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Niedersachsen Wulff lässt sich nicht mehr hochstufen
Nachrichten Niedersachsen Wulff lässt sich nicht mehr hochstufen
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23:36 18.01.2010
„Ich hätte mir bewusst machen müssen, dass das bei Touristen übliche Upgrade bei einem Ministerpräsidenten Fragen aufwerfen kann“: Ministerpräsident Wulff räumt Fehler ein.
„Ich hätte mir bewusst machen müssen, dass das bei Touristen übliche Upgrade bei einem Ministerpräsidenten Fragen aufwerfen kann“: Ministerpräsident Wulff räumt Fehler ein. Quelle: Burkert (Archiv)
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Wulff erklärte am Montag, dass er erst aufgrund einer Medienanfrage der Fluggesellschaft Air Berlin einen mehrstelligen Differenzbetrag für den Privatflug von Düsseldorf nach Miami erstattet hat, den er mit seiner Familie in der Weihnachtszeit unternahm. „Ich hätte mir bewusst machen müssen, dass das bei Touristen übliche Upgrade bei einem Ministerpräsidenten Fragen aufwerfen kann“, sagte Wulff.

Seit am Wochenende bekannt wurde, dass Wulff am 20. Dezember 2009 seinen bereits im Mai gebuchten Flug in den Weihnachtsurlaub nicht in der bezahlten Economyklasse, sondern in der Businessklasse angetreten hat, sieht sich der Ministerpräsident öffentlicher Kritik ausgesetzt. Die SPD macht den „Luxusflug“ zum Thema im Landtag und will wissen, ob Wulff aufgrund einer direkten Intervention von Air-Berlin-Chef Joachim Hunold auf die wesentlich teureren Businessplätze gekommen ist. Dies allerdings bestritt die Fluggesellschaft, die Wulff von sich aus die besseren Plätze kostenlos angeboten hat und somit den Politiker in den Geruch einer Vorteilsannahme brachte.

Der Ministerpräsident war nach Angaben der Fluggesellschaft am 20. Dezember nach Florida gestartet, mitsamt seiner Frau und einer Tochter. „Wir haben drei Tage vor dem eigentlich geplanten Abflugtermin am 19. Dezember festgestellt, dass die Maschine hinten im Economybereich sehr voll ist und sechs Plätze vorne in der Businesszone noch frei sind“, erläutert Air-Berlin-Sprecher Hans-Christoph Noack. Da am 19. Dezember der Düsseldorfer Flughafen wegen Schneefalls blockiert war, sei der Flug auf den 20. verlegt worden.

Man habe vor allem aus Sicherheitsgründen Wulffs Familie, die ohne Sicherheitsbeamte reiste, die teureren Plätze vorne im Flugzeug angeboten – kostenlos. „Unsere Buchungsstelle hat im Büro von Herrn Hunold nachgefragt, ob das Upgrade in Ordnung sei und ein Okay bekommen“, sagt der Air-Berlin-Sprecher. Upgrades für Prominente seien bei Air-Berlin üblich: „Boris Becker würde auch gefragt werden.“ Wulff will künftig aber auf solche Upgrades verzichten. „In Zukunft werde ich darauf bestehen, andere heraufzustufen.“ Er habe jetzt den Differenzbetrag zwischen den preiswerten Economytickets und den teureren Businesskarten bezahlt, „weil ich glaube, dass Politiker jeden Anschein einer Besserstellung vermeiden sollten“. Durch eine Indiskretion hatte der „Spiegel“ Wind von der kostenlosen Hochbuchung bekommen. Air Berlin lässt derzeit ermitteln, wie es dazu kam, dass Wulffs Buchungsunterlagen weitergereicht wurden.