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Niedersachsen Streit geht in Grohnde weiter
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17:00 12.08.2009
Atomstreit Grohnde weiter Wulff Betrieb AKW Grüne bemängeln fehlenden Terrorschutz AKW Niedersachsen
Das niedersächsische Kernkraftwerk Grohnde bei Hameln. Quelle: ho/Gemeinschaftskraftwerk Grohnde/ddp
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Rund 50 Umweltschützer demonstrierten friedlich mit Trommeln und Transparenten.

Die Betreiber hätten den Beleg dafür geliefert, dass ein Kernkraftwerk mit einer sicherheitsbewussten Betriebsführung über lange Zeit sicher, umweltverträglich und auch wirtschaftlich betrieben werden könne, sagte Wulff. Grohnde habe in den vergangenen 25 Jahren mehrere Millionen Haushalte zuverlässig mit Strom versorgt und Jahr für Jahr auch rund zehn Millionen Tonnen Kohlendioxideintrag in die Atmosphäre eingespart.

Wulff erklärte, der sichere Betrieb des Kernkraftwerkes Grohnde sei auch ein Gegenbeweis für die von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verbreitete Behauptung, in deutschen Kernkraftwerken sei der Störfall der Normalfall. Eine Anlage wie Grohnde in wenigen Jahren ohne technische Begründung, sondern ausschließlich aufgrund einer politischen Entscheidung abschalten zu wollen, wie es nach dem noch gültigen Atomausstiegsgesetz der Fall wäre, sei falsch. Bei Zweifeln an der Sicherheit müssten Anlagen hingegen sofort abgeschaltet werden.

Die Grünen bezeichneten das Atomkraftwerk Grohnde hingegen als „Trauerfall“. Fraktionschef Stefan Wenzel, die Landesvorsitzende Dorothea Steiner und die niedersächsische Spitzenkandidatin Brigitte Pothmer übergaben Wulff einen Offenen Brief. Darin weisen die Grünen-Politiker darauf hin, dass das Atomkraftwerk Grohnde seit 2001 ohne Terrorschutz ist. Die zur Terrorabwehr installierten Vernebelungsanlagen seien der „kümmerliche Rest eines größeren Plans“.

Die SPD in Niedersachsen gratulierte den Betreibern des AKW ironisch „zum 25-jährigen Bestehen ohne Kernschmelze“. „Da können die 200 Störfälle in Grohnde einem nicht die Feierlaune verderben, da sie ja nicht relevant waren“, sagte der Landtagsabgeordnete Detlef Tanke. Er bezog sich dabei auf Angaben des Umweltministeriums in Hannover, wonach die Zwischenfälle in Grohnde bis auf eine Ausnahme nicht sicherheitsrelevant waren.

Das mit einem Druckwasserreaktor ausgerüstete Kraftwerk an der Weser gehört zu 83,3 Prozent E.ON Kernkraft und zu 16,7 Prozent den Stadtwerken Bielefeld. In der Anlage arbeiten nach Angaben des Betreibers derzeit 345 Männer und Frauen. Mit einer Leistung von 1.360 Megawatt zählt Grohnde zu den größten deutschen Atomkraftwerken.

ddp

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