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Niedersachsen Stichwort: Atomlager Asse II
Nachrichten Niedersachsen Stichwort: Atomlager Asse II
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11:05 15.01.2010
Atomfass
Quelle: Heusel (Archiv)
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Das „Versuchsendlager“ Asse II bei Wolfenbüttel in Niedersachsen wurde 1967 als weltweit erstes unterirdisches Atommüllendlager eröffnet. In dem ehemaligen Salzbergwerk wurde die dauerhafte Deponierung von radioaktiven Abfällen erprobt. Parallel fanden Forschungen zur Endlagerung statt. Die Schachtanlage wurde dabei wahlweise als „Endlager“, „Versuchsendlager“ und auch als „Forschungsbergwerk“ bezeichnet.

Das Bergwerk unterstand dem Bundesforschungsministerium und wurde vom Helmholtz-Zentrum München und dessen Vorläufern betrieben. Erst seit Anfang 2009 wird es rechtlich wie eine Atomanlage behandelt. Zuständig ist seither das Bundesamt für Strahlenschutz, das dem Bundesumweltministerium untersteht.

Von 1967 bis 1978 wurden insgesamt 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Abfall in dem alten Salzbergwerk eingelagert, weit mehr als für Endlagerforschung notwendig war. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz stammten 67 Prozent der Fässer und 86 Prozent des radioaktiven Inventars letztlich aus dem Betrieb von Atomkraftwerken. Unter anderem wurden mehr als 100 Tonnen Uran, 87 Tonnen Thorium und nach Feststellungen des niedersächsischen Landtages etwa 25 Kilo Plutonium eingelagert.

Das ehemalige Salzbergwerk gilt seit langem als einsturzgefährdet. Seit 1988 wird ein stetiger Zufluss großer Mengen Salzlauge - rund zwölf Kubikmeter pro Tag - registriert. Unter Tage sind Decken von alten Abbaukammern eingebrochen, und Wände von Stollen haben sich stark verschoben. Unter der Voraussetzung, dass sich der Laugenzufluss nicht erhöht, schließen Experten derzeit aber für dieses Jahr einen Zusammenbruch des ganzen Bergwerks aus. Zudem laufen unter Tage Stabilisierungsmaßnahmen.

Die Atommüllfässer wurden bei der Einlagerung zum Teil einfach zu Stapeln abgekippt. Man befürchtet, dass Fässer beschädigt oder durchgerostet sein könnten. Mehrfach wurde vor den verschlossenen Einlagerungskammern radioaktiv belastet Lauge entdeckt. Der ungenehmigte Umgang mit der Flüssigkeit führte letztlich dazu, dass das Bundesamt für Strahlenschutz ab 2009 Betreiber des Atommülllagers wurde.

Als Reaktion auf die Laugenzuflüsse in das Bergwerk wurden die Forschungsarbeiten in der Asse 1995 eingestellt. Das Helmholtz-Zentrum erhielt den Auftrag, ein Schließungskonzept für das Bergwerk zu erarbeiten. Das mit großer Verzögerung vorgelegte Konzept sah vor, im Bergwerk Stollen durch Betonbarrieren zu sperren und die Grube mit Salzlauge zu fluten.

Die zuständigen niedersächsischen Bergbehörden verwarfen 2007 jedoch das Flutungskonzept. Das Bundesamt für Strahlenschutz gab am Ende in Übereinstimmung mit Kommunalpolitikern und Bürgerinitiativen Gutachten über drei andere Möglichkeiten der Schließung des Endlagers in Auftrag. Untersucht wurden ein Umlagerung des Atommülls in neue Kammern unter Tage, die Vollverfüllung des Bergwerks mit Salzbeton bei Flutung von Resthohlräumen und die Rückholung der radioaktiven Abfälle.

Die Rückholung würde die Altlast Asse beseitigen, wäre aber möglicherweise mit Strahlenbelastungen des Personals verbunden. Das Bundesamt will die Ergebnisse seines Optionenvergleichs am Montag auf einer Informationsveranstaltung in Wolfenbüttel auch den Anwohnern des Atommülllagers vorstellen.

Die drei Varianten zur Schließung der Asse

Das marode Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel ist stark einsturzgefährdet. Seit vielen Jahren dringt Wasser in das ehemalige Salzbergwerk ein. Die instabile Schachtanlage wird dauerhaft geschlossen. In der Diskussion waren drei Möglichkeiten für die zeitaufwendige Schließung der Anlage.

Das Herausholen des Atommülls: Dabei müssen die Kammern mit den Abfällen maschinell geöffnet und die Fässer über Tage transportiert werden. Die Bergung der Behälter würde überwiegend mit ferngesteuerten Geräten erfolgen, ohne Mitarbeiter. Über Tage ist ein Zwischenlager notwendig bis der Atommüll abtransportiert und endgelagert werden kann.

Die Umlagerung der Fässer: Hierbei werden die Fässer aus den Kammern geborgen und in tiefere Bereiche des Salzstocks gebracht. Das Bergwerk muss dafür mit neuen Schächten um mehrere hundert Meter in die Tiefe erweitert werden. Leer geräumte Kammern müssen sofort wieder verschlossen werden, um die Grube zu stabilisieren.

Die Vollverfüllung mit Spezialbeton: Der Atommüll bleibt bei dieser Option unter Tage. Hohlräume in den Kammern mit dem eingelagerten Atommüll werden mit einem speziellen Mörtel verschlossen, dann werden die Kammern mit Barrierebauwerken eingekapselt. Schließlich muss das gesamte Grubengebäude mit Sorelbeton verfüllt und die Schächte müssen verschlossen werden.

ap / lni