Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen SPD prangert Tatenlosigkeit in Sachen Hausärztemangel an
Nachrichten Niedersachsen SPD prangert Tatenlosigkeit in Sachen Hausärztemangel an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:09 22.04.2010
Quelle: ap (Archiv)
Anzeige

Um einem Engpass bei Hausärzten auf dem Land vorzubeugen, fordert die SPD im niedersächsischen Landtag mehr Lehrstühle, Stipendien, neue Weiterbildungsstellen und Programme für Existenzgründerinnen. „Ansonsten laufen wir sehenden Auges in einen Hausärztemangel“, sagte der stellvertretende Fraktionschef Uwe Schwarz am Donnerstag in Hannover. Der Sozialexperte warf der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) und der Landesregierung Untätigkeit vor: „Außer einem runden Tisch ist bisher nichts passiert.“

Nach Angaben von Schwarz entscheiden sich in Niedersachsen jedes Jahr nur 50 Medizinstudenten dafür, sich als Hausarzt niederzulassen. Das reiche nicht aus, um die Versorgung auf dem heutigem Niveau zu sichern. Die Mehrzahl der niedergelassenen Allgemeinmediziner ist heute älter als 60 Jahre, bis 2020 könnte daher jeder fünfte der etwa 5000 Hausarztsitze verwaisen. Schon heute gelten einige Landstrichen als unterversorgt.

Anzeige

Für Abhilfe sorgen soll nach Ansicht der SPD in erster Linie die KVN, die ihrem Sicherstellungsauftrag nachkommen müsse. Dazu müssten die hohen Honorarunterschiede zwischen Fach- und Hausärzten ausgeglichen werden. Wenn ein Radiologe 265 000 Euro im Jahr verdiene und ein Hausarzt 116 000 Euro, sei das ein falscher Anreiz, sagte Schwarz. Außerdem solle die KVN die Weiterbildungsstellen stärker fördern, nicht-ärztliche Tätigkeiten auf entsprechend geschultes Fachpersonal verlagern und die Förderung von Weiterbildungsstellen in den Praxen stärker fördern. Von der Landesregierung verlangt die SPD mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin, Niederlassungshilfen für Ärztinnen und die Einrichtung eines Stipendienfonds – über dessen Höhe habe er sich „aber noch keine Gedanken gemacht“, so Schwarz.

Bei der KVN und in der Landesregierung läuft die SPD mit ihren Forderungen offene Türen ein. Der vom Sozialministerium initiierte „Runde Tisch“ habe bereits Ergebnisse gebracht, sagte ein Behördensprecher. So würden etwa ambulante und stationäre Weiterbildungsabschnitte besser miteinander verzahnt und gemeinsam Konzepte für betroffene Kommunen entwickelt.

„Die Forderungen der SPD sind nicht neu“, erklärte ein KVN-Sprecher. Die Ärzteschaft verfolge bereits das Ziel, die Zahl der niederlassungswilligen Medizinstudenten zu verdoppeln. Auch die KVN wolle mehr Weiterbildungstellen schaffen und habe daher die Förderung jüngst um ein Drittel angehoben. Seit Jahresbeginn zahlen KVN und Krankenkassen dem weiterbildenden Arzt 3500 Euro im Monat, im Bedarfsfall könne man den Betrag noch um 750 Euro aufstocken. Die Verlagerung nicht-ärztlicher Tätigkeiten werde in diesem Jahr im Modellversuch getestet und könne im Erfolgsfall in der Fläche eingeführt werden.

Zudem will die KVN landesweit 144 Ärztinnen ansprechen, die derzeit nicht praktizieren. Auch werde noch in diesem Jahr eine Initiative gestartet, um mehr Frauen zur Niederlassung zu bewegen, sagte der KV-Sprecher: „Die Zukunft der Hausärzte ist weiblich.“

Jens Heitmann