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Niedersachsen SPD und Grüne fordern Rauswurf von Grotelüschen
Nachrichten Niedersachsen SPD und Grüne fordern Rauswurf von Grotelüschen
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11:12 16.12.2010
Von Karl Doeleke
Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU). Quelle: dpa
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„Wenn es zutrifft, dass die Ministerin in ihrer Zeit als Prokuristin persönlich Dumpinglöhne und ausbeuterische Arbeitsbedingungen verantwortet hat, gibt es für Herrn McAllister keinen Entscheidungsspielraum“, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher Enno Hagenah gestern in Hannover und forderte damit Ministerpräsident David McAllister zum Handeln auf. Auch SPD-Fraktionsvize Olaf Lies forderte: „Ministerpräsident McAllister muss jetzt durchgreifen.“

Die Opposition bezieht sich auf Informationen dieser Zeitung, wonach Grotelüschen bis zur Amtsübernahme in einer Schlachterei in Neubrandenburg als Prokuristin für das Personal zuständig war und daher über die niedrige Bezahlung der Arbeiter Bescheid wissen musste. Gestern Abend sendete auch das NDR-Fernsehen Aussagen von früheren Angestellten, die in dem Betrieb langjährig beschäftigt waren und von einem Monatsverdienst von 680 Euro bei einer Regelarbeitszeit von zwölf bis 13 Stunden pro Tag berichten.

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Grotelüschen war im Zusammenhang mit Dumpinglöhnen unter Beschuss geraten, weil die Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen illegaler Beschäftigung von Bulgaren in einer Schlachterei in Wildeshausen ermittelt. An dem Betrieb ist Grotelüschens Mann Garlich finanziell beteiligt. Für Entsetzen in den eigenen Reihen hatte eine Äußerung Grotelü­schens gesorgt, die so interpretiert wird, als halte sie einen Stundenlohn von fünf Euro für „akzeptabel“. Der NDR zitierte gestern Abend einen ehemaligen Angestellten, der sogar von einem Stundenlohn von regelmäßig nur 3,50 Euro und „extremem Druck“ im Schlachthof berichtete. Grotelüschen war eigenen Angaben zufolge dort für das Personal zuständig.

Die Ministerin wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Seit ihrer Amtsübernahme im April steht Grotelüschen wegen ihrer Nähe zur Geflügelindustrie in der Kritik; sie verharmlose Tierschutzprobleme und Dumpinglöhne.