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Niedersachsen Technik erobert Medizin
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18:18 28.11.2018
humorvoller HINWEIS: Ärztin Christine Assmus hält einen Zettel in den Händen, der sonst im Anmeldebereich ihrer Praxis hängt. Beim Digitalgipfel Gesundheit geht es auch um das Phänomen, dass sich viele Menschen mit Hilfe des Internets eigene Diagnosen stellen. Quelle: Foto: dpa
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Hannover

Mit dem Hausarzt skypen – so wie mit dem kilometerweit entfernten Enkel. Noch klingt das nach Zukunftsmusik, doch schon bald könnten genau diese Innovationen den medizinischen Alltag bestimmen. Telemedizin ist ein großes Thema – auch auf dem zweiten niedersächsischen Digital-Gipfel.

Digitalisierung soll Kräfte bündeln

„Für die Zukunft der Medizin ist es absolut wichtig, dass wir Entfernungen überbrücken und Kommunikation erleichtern“, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) anlässlich der Veranstaltung in Hannover. Dabei verwies sie auch auf den vieldiskutierten Fachkräftemangel, der vor allem die Fläche Niedersachsens betrifft. „Wir müssen Professionen noch stärker miteinander verknüpfen“, so die Auffassung der Sozialdemokratin. Kräfte also bündeln. Mit digitaler Kommunikation sei das wesentlich einfacher.

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Ein Thema, das für das Bundesland neu ist. „In Niedersachsen ist die ausschließliche Fernbehandlung unter bestimmten Rahmenbedingungen nun möglich“, erklärte Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN). Das heißt: Ab dem 1. Dezember können Ärzte über Telefon, E-Mail oder Video-Chat Diagnosen stellen, ohne dass der Patient zuvor persönlich vorstellig werden musste. Ei­ne Innovation: „Die alte Re­gelung war einfach nicht mehr zeitgemäß“, ist die ÄKN-Präsidentin überzeugt. Für die kommenden Wochen erwartet sie deswegen, dass sich die Gesundheitswirtschaft vermehrt auf die Modellprojekte im Bereich der Telemedizin stürzen wird. Die ÄKN werde diese Vorhaben genau überprüfen. Wenker mahnte an: „Wir müssen dabei unbedingt auf die Pa­tientenrechte und die Sicherheit der Daten achtgeben.“ Ein Thema, das für viele Pa­tienten und Ärzte wichtig sei.

Hypochondrie verschärft sich durch Internet-Recherche

Neben der Telemedizin stand ein weiteres Thema im Mittelpunkt des Gipfels: die Angststörung „Cyberchondrie“. Immer mehr Menschen suchen medizinischen Rat im Internet. Dabei googeln sie ihre Symptome und bilden sich unbegründet schwere Erkrankungen ein. Eine Schattenseite des Internets: Denn Studien zufolge verstärkt die Online-Recherche die Ängste von Menschen, die zu Hypochondrie neigen. Die Ärztekammer verweist darauf, dass „Dr. Google“ keinen Arztbesuch ersetzen kann. Vielmehr sei ein Arzt-Patienten-Kontakt nötig, um den Betroffenen die Ängste zu nehmen. Auch Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) verwies da­rauf, dass die Technik einen menschlichen Arzt nicht ersetzen könne. Dennoch: „Das Berufsbild wird sich wandeln, und darauf müssen wir uns vorbereiten.“

Von Mandy Sarti