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Niedersachsen Was passiert mit dem Wolf?
Nachrichten Niedersachsen Was passiert mit dem Wolf?
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18:05 25.10.2018
Er ist wieder da: 150 Jahre nachdem er als ausgestorben galt, erobert der Wolf seinen natürlichen Lebensraum zurück. Nicht alle reagieren darauf erfreut. Niedersachsens Politiker streiten über den Umgang mit dem Raubtier. Quelle: Foto: dpa
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Hannover

Der Wolf ist wieder da: Nach und nach erobert er sich in Niedersachsen seinen Lebensraum zurück – 150 Jahre nachdem er als ausgestorben galt. Je nachdem, wen man fragt, ist das für manche eine Katastrophe – für andere ein Wunder der Tierwelt. Vor allem ist es aber eines: ein emotionales Thema. Und so erhitzte es auch am Donnerstag die Stimmung der Landtagsabgeordneten.

Die CDU forderte einen neuen Umgang mit dem Raubtier. Dabei zeichnete Martin Bäumer (CDU) ein dramatisches Bild. Weil der Wolf längst zur Gefahr für die Weidetiere geworden ist, hätten viele Schäfer ihre Tiere längst an die Häuser herangeholt. „Doch der Wolf kommt auch in Wohngebiete“, so Bäumer und falle dort über die Tiere her. „Das Blut der Weidetiere spritzt bis an die Hauswände“, sagt er und deutet einen Vorfall in Hemsen (Emden) an. Auch Landtagsvizepräsident Bernd Busemann (CDU) habe bereits acht seiner seltenen Bentheimer Landschafe verloren. Vermutlich ebenfalls durch einen Wolf. Die Initiative von Umweltminister Olaf Lies (SPD) sei ein richtiger Ansatz. Jetzt müsse aber auch das Bundesnaturschutzgesetz geändert werden und das dürfe nicht daran scheitern, dass andere Länder noch nicht vom Wolf betroffen sind.

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Bundesratsinitiative soll einheitliche Lösung bieten

Tatsächlich ist es so, dass der Wolf mehrheitlich im Norden und Osten Deutschlands unterwegs ist. In Niedersachsen leben etwa 180. Deswegen hat die rot-schwarze Landesregierung gemeinsam mit den Ländern Brandenburg und Sachsen in der vergangenen Woche die Bundesratsinitiative Wolf eingebracht. Die Länder fordern darin ein nationales Wolfskonzept. Dabei soll der Artenschutz gewährleistet, im Umgang mit einzelnen „Problemindividuen“ soll eine Tötung allerdings möglich sein.

FDP fordert Aufnahme ins Jagdgesetz

Der FDP geht dieser Vorstoß nicht weit genug. Hermann Grupe forderte, dass der „Wolf als jagdbares Wild reguliert werden kann“. Es ginge dabei nicht darum, dass die Raubtiere wie Ratten bekämpft werden können, sondern darum, die Sicherheit herzustellen. „Die Menschen fühlen sich verraten und verkauft. Sie beginnen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen“, wies Grupe auf den Widerstand im Land hin. Lies Haus habe sich zu einem „Wolfsbeschönigungsbüro“ entwickelt.

Umweltminister Lies reagierte auf die Ausführungen gereizt. „Was nicht hilft, sind Scheindebatten“, konterte er gegen FDP-Mann Grupe. Das Jagdrecht sei keine Lösung des Problems. Die Aufnahme in das Jagdrechte bedeute nicht, dass der Schutzstatus des Wolfes verändert werde. Die Raubtiere sind durch EU-Regelungen und das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Ein Tier darf nur dann getötet werden, wenn von ihm Gefahr für den Menschen ausgeht oder ein großer wirtschaftlicher Schaden entsteht. Laut Lies ist es deswegen vielmehr Zeit für eine klare, bundesweite Regelung – wie durch die Bundesratsinitiative.

Christian Meyer (Grüne) sah darin eine „Placebopolitik“. Selbst wenn die Initiative problemlos durch den Bundesrat ginge, stünde noch nicht fest, dass die Bundesregierung sie auch umsetze. Ein Thema, bei dem es ganz offensichtlich noch eine Menge Diskussionsbedarf gibt.

Von Mandy Sarti