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Niedersachsen Wulff soll Druck machen
Nachrichten Niedersachsen Wulff soll Druck machen
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21:28 13.07.2009
Major Harald Schmitz im Kontrollturm für den Flug- und Schießbetrieb der "Nordhorn Range". Quelle: Lewandowski/Archiv
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Selbst die Linkspartei lobte den „plötzlichen Sinneswandel“ des Ministerpräsidenten, und auch die SPD begrüßte den Vorstoß: „Der Ministerpräsident hat das gesamte Parlament hinter sich“, sagt der Nordhorner Landtagsabgeordnete Gerd Will. Kritik kam dagegen aus der eigenen Partei.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte in der vergangenen Woche seine Pläne für einen Luft-Boden-Schießplatz bei Wittstock in Nordbrandenburg aufgegeben. In der Region um Nordhorn befürchtet man seitdem, dass die „Nordhorn Range“ in Zukunft noch stärker von der Bundeswehr benutzt wird. „Wir erwarten die Verlagerung der Einsätze ins Ausland und in Simulatoren und damit die Aufgabe unseres Platzes“, hatte Wulff daher in der Zeitung „Die Welt“ gefordert.

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Das Verteidigungsministerium machte am Montag deutlich, dass die Bundeswehr an der „Nordhorn Range“ festhalten will. Es sei allgemein bekannt, dass die Luftwaffe Übungsplätze gerade im Hinblick auf Auslandseinsätze benötige, sagte Ministeriumssprecher Thomas Raabe in Berlin. Wenig Verständnis zeigt auch die Verteidigungsexpertin Monika Brüning (CDU) aus Wunstorf: „Nicht alles lässt sich am Simulator lernen. Das echte Manöver bleibt unersetzbar“, sagte die Bundestagsabgeordnete, die auch dem Verteidigungsausschuss angehört. Um für den Einsatz gut gerüstet zu sein, müsse die Luftwaffe auch in der hiesigen Landschaft aktiv sein.

In der Grafschaft Bentheim und im Nachbarkreis Emsland sieht man das anders. Die Bewohner von Nordhorn, Lingen und weiterer Gemeinden sind besonders von den lauten Überflügen der Bundeswehrjets betroffen. Allein im vergangenen Jahr gab es rund 1600 Starts. Nordhorns Bürgermeister Meinhard Hüsemann (SPD) bedankte sich daher bei Wulff. Zugleich machte er deutlich, dass er weiteren Einsatz erwartet: „Das ganze kommt ja auch im Wahlkampf“, sagte Hüsemann. „Es ist jetzt an ihm, dafür auch einzustehen.“ Der Ministerpräsident solle „über den Bundesrat tätig werden“ und das direkte Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel suchen.

Tatsächlich kann Wulff nicht viel mehr tun, als seinen Einfluss auf politischer Ebene geltend zu machen. Das Verteidigungsministerium erhält daher in letzter Zeit viel Post aus Niedersachsen. In einem Brief an Jung hatte Wulff bereits vor einem Monat appelliert, Jung solle mit Blick auf die gleichmäßige Verteilung der Lasten der Bundeswehrflüge auf Wittstock nicht verzichten. Auch Hüsemann und der Bentheimer Landrat Friedrich Kethorn (CDU) haben Jung geschrieben: Von „Bestürzung“ und „Enttäuschung“ ist darin die Rede. Für Hüsemann und Kethorn bedeutet Gleichbehandlung: „Range schließen“.

von Karl Doeleke
 und Stefan Koch