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Niedersachsen Wird AKW Unterweser für Ökostrom umgerüstet?
Nachrichten Niedersachsen Wird AKW Unterweser für Ökostrom umgerüstet?
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23:25 29.03.2011
Das AKW Unterweser liefert derzeit keinen Strom.
Das AKW Unterweser liefert derzeit keinen Strom. Quelle: dpa
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Eine rund 700 Kilometer lange Stromleitung von Norwegen nach Niedersachsen soll die Ökostromnutzung in Deutschland voranbringen. Das Projekt entfacht auch die Debatte über die Nutzung des Atomkraftwerks Unterweser neu: Forderungen, den abgeschalteten Meiler statt für die Erzeugung von Atomstrom als Umspannwerk für Ökostrom zu nutzen, werden lauter.

Die Grünen und eine Bürgerinitiative machen sich dafür stark. Auch das Unternehmen NorGer, das die norwegisch-deutsche Stromleitung mit See- und Erdkabeln plant, favorisiert das Atomkraftwerk Unterweser bei Esenshamm als Umspannwerk. Der verantwortliche Netzbetreiber Tennet habe das aber nicht als geeignet bewertet. Nun sei das südlichere Moorriem (Kreis Wesermarsch) dafür vorgesehen, sagte NorGer-Projektleiter Jens Harenberg in Hannover. Sollte das AKW Unterweser, das jetzt während des dreimonatigen Atommoratoriums abgeschaltet wurde, dauerhaft vom Netz bleiben, wolle das Unternehmen den Standort erneut prüfen.

Der Naturschutzverband BUND forderte die CDU-FDP-Landesregierung auf, sich für die dauerhafte Stilllegung des Meilers einzusetzen und dort eine Ökostrom-Einspeisung ins Netz zu ermöglichen. Das sieht auch eine Bürgerinitiative im Kreis Wesermarsch so: Einige Mitglieder demonstrierten am Dienstag mit Plakaten am Landtagsgebäude. Die Bürger befürworten zwar das Projekt zum Ausbau der erneuerbaren Energien, protestieren aber gegen eine rund zwölf Hektar große Konverterstation in Moorriem. Sinnvoller sei als Standort das AKW Unterweser, die Leitung wäre dann auch rund 35 Kilometer kürzer, sagte die Bürgerinitiative. Eine Konverterstation wandelt Gleichstrom in Wechselstrom für das deutsche Energienetz um.

Ungeachtet der Kritik geht die Planung für die Stromleitung in die entscheidende Phase. Das Kabel soll mit 1400 Megawatt Übertragungsleistung so viel Strom aus Wasser- und Windkraft übertragen, wie ein Großkraftwerk produziert. Ziel ist es, mit Strom aus deutscher Windkraft und aus norwegischer Wasserkraft zu handeln. Die Stromkabel sollen rund 650 Kilometer weit durch die Nordsee verlaufen und in Butjadingen an Land kommen. Dort zieht sich die Leitung als unterirdisches Erdkabel 50 Kilometer weit durch Stadland bis nach Moorriem. NorGer-Projektleiter Harenberg sagte, die Leitung sei ein wesentlicher Baustein zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Bei starkem Wind soll Norwegen das Überangebot des Stroms aufnehmen, Flauten sollen von den norwegischen Wasserkraftwerken ausgeglichen werden.

Monika Wendel

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