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Niedersachsen Zentralrat der Juden bemängelt neuen Geschichtslehrplan für die Oberstufe
Nachrichten Niedersachsen Zentralrat der Juden bemängelt neuen Geschichtslehrplan für die Oberstufe
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09:42 23.07.2010
Von Saskia Döhner
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Der Zentralrat der Juden in Deutschland und der niedersächsische Geschichtslehrerverband haben massive Kritik am geplanten neuen Lehrplan in Geschichte für die Oberstufe geübt. Die Themen Nationalsozialismus, Holocaust und Judentum kämen nicht ausreichend vor. Es bleibe den Lehrern überlassen, wie sie eines der wichtigsten Themen deutscher Geschichte behandelten. Verbindliche Vorgaben gebe es nicht. Der Generalsekretär des Zentralsrats der Juden, Stephan Kramer, hat Mitte Juni in einem Brief an den niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) geschrieben, dass gerade heute wichtig sei, „dass Nationalsozialismus und Holocaust auch in der Oberstufe behandelt und in einen breiteren Kontext eingeordnet werden, der zulässt, moralische Handlungsmaxime für die Zukunft zu entwickeln.“ Die täglich abnehmende Zahl der Zeitzeugen fordere eine angemessene Behandlung im Unterricht umso mehr.

Althusmann hat den Brief Kramers bislang noch nicht beantwortet. Er werde es aber noch tun, versicherte gestern eine Sprecherin. Das Thema liege dem Minister sehr am Herzen. In Kürze werde die Expertenkommission über die Einwände gegen das Kerncurriculum, auch die des Zentralrates, beraten. Der Vorsitzende des Verbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, bemängelte gestern, dass sein Verband am Anhörungsverfahren nicht beteiligt war.

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Der Geschichtslehrerverband hat neben der Vernachlässigung des Nationalsozialismus noch weitere Kritikpunkte. So seien die Wahlmodule viel zu unpräzise, bemängelte Vorsitzender Martin Stupperich. Lehrer und Schüler würden verunsichert, eine vernünftige Vorbereitung auf das Zentralabitur sei unmöglich. Der neue Lehrplan sei nach der Auflösung der Landeszentrale für politische Bildung und der Kürzung der Mittel für Besuche in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen ein weiterer Schritt in einer falschen Entwicklung, sagte Frauke Heiligenstadt (SPD). Ina Korter (Grüne) forderte gestern, den Kultusausschuss des Landtages in seiner nächsten Sitzung am 13. August über das Thema zu unterrichten.

Alexander Dahl 22.07.2010