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Niedersachsen Röttgen: Atommüll vor Entscheidung über Asse untersuchen
Nachrichten Niedersachsen Röttgen: Atommüll vor Entscheidung über Asse untersuchen
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11:08 15.01.2010
Das Gutachten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) wird am Freitag in Hannover vorgestellt. Quelle: ap (Archiv)

Der Atommüll aus dem einsturzgefährdeten Endlager Asse bei Wolfenbüttel soll nach einem neuen Gutachten herausgeholt werden. Vor der endgültigen Entscheidung darüber will Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nach einem Zeitungsbericht aber den Zustand des radioaktiven Abfalls genauer untersuchen lassen. Erst dann könne das unterirdische Lager mit möglichst geringem Risiko stillgelegt werden, sagte Röttgen der „Braunschweiger Zeitung“ (Freitag). Das Gutachten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) wird am Freitag in Hannover vorgestellt.

Danach sollten die 126.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll in den 20 Kilometer entfernten Schacht Konrad, einen stillgelegten Eisenerz-Bergwerk in Salzgitter, gebracht werden. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger (Freitag). Die Behörde rät der Politik zu größter Eile, da die Grube instabil ist und Wasser eindringt. Mit den Arbeiten solle so schnell wie möglich begonnen werden.

Röttgen betonte: „Nach jetzigem Erkenntnisstand und im Hinblick auf die Langzeitsicherheit erscheint die vollständige Rückholung als die bevorzugte Variante für die Stilllegung der Asse.“ Allerdings nur, wenn der Zustand der Grube und des Atommülls entsprechend stabil seien. Um das festzustellen müsse das Lager geöffnet und genau untersucht werden.

Zu den Kosten der Aktion macht das Bundesamt für Strahlenschutz laut dem Zeitungsbericht keine Angaben. In einem Gutachten des Essener Ingenieur- und Consultingunternehmens DMT und des TÜV Nord werden die Kosten mit mehr als zweieinhalb Milliarden Euro beziffert. Experten hatten insgesamt drei verschiedene Wege zur Stilllegung des ehemaligen Salzbergwerks Asse geprüft - das Herausholen der Atommüll- Fässer, eine Umlagerung innerhalb der Grube oder das Füllen der Kammern.

Unterstützung erhält Röttgen von der Umweltschutzorganisation BUND. Auch der Atom-Experte des BUND, Thorben Becker, rät zu weiteren Untersuchungen. In der „Frankfurter Rundschau“, sagte Becker, es sei zu früh für eine Entscheidung. Die Fässer rauszuholen sei eine Lösung mit „riesigen Fragezeichen“, weil man viel zu wenig über den Zustand des Atommülls wisse.

Greenpeace: Atommüll muss aus Asse raus

Der Atommüll aus dem einsturzgefährdeten Endlager Asse muss nach Ansicht von Greenpeace vollständig zurückgeholt werden. Er solle in ein neu zu bauendes oberirdisches Zwischenlager gebracht werden, sagte Heinz Smital, ein Atomphysiker der Umweltorganisation, am Freitag laut Mitteilung. „Das marode Endlager Asse ist eine Bombe, an der die Lunte bereits brennt.“ Niemand wisse genau, wie viel und welcher Atommüll in dem früheren Bergwerk lagere. „Klar ist aber, dass die Asse mit Wasser voll läuft und die lecken Atommüllfässer früher oder später das Trinkwasser in der Region radioaktiv verseuchen werden. Daher gibt es zur Bergung des gesamten Mülls keine Alternative.“

An den Kosten der Bergung der Fässer und ihrer künftigen Lagerung müssten sich die Stromkonzerne als Hauptverursacher beteiligen. „Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung mit den Stromkonzernen über eine Laufzeitverlängerung für alte Atomkraftwerke und damit über ein weiteres Anwachsen des Atommüllberges spricht, während nicht einmal die Altschulden beglichen sind“, sagte Smital. 63 Prozent der Radioaktivität im Endlager Asse stammen laut Greenpeace aus dem EnBW- Atomkraftwerk Obrigheim, 6 Prozent aus Abfällen aus RWE-Reaktoren und weitere 2 Prozent aus Atommeilern von Eon und Vattenfall.

Die Probleme beim Atommülllager Asse bedeuten aus Sicht des Greenpeace-Experten auch das Aus für das geplante Endlager im Salzstock Gorleben. „Wer nach den Asse-Erfahrungen in einem Salzstock sogar hoch radioaktive Abfälle für eine Million Jahre einlagern will, gehört eigentlich hinter Schloss und Riegel gesperrt“, sagte Smital. „Die Suche muss nun ganz von vorn beginnen.“

Gabriel: Vollständige Rückholung des Atommülls sicherste Option

Der frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hält die vollständige Rückholung des Atommülls aus der Schachtanlage Asse für die sicherste Option. Er hoffe, dass sein Nachfolger Norbert Röttgen und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (beide CDU) dem zustimmen werden, sagte Gabriel am Freitag am Rande der SPD-Fraktionsklausur in Berlin. „Wenn es dazu käme, wäre das eine außerordentlich gute Entscheidung“, fügte der SPD-Chef hinzu. Er verwies darauf, dass das Gutachten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) noch in seiner Amtszeit als Bundesumweltminister vorbereitet worden war.

Das marode Atomlager liegt in Gabriels Bundestags-Wahlkreis Salzgitter/Wolfenbüttel. Der SPD-Vorsitzende forderte, die Kosten der Sanierung müssten von den Verursachern gezahlt werden.

Bürgerinitiative will keine “übereilte“ Asse-Entscheidung

Umweltschützer haben vor einer übereilten Entscheidung zur Schließung des einsturzgefährdeten Atommülllagers Asse bei Wolfenbüttel gewarnt. Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, in deren Region Gorleben als möglicher Standort für ein Atommüll-Endlager liegt, begrüßte grundsätzlich die Entscheidung, den Atommüll aus der Asse herauszuholen. Da der Zustand der Fässer und das radioaktive Inventar unter Tage aber noch nicht geklärt seien, sollte es keine übereilten Maßnahmen geben. Das Bundesamt für Strahlenschutz aber „drückt aufs Tempo statt die Fragen abzuarbeiten“, teilte die BI am Freitag mit.

Atomkraftgegner: Keinen Atommüll mehr produzieren

Atomkraftgegner haben angesichts der Probleme mit dem maroden Atommülllager Asse ein Ende der Atomkraft gefordert. „Die Lehre aus dem Asse-Desaster: Einen sicheren Umgang mit Atommüll gibt es nicht“, sagte der Sprecher der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“, Jochen Stay, laut einer Mitteilung am Freitag. „Die Asse zeigt uns, was passiert, wenn wirtschaftliche Interessen von Stromkonzernen Vorrang vor der Sicherheit der Bevölkerung haben. Dieser Fehler darf nicht erneut passieren. Deshalb fordern wir als Konsequenz aus dem Asse-Desaster das Ende der Atomkraft-Nutzung.“

lni / ap / afp

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