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Niedersachsen Wirrwarr um Strahlenmessungen in Gorleben
Nachrichten Niedersachsen Wirrwarr um Strahlenmessungen in Gorleben
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21:33 26.09.2011
Strahlender Abfall: Behälter mit Atommüll im Zwischenlager Gorleben. Quelle: dpa
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Hannover

Die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig hat neue Messwerte zur Strahlung am Atom-Zwischenlager Gorleben veröffentlicht, die „Entwarnung“ im Streit um das Lager bedeuten könnten. Nach Meinung der PTB-Experten werden Grenzwerte am Castor-Zwischenlager nicht überschritten. Doch die Opposition im Landtag betrachtet diese neue Messungen skeptisch, kritisiert auch die Messmethoden. Die Frage bleibt: Waren die Meldungen über erhöhte Strahlung am Außenzaun des Geländes nur falscher Alarm?

Auslöser des Streits um möglicherweise zu hohe Strahlenwerte am Atomüll-Zwischenlager Gorleben sind die Ende August bekanntgewordenen Messungen des Landesbetriebs NLWKN. Danach deutet der Halbjahreswert für Neutronenstrahlung am Lagerzaun in Gorleben mit 0,27 Millisievert auf eine Überschreitung der zulässigen Jahresdosis hin, sogar dann, wenn keine weiteren Castor-Behälter mehr eingelagert werden. Das Umweltministerium hat nun noch einmal messen lassen, diesmal war die PTB am Zug. Die Bundesanstalt kam zu einem anderen Ergebnis. Danach liegt die Gesamtstrahlung an der Lagerhalle mit 0,212 Millisievert deutlich unter dem zugelassenen Jahresgrenzwert von 0,3 Millisievert. Zusammen mit dem für das erste Halbjahr gemessenen Wert des Landesbetriebs werde nun eine Gesamt-Jahresdosis von 0,233 Millisievert prognostiziert, erklärte der Leiter der Abteilung Atomaufsicht und Strahlenschutz, Gerhard Feige.

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Wie kommt es zu den Unterschieden? Die Bundesanstalt wendete eine andere Messmethode an als der Landesbetrieb. Dieser benutzte eine Methode, bei der die Strahlung „gesammelt“ wird. Sie verändert die Eigenschaften eines Materials, und daraus wird die Höhe der Strahlung abgeleitet. Die PTB führte ihre Messung hingegen mit einer Art Zählrohr durch. Dabei werden die in das Rohr eintretenden Neutronen elektronisch registriert. Jedes Neutron löst einen elektrischen Impuls aus, aus der Zahl dieser Impulse lässt sich die Strahlung ablesen. Die Messgenauigkeit von der Methode, die die PTB verwendete, gilt als etwas höher. Beide Methoden sind fachlich anerkannt.

Relativ große Unterschiede, wie sie jetzt aufgetreten seien, dürfte es nicht geben, meint der Physiker Wolfgang Neumann vom Beratungsbüro Intac in Hannover. „Jetzt muss geklärt werden, was die Ursache dafür ist.“ Neumann verweist darauf, dass die PTB zwar auf den Einfluss der natürlichen Strahlenbelastung bei den Messwerten hinweist, aber die Höhe dieser Strahlung in ihren Berechnungen nicht angegeben hat. Je höher man den Anteil der natürlichen Strahlenbelastung ansetze, desto geringer sei der Einfluss der Neutronenstrahlung aus dem Zwischenlager, erklärt Neumann.

Fragen bleiben offen. Was aber heißt das für die Castor-Transporte? Umweltminister Hans-Heinrich Sander will vor einer Entscheidung eine TÜV-Expertise abwarten.

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