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Niedersachsen Jeder vierte Niedersachse glaubt an Verschwörungstheorien
Nachrichten Niedersachsen Jeder vierte Niedersachse glaubt an Verschwörungstheorien
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19:00 29.05.2019
Jeder vierte Niedersachse glaubt an Verschwörungstheorien.
Jeder vierte Niedersachse glaubt an Verschwörungstheorien. Quelle: Patrick Seeger/dpa
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Hannover

Ein hoher Anteil der Niedersachsen steht der Politik laut einer aktuellen Gesellschaftsstudie misstrauisch gegenüber und glaubt an Verschwörungstheorien. „Nahezu jeder dritte Niedersachse stimmt der Aussage zu, dass hinter Ereignissen, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemeinsam haben, geheime Aktivitäten stecken würden“, sagte der Göttinger Forscher Matthias Micus am Mittwoch bei der Vorstellung des ersten westdeutschen Demokratie-Monitors. 43 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass geheime Organisationen großen Einfluss auf politische Entscheidungen hätten. Ein Viertel glaubt an staatliche Bürger-Überwachung.

Auf der anderen Seite wurde bei der Befragung ein starkes politisches und gesellschaftliches Interesse deutlich. Überraschend wertete Micus das hohe Maß an Vertrauen in staatliche Institutionen wie Justiz und Polizei: „Über 60 Prozent vertrauen der Landesregierung.“ Er will daher in einer vertiefenden Studie diese Widersprüche untersuchen.

Die Ergebnisse zeigen zum Teil widersprüchliche Auffassungen. Zum einen deuten sie auf ein hohes Maß an politischer Unzufriedenheit und Misstrauen gegenüber der Politik. „Nahezu jeder dritte Niedersachse meint, Politiker würden gegen die Interessen der eigenen Bevölkerung handeln“, erklärte der Göttinger Forscher und betonte: „Es gibt auch eine starke Skepsis gegenüber der Problemlösungsfähigkeit von Politik.“ Sein Kollege Florian Finkbeiner sprach von einer „unterschwelligen Enttäuschung“, die spürbar werde.

Jeder Vierte lebt in einer Filterblase

Die Ende 2018 erstellte Studie nimmt das Demokratieverständnis von 1001 Niedersachsen unter die Lupe. Bei 60 Prozent der Befragten wurde eine autoritäre Gesellschaftsvorstellung festgestellt, die für eine starke Führung in Deutschland plädierte. Unabhängig von den Parteipräferenzen nannten die Befragten die soziale Gerechtigkeit sowie die Migration als drängendste Probleme. Nur zwei Prozent der Befragten äußerten bei der Umfrage die Ansicht, dass es in Niedersachsen „sehr gerecht“ zugehe - immerhin 37 Prozent antworteten mit „eher gerecht“. Der Rest äußerte sich negativ. Rund 80 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass sich die Politiker nach den Vorgaben der Wähler orientieren müssten.

Der Großteil der Befragten, die sich als politisch aktiv sehen, liest jeden Tag eine Tageszeitung. Allerdings lebt etwa ein Viertel in der Filterblase der sozialen Medien, so der Göttinger Wissenschaftler.

„Wir müssen Demokratie erlebbarer machen; die Wahlbeteiligungen bei der Europawahl und auch bei Landtagswahlen sind immer noch zu niedrig, wir erreichen ganz viele Menschen nicht“, sagte die Fraktionschefin der Grünen im niedersächsischen Landtag, Anja Piel. Niedersachsen ist das erste westdeutsche Bundesland, in dem das Demokratievertrauen der Bevölkerung gemessen wurde - bisher gibt es einen solchen Monitor vor allem in einigen ostdeutschen Bundesländern. „Wir haben hohe Verzerrungen, die wir uns nicht erklären können“, sagte Finkbeiner.

Von RND/lni

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