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Niedersachsen Staatsanwaltschaft prüft Wulffs Sylt-Urlaub
Nachrichten Niedersachsen Staatsanwaltschaft prüft Wulffs Sylt-Urlaub
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15:11 08.02.2012
In dieses schmucke Hotel in Westerland auf Sylt soll sich Bundespräsident Wulff Medienberichten zufolge einladen haben lassen.
In dieses schmucke Hotel in Westerland auf Sylt soll sich Bundespräsident Wulff Medienberichten zufolge einladen haben lassen.
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Berlin/ Sylt

Die Behörde habe davon Mitte Januar in den Medien erfahren, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel der Nachrichtenagentur dpa .

"Neu sind die Ergänzungen über die abgeholten Unterlagen. Das fließt jetzt alles in die Prüfung ein", sagte Lendeckel. Wann diese abgeschlossen ist, sei unklar. Lendeckel sagte dem Berliner "Tagesspiegel": "Wir nehmen die Berichterstattung darüber mit großem Ernst zur Kenntnis." Der dpa sagte der Oberstaatsanwalt: "Diese neuen Vorwürfe prüfen wir, wie wir alles bisher auch geprüft haben, mit der gleichen Gründlichkeit."

Dm Bericht der Bild-Zeitung zufolge übernachtete Wulff mit seiner heutigen Ehefrau Bettina vom 31. Oktober bis 3. November 2007 im "Hotel Stadt Hamburg" auf Sylt. Der Preis für die Suite habe 258 Euro pro Nacht betragen. Gebucht und bezahlt habe der mit Wulff befreundete Filmunternehmer David Groenewold.

Am 16. Januar 2012, gut einen Monat nach dem ersten Bericht über die Wulff-Affären, habe Groenewold in dem Hotel angerufen und die Hotelangestellten zu Stillschweigen über den Vorgang gebeten, wie "Bild" meldete. In den Notizen des Hotelpersonals über den Anruf, die "Bild" nach eigenen Angaben vorliegen, heiße es: "Herr David Groenewold hat gestern angerufen, wir sollen keine Infos über ihn rausgeben! Er war 2007 mit Herrn Wulff im HSH und hat den gesamten Aufenthalt übernommen. Falls also Bild oder Spiegel anruft, wir wissen von nichts."

Wenige Tage nach seinem Anruf sei Groenewold persönlich im Hotel erschienen und habe sich von Hotelmitarbeitern alle relevanten Rechnungen und Belege aushändigen lassen. Wulffs Anwalt Gernot Lehr erklärte gegenüber "Bild", dass Groenewold den Aufenthalt in dem Hotel für Wulff organisiert habe, dass Wulff die Kosten aber erstattet habe: "Herr Groenewold hatte die Hotelkosten verauslagt", erklärte Lehr. "Herr Wulff erstattete Herrn Groenewold die verauslagten Kosten des Aufenthalts in den Räumlichkeiten des Hotels Stadt Hamburg." Die Zahlung sei "in bar" erfolgt, fügte der Anwalt hinzu.

Für die SPD sind die jüngsten Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten und seinen Unternehmer-Freund David Groenewold "ein Fall für die Staatsanwaltschaft". Das sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann in Berlin. Der Film-Finanzier habe den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff offenbar "gefällig gefördert", um die Filmwirtschaft in Niedersachsen voranzubringen. Die Vorwürfe beschädigten das Amt des Bundespräsidenten weiter, sagte Oppermann.

Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kritisierte Wulff scharf. Dem Sender N24 sagte sie: "Wir haben offensichtlich einen Bundespräsidenten, der eine Handkasse dabei hat. Erst lässt er sich einladen, und dann zahlt er aber in bar." Sie ergänzte: "Es ist eigentlich richtig furchtbar. Es ist eine Schnäppchenjägermentalität." Sie habe "erhebliche Zweifel", dass Wulff es mit der Gesetzestreue "besonders ernst nimmt".