophenprognosen zu. Spektakuläre Prognosetreffer seien nicht zu erkennen gewesen. Zwar hätten Christian Dion und Nikki Pezaro auch Paris als eine Stadt genannt, für die Terroranschläge zu erwarten seien. Aber der bei Dion genannte "Louvre" war nicht das Ziel und beide hatten noch zahlreiche andere Städte aufgeführt, wo glücklicherweise kein Anschlag stattfand.

Ohne Datum seien solche Prognosen ohnehin wertlos. Nicht vorhergesagt wurden auch spektakuläre Ereignisse wie der Absturz des Germanwings-Fluges 9525 am 24. März 2015. "Auf dieses Ereignis passende Prognosen sind nicht bekannt", heißt es. Nur im Nachhinein hätten Astrologen in den Horoskopen des Erstflugs des Flugzeugs, der Bundesrepublik Deutschland, des Startdatums des Unglücksflugs und dem Geburtshoroskop des Piloten allerlei vermeintliche Hinweise gefunden.

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften hat sich die sorgfältige Untersuchung parawissenschaftlicher und esoterischer Behauptungen zum Ziel gesetzt. In dem Verein sind nach eigenen Angaben über 1.300 Wissenschaftler und wissenschaftlich Interessierte zusammengeschlossen. Die Gesellschaft unterhält in Roßdorf bei Darmstadt das Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken. Der Verein gibt die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift "Skeptiker" und den kostenlosen Newsletter "e-Skeptiker" heraus. epd

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