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Niedersachsen Verdammt lang hin zur Atommüll-Bergung
Nachrichten Niedersachsen Verdammt lang hin zur Atommüll-Bergung
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18:36 06.10.2011
Von Margit Kautenburger
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Hannover

„In zehn Jahren werden wir die Rückholung nicht abschließen, das war eine zu optimistische Aussage“, räumt Wolfram König, der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, ein. Seine Behörde ist Betreiber des Atommülllagers, das als einsturzgefährdet gilt. In der Asse wurden bis 1978 rund 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen deponiert. Nun soll der Müll wieder zurückgeholt werden, weil Wasser in das Bergwerk läuft und die Grube einzustürzen droht. Nach Ansicht von Experten ist die Standsicherheit nur noch bis 2020 garantiert – die Zeit für die Bergung der Fässer ist also knapp. Im Bundesumweltministerium wird bezweifelt, ob die Zeit für eine Rückholung überhaupt ausreicht. Auch Behördenchef König weiß nicht, wie lange die Asse noch sicher ist. „Unsere Scheinwerfer reichen maximal zehn Jahre“, sagt er, verweist aber auf die umfangreichen Stabilisierungsarbeiten, die einen Zusammenbruch verhindern sollen.

Wie sehr das Bergwerk in Bewegung ist, können die Bergleute täglich beobachten. Vor anderthalb Jahren haben sie vor der Atommüllkammer 5 eine massiver Mauer errichtet. Sie zeigt bereits Risse – ein beunruhigendes Zeichen dafür, wie stark das umliegende Gebirge drückt. Ein weiterer Feind ist das Wasser. Seit 1988 strömen täglich 12 000 Liter ins Bergwerk. Wo genau es herkommt, ist unklar. Die Asse ist durchzogen von Bändern des Gesteins Carnallitit, das von eindringendem Wasser aufgelöst werden kann. Jederzeit sei ein drastischer Wassereinbruch möglich. Ob und wann dies passiert, kann aber niemand vorhersagen.

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Nach Ansicht von BfS-Chef König ist die Bergung der Fässer nach derzeitigem Wissensstand die beste Lösung, um die Asse sicher zu schließen. Doch die Bergleute kommen viel langsamer voran, als er sich das wünscht. Das BfS hofft, im November mit einer Probebohrung in die verschlossene Abfallkammer 7 beginnen zu können – mit einem Jahr Verspätung. 1400 Einzelschritte und 32 Auflagen musste die Behörde zuvor abarbeiten. „Niemand konnte vorher ahnen, welche Ausmaße das annimmt“, sagt ein BfS-Sprecher. SPD und Grüne sehen darin eine Verzögerungstaktik der Aufsichtsbehörde, des Umweltministeriums in Hannover. Die Bergleute arbeiten in einer Sicherheitszone, müssen Schutzkleidung und Dosimeter tragen. Die große Gefahr ist, das Staub und Gase aus den Abfallkammern in die Grubenluft gelangen. Der Boden vor der Kammer 7 ist mit schwer entflammbaren Vinylfliesen ausgelegt, die sich bei einer radioaktiven Kontamination leicht säubern lassen. Eine gewaltige Bohrmaschine soll sich über 40 Meter durch den Stein fressen. Dann könnten Bilder in der Kammer gemacht und Luftproben entnommen werden. Pionierarbeit sei das, sagt König.

Lagerungsproblem

Ist der Asse-Müll geborgen, fangen die Probleme erst an. Über Tage muss ein riesiges Zwischenlager gebaut werden, in dem die Fässer zunächst umgepackt und dann für die Endlagerung vorbereitet werden. Einer Studie zufolge müsste diese Halle 25 Hektar groß werden, Dimensionen, die den Anwohnern Sorgen machen. Zwar haben die Asse-Gegner darauf gedrungen, dass die Fässer geborgen werden, ein derart riesiges Zwischenlager aber wollen sie auch nicht in ihrer Nachbarschaft dulden. Im Drei-Schicht-Betrieb müssten der Studie zufolge in dieser Halle über acht Jahre hinweg jeden Tag 85 Fässer gemessen und verladen werden. Knapp 15 000 Container wären in ein Endlager zu transportieren, etwa in den nahen Schacht Konrad in Salzgitter. Erheblicher Verkehr käme auf die Anwohner einer solchen Anlage zu. Ein weiteres Problem ist, dass Schacht Konrad nicht groß genug ist, um die gesamte Müllmenge aus der Asse aufzunehmen. Zu den radioaktiven Abfällen hinzu käme noch kontaminiertes Salz. Diese Schwierigkeiten beschäftigen inzwischen auch die Menschen im Wendland. Sie befürchten, dass der Asse-Müll zusätzlich zu den hochradioaktiven Abfällen im Salzstock Gorleben landen könnte.

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