Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Wulff als Köhler-Nachfolger?
Nachrichten Niedersachsen Wulff als Köhler-Nachfolger?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:35 01.06.2010
Spricht Horst Köhler hier mit seinem Nachfolger, Christian Wulff?
Spricht Horst Köhler hier mit seinem Nachfolger, Christian Wulff? Quelle: dpa
Anzeige

Von Monika Wendel

Hannover. Das Prozedere zur Wahl des Bundespräsidenten ist Christian Wulff bestens bekannt. Vor fast einem Jahr saß der niedersächsische Ministerpräsident in der Bundesversammlung, die Horst Köhler ins höchste Staatsamt wählte. Schon 1994 hatte Wulff an der Nominierung von Roman Herzog mitgewirkt, wie der CDU-Regierungschef am Dienstag erzählte. Der 50 Jahre alte Landeschef gab sich freundlich und gelassen. Auf Fragen zu seiner eigenen Zukunft reagierte der 50-Jährige, der zuvor gerade Gaumenfreuden aus Niedersachsen präsentierte, ausweichend. Er ist selber als ein möglicher Nachfolger von Köhler und neuer Hausherr von Schloss Bellevue im Gespräch.

Wulff, seit 2003 Regierungschef mit einer schwarz-gelben Koalition in Niedersachsen, verkörpert das Image eines Politikers der Mitte, der eher sanfte Töne anschlägt. Im Landtagswahlkampf setzte er ganz auf einen präsidialen Stil - knallhart zu polarisieren ist seine Sache nicht. Die Opposition kritisierte den Regierungschef als konturenlos. Seine Politik sei beliebig, wetterte der politische Gegner.

Nach dem angekündigten Rückzug von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wird Wulff in den Medien als der einzige verbliebene Kronprinz von Kanzlerin Angela Merkel gehandelt. Denn auch Jürgen Rüttgers aus Nordrhein-Westfalen hat durch seine Schlappe bei der Landtagswahl seine Position geschwächt.

Der katholische CDU-Politiker Wulff, der in zweiter Ehe verheiratet ist und zwei Kinder hat, kommentierte mögliche Ambitionen auf das Kanzleramt stets mit der Aussage, er wolle noch lange in Niedersachsen bleiben. Auch bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten hielt sich der CDU-Bundesvize Wulff, den politische Beobachter für einen ehrgeizigen Strategen halten, zurück.

Er verwies am Dienstag auf die Spitzen von CDU, CSU und FDP, die „in Ruhe“ einen Vorschlag erarbeiten sollen. Wulff sagte: „Die Parteivorsitzenden haben jetzt alle Zeit der Welt, einen klugen, ausgewogenen und überlegten Vorschlag zu unterbreiten.“ Es sei des Amtes nicht würdig, wenn jetzt Namen in den Raum gestellt werden - aus Niedersachsen wurden auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und die frühere Bischöfin Margot Käßmann genannt.

Ernsthaft vorgeschlagen hat Wulff bislang nur der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter. Im April allerdings war der CDU-Mann schon einmal in einigen Zeitungen als präsidiabel gehandelt worden. Da hatte er gerade die erste türkischstämmige Ministerin Deutschlands berufen und wurde für den Coup gefeiert. Viele Beobachter werteten das als Zeichen, dass Wulff die Rolle des Provinz-Fürsten eben doch nicht reicht.

Der einstige Oppositionsführer in Niedersachsen, dem damals das Image des biederen Langweilers anhaftete, schaffte es, sich als Landesvater beliebt zu machen. Das Bild des „Saubermanns“ allerdings war Anfang des Jahres getrübt: Wulff räumte einen Verstoß gegen das Ministergesetz ein. Er hatte für einen Flug mit der Familie in den Weihnachtsurlaub ein kostenlos angebotenes Upgrade in die Business-Klasse angenommen.

Trotz der Debatte um die Köhler-Nachfolge absolvierte Wulff seine Termine am Dienstag nach Plan. Er machte Werbung für Lebensmittel aus Niedersachsen, traf mit seiner Landtagsfraktion zusammen, und am Abend wollte er die Weltausstellung Expo 2000 in Hannover bei einem Festakt wieder aufleben lassen. Erstaunt, dass auch sein Name bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten auftauchte, schien er dabei nicht zu sein. Stattdessen berichtete Wulff von seinen guten Kontakten zum überraschend zurückgetretenen Bundespräsidenten, den er unter vier Augen und sogar im Norderney-Urlaub getroffen habe.

Michael B. Berger 01.06.2010
29.05.2010
Margit Kautenburger 27.05.2010