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Niedersachsen Wieder Keime auf der Frühchenstation
Nachrichten Niedersachsen Wieder Keime auf der Frühchenstation
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00:01 11.05.2012
Von Anja Schmiedeke
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Meppen

„Die Kinder tragen den Keim, sie sind aber nicht erkrankt.“ Der Geschäftsführer des Krankenhaus Ludmillenstift in Meppen, Wilhelm Wolken, bemühte sich gestern Abend um eine Entschärfung der Lage.

Am Vortag waren bei Tests von fünf Säuglingen auf der Frühchenstation in Meppen multirestistente Keime aufgetaucht, sogenannte ESBL-bildende E.coli. Die E.coli zählen zu den üblichen Bakterien im Darm, wenn sie aber gegen Antibiotika resistent sind, werden sie zu Risikofaktoren. Die Behandlung im Krankheitsfall wird dann sehr schwierig.

Um eine Infektion zu verhindern, sind die betroffenen Frühchen in Meppen derzeit isoliert. Ein Säugling wurde unter Schutzmaßnahmen aber auf die Normalstation verlegt, „weil es dem Kind so gut geht“, sagte Wolken. Die Frühchenstation ist für Neuaufnahmen gesperrt, solange die Quelle der Keime nicht identifiziert ist. „Wir haben alle Mitarbeiter gescreent und warten nun auf die Ergebnisse.“

Das Sozialministerium begrüßt, dass das Krankenhaus nach dem Auftreten der Keime zügig Schutzmaßnahmen eingeleitet hat, dazu zählen neben der Isolierung der Kinder auch strikte Desinfektionsregeln.

E.coli sind beim Menschen keine Seltenheit - viele tragen sie zum Beispiel in der Nase, ohne dadurch zu erkranken. Gegen Antibiotika resistente ESBL werden im Krankenhaus jedoch zur tödlichen Gefahr. In Bremen kamen im vergangenen Jahr bei einem Keimausbruch drei Frühchen ums Leben. Auch durch eine umfangreiche und teure Sanierung der Station wurde das Bakterium nicht ausgemerzt: In diesem Jahr starben dort erneut zwei Säuglinge, auch bei ihnen wurden ESBL nachgewiesen.

Eine andere Sorte multiresistenter Keime sorgte Ende Januar für Aufregung im Stader Elbeklinikum: Dort wurde an sechs Babys der Frühchenstation der MRSA-Keim festgestellt, er wird auch oft Krankenhauskeim genannt. Auch diese Kinder waren nicht erkrankt.

Michael B. Berger 10.05.2012
Klaus Wallbaum 09.05.2012
09.05.2012