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Niedersachsen Umweltminister Sander geht – und rügt die Behörden
Nachrichten Niedersachsen Umweltminister Sander geht – und rügt die Behörden
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10:08 21.10.2011
Von Klaus Wallbaum
Amtsinhaber Sander mit seinem designierten Nachfolger, FDP-Chef Stefan Birkner. Quelle: dpa
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Golmbach

Eine anrührende Szene: Hans-Heinrich Sander steht auf seinem Bauernhof in Golmbach, mitten im Weserbergland. Sein Blick schweift in die Ferne zu den Bergen, eine frische Brise weht um seine Nase. „So eine Sicht hat man in Hannover nicht“, sagt der Umweltminister zu den Journalisten neben ihm. „Können Sie verstehen, dass mir der Abschied vom Ministeramt nicht schwerfällt? Ich habe doch hier Ausgleich genug.“

Am Donnerstag hat der 66-jährige FDP-Politiker, über dessen Rückzug aus der Regierung seit Monaten spekuliert wurde, einen Termin genannt: Am 17. Januar will er zurücktreten, sodass im Landtag einen Tag später sein bisheriger Staatssekretär Stefan Birkner als neuer Minister vereidigt werden kann. „Seit Wochen klar“ sei das gewesen – nur hätten einige Umstände das konkrete Datum nach hinten geschoben: die Wahl von Philipp Rösler zum Bundesvorsitzenden, die schwierige Debatte um eine Endlagersuche, die nach dem Atomausstieg neue Brisanz erhalten hat. An der Umweltministerkonferenz im Dezember wolle er unbedingt noch teilnehmen, sagte Sander am Donnerstag. Auch Parteifreunde hatten gemutmaßt, der Politiker könne eben doch nicht loslassen – trotz der Tatsache, dass er auf seinem Hof und in der Lokalpolitik im heimischen Golmbach wahrlich genug zu tun hat. Dort, wo seine Welt in Ordnung ist: „Die FDP hat 33 Prozent und stellt den Bürgermeister“, berichtet ein stolzer Sander. Die Leute im Dorf würden ihn verstehen: „Wenn ich abends noch mit dem Traktor unterwegs bin, dann wissen die: Das ist einer von uns.“

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Es geht ein Unikum aus der Landespolitik, einer, der gern provoziert hat, Schlagzeilen produzierte und es still genoss, wenn sich andere an ihm rieben. Neunmal kandidierte der Berufsschullehrer und Nebenerwerbslandwirt erfolglos für den Landtag, 2003 dann klappte es überraschend – und er wurde sofort Minister. Einer, der so gar nicht nach dem Geschmack der Umweltverbände war. Sander warb für die Atomkraft, ging mit der Kettensäge durch die Elbtäler und wurde zum roten Tuch von Opposition und Umweltgruppen. Aber die direkte und offene Art brachte ihm auch Sympathien, obwohl der FDP-Mann immer mit dem Risiko der Ablösung spielte: „Ich habe immer gesagt: Wenn die mich nicht mehr wollen, schicken sie mich eben wieder nach Hause“, sagte er am Donnerstag.

Der Minister zelebriert seinen Abgang, zieht Bilanz und schimpft auf unverständliche Thesenpapiere, auf schwerfällige Entscheidungsprozesse und eine „Verwaltung, die glaubt, Probleme durch Liegenlassen lösen zu können“. Später in seiner Wohnstube verkündet er: „Kommen Sie in zehn Jahren wieder, dann wird das Haus hier immer noch topfit sein.“ Ein Bauer, sagt Sander, lässt sich nicht vom Hof jagen. „Der bestimmt den Zeitpunkt selbst.“

Saskia Döhner 19.10.2011