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Niedersachsen Staatsanwalt ermittelt gegen 50 Ärzte wegen Betrugs
Nachrichten Niedersachsen Staatsanwalt ermittelt gegen 50 Ärzte wegen Betrugs
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01:12 30.07.2010
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Die Staatsanwaltschaft Verden ermittelt gegen rund 50 Ärzte unter anderem aus Celle, Hannover und Hameln sowie gegen einen Pharmagroßhändler wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung sowie gewerbsmäßigen Betrugs. Entsprechende Recherchen von NDR Info bestätigte die Staatsanwaltschaft. Nähere Auskünfte gab es von der Staatsanwaltschaft Verden aber nicht.

Die Mediziner sollen gemeinsam mit dem Großhändler aus der Nähe von Hannover deutlich mehr Rezepte für Sprechstundenbedarf ausgestellt und abgerechnet haben als geliefert. Den Krankenkassen soll so ein Schaden in Höhe von mehr als 1,2 Millionen Euro entstanden sein.

Zum Sprechstundenbedarf zählen Mittel, die der Arzt dem Patienten direkt in der Praxis verabreicht. Dazu gehören Salben, Verbände und Spritzen. Die so entstehenden Kosten rechnen Großhändler, die die Ärzte beliefern, mit sogenannten Rezeptprüfstellen ab. Diese Kosten werden anschließend allen gesetzlichen Krankenkassen in Rechnung gestellt.

In dem konkreten Fall stellten die Ärzte nach Recherchen von NDR Info Blankorezepte aus, die der Großhändler ausfüllte und abrechnete. Tatsächlich wurden die Produkte aber nie geliefert. Da die Rezepte für Sprechstundenbedarf nicht auf einen bestimmten Patienten ausgestellt werden, haben die Krankenkassen keinerlei Möglichkeit, den tatsächlichen Bedarf zu überprüfen.

Allein in Niedersachsen liegen die jährlichen Gesamtausgaben für Sprechstundenbedarf nach Krankenkassenangaben bei 200 Millionen Euro.

Der in den Arztpraxen verwendete Sprechstundenbedarf ist umso teurer, je spezialisierter der Arzt ist. Im Fokus der Verdener Ermittlungen stehen offenbar hauptsächlich Orthopäden. Insider gehen davon aus, dass diese Art des Betrugs über mehrere Jahre gelaufen ist. Die Staatsanwaltschaft Verden verfolgt den Fall seit 2007.

Dem Sozialministerium ist die Betrugsserie nach der Aussage einer Sprecherin bislang nicht bekannt. Auch beim Verband der Ersatzkassen war keine Auskunft mehr zu bekommen.

29.07.2010
29.07.2010
Saskia Döhner 28.07.2010