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Niedersachsen Widerstand gegen die Nordhorn-Range
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08:12 17.07.2009
Wolfgang Egberdt von der Bürgerintitative Notgemeinschaft Nordhorn-Range posiert vor dem Gelände der Nordhorn-Range, mit einem Plakat mit der Aufschrift „Schluss mit dem Lärm und Bomben - Nordhorn-Range muss weg“. Quelle: David Hecker/ddp
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Enttäuschung über die vielen Politiker, die immer und immer wieder vollmundig eine Schließung des Luftwaffenübungsplatzes versprachen und genauso oft ihr Versprechen brachen; Resignation, weil die Bürgerinitiative Notgemeinschaft Nordhorn-Range trotz großer anfänglicher Erfolge in über 30 Jahren die endgültige Schließung des Geländes bis heute nicht erkämpfen konnte.

„Eigentlich“, sagt Friedrich Kethorn (CDU), Landrat des Landkreises Grafschaft Bentheim, „ist in den letzten Jahren alles schon viel besser geworden.“ Unter dem Druck der Öffentlichkeit, allen voran der Notgemeinschaft, haben sich die Anflüge auf den Luftwaffen-Schießübungsplatz Nordhorn-Range von durchschnittlich 14 000 pro Jahr auf 1600 Anflüge im Jahr 2008 reduziert. Es gibt keine Nachtflüge mehr, die Mittagsruhe wird eingehalten, und während der Sommermonate herrscht eine generelle Flugpause.

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Doch für Kethorn und die Bürger in seinem Landkreis ist das noch nicht genug. Denn auch die deutlich verringerten Flugbewegungen seien unerträglich. Nicht nur, dass die anfliegenden Düsenjäger sich jeweils in Viererverbänden mit extremem Lärm im Sinkflug der Range näherten, um dort aus einer Höhe von etwa 30 Metern ihre Waffen abzufeuern, sagt der Landrat. Auch die Flüge über bewohntem Gebiet und Industrieflächen mit teilweise hochsensibler Bebauung seien für die Betroffenen nicht nur unzumutbar, sondern zudem höchst gefährlich.

Viele Bürger in der Region fühlen sich in Sachen Nordhorn-Range von den Politikern im Stich gelassen. So erinnert sich der Landrat konkret an Demonstrationen und Politikerbesuche, bei denen die Volksvertreter, allen voran der langjährige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder, den Demonstranten versprachen, die Range zu schließen. An sein früheres Versprechen erinnert, habe Schröder später als Bundeskanzler nur mit einem vierzeiligen Brief geantwortet, in dem es hieß: „Es gibt auch noch andere Dinge zu berücksichtigen, an eine Schließung ist nicht zu denken.“

„Es ist daher verständlich“, sagt Kethorn, „dass die Bevölkerung resigniert. Man hat uns etwas versprochen und nicht eingehalten.“ Dennoch will der Landrat weiter für eine Schließung der Range kämpfen. “61 Jahre hat die Bevölkerung die Belastung durch den Übungsplatz ertragen, doch einmal muss Schluss sein.“

Auch die Notgemeinschaft Nordhorn-Range, die älteste noch aktive Bürgerinitiative Deutschlands, wird weiterkämpfen. Hier sieht man zwar realistisch, dass die Zeiten vorbei sind, als die Notgemeinschaft mit über 1000 Demonstranten vorübergehend den Flugbetrieb lahmlegte oder mit Großkundgebungen, Platzbesetzungen, Straßensperren, Schulstreiks und Protestmärschen internationale Aufmerksamkeit erregte. Dennoch will die Initiative nicht aufgeben. Für den Geschäftsführer der Notgemeinschaft, Wolfgang Egberdt, bedeutet eine weitere Nutzung des Übungsgeländes eine „schon fast fahrlässige Gefährdung von Leben und Gesundheit der Menschen im Einzugsbereich der Range“.

Statt auf die Demonstrationen und Aktionen der Vergangenheit setzt die Bürgerinitiative heute auf friedliche politische Lösungen. „Selten war die Einmütigkeit in der Politik für eine Schließung des Übungsplatzes so groß wie gerade jetzt“, sagt Egberdt mit Blick auf den gerade erst erfolgten Verzicht des Verteidigungsministeriums auf den Luftwaffenübungsplatz „Bombodrom“ in Brandenburg - nach einem mehr als 15 Jahre dauernden Rechtsstreit mit Bürgerinitiativen.

Egberdt begrüßt es ausdrücklich, dass „jetzt nicht nur die Lokalpolitiker, sondern auch die Verantwortlichen im niedersächsischen Landtag und teilweise auch im Bundestag die Sorgen und Nöte der Range-Anrainer endlich ernstnehmen“.

Hoffnung setzen die Betroffenen auch auf eine beim Verwaltungsgericht Osnabrück anhängige Klage. Hier wird auf der Grundlage eines Gutachtens des Verwaltungsrechtlers Michael Ronellenfitsch die Rechtmäßigkeit der Nordhorn-Range generell in Frage gestellt. Noch steht ein Urteil aus. Doch Bürger wie auch Politiker aus dem Landkreis Grafschaft Bentheim erwarten, dass endlich politisch oder juristisch eine Entscheidung zur Schließung der Range fällt.

ddp

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