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Niedersachsen Rösler verabschiedet sich aus Hannover
Nachrichten Niedersachsen Rösler verabschiedet sich aus Hannover
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23:19 30.10.2009
Eine Minikuh zum Abschied: Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) bei seiner Verabschiedung im Landtag.
Eine Minikuh zum Abschied: Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) bei seiner Verabschiedung im Landtag. Quelle: lni
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Seine Reisegewohnheiten muss der frischgebackene Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler ziemlich bald umstellen. Enge Mitarbeiter hätten ihm geraten, künftig das Zugfahren zu unterlassen. „Die Gefahr wäre zu groß, dass ich von Lobbyisten angesprochen und mit Material überhäuft werde“, sagte der FDP-Politiker am Freitag beim Abschied in Hannover.

Für Freitagmorgen hatte sich der 36-Jährige an seinem alten Arbeitsplatz, im Wirtschaftsministerium in Hannover, angekündigt. Nicht im Dienstwagen fuhr er vor, sondern am Steuer seines privaten Renault. Im Ministerium erwartete ihn ein herzlicher Empfang. Die Mitarbeiter standen auf der Treppe und applaudierten. Dies sei für ihn „der traurigste Tag“, erklärte Rösler, weil er sich „vom besten Ministerium der Welt“ verabschieden müsse. Die Beamten hätten ihn stets mit guten Vermerken und Hinweisen versorgt. Beifall ertönte, viele waren ergriffen.

Eine halbe Stunde später folgte der Abschied im Landtag. Vor der Ehrenloge bildete sich eine lange Reihe von Abgeordneten, die Rösler die Hand drücken wollten. CDU-Chef David McAllister schenkte ihm eine kleine Kuh aus Porzellan. „Die stelle ich auf meinen Schreibtisch“, kündigte Rösler an. Auch Politiker der Opposition umarmten ihn. Der FDP-Mann war gerührt. „Vielleicht“, sagte Landtagspräsident Hermann Dinkla in seiner Ansprache, „denken Sie bald mit Sehnsucht an die geordneten Verhältnisse in Niedersachsen zurück.“

Dass er selbst gar nicht nach Berlin wollte, gab Rösler später in einigen Gesprächen zu erkennen. Wenn überhaupt, hätte er die Arbeitsmarkt-Arbeitsgruppe bei den Koalitionsgesprächen bereichern wollen, nicht Gesundheit. Aber sein Parteichef Guido Westerwelle habe ihn eindringlich gebeten, und zwar mehrfach – sodass er nicht mehr habe Nein sagen können. In den Verhandlungen sei es anschließend auch heftig zugegangen, so sei er mit dem CSU-Mann Markus Söder lautstark aneinandergeraten. Auch der Begriff „arroganter Schnösel“ soll dabei gefallen sein. Von der Kanzlerin schwärmt der Freidemokrat. Angela Merkel wisse „in allen wichtigen und weniger wichtigen Themen Bescheid“.

Ob er denn dabei bleibe, spätestens mit 45 – also in neun Jahren – die Politik völlig an den Nagel zu hängen? Wenn er jetzt erlebe, „wie misstrauisch sich alle in Berlin gegenseitig betrachten“, fühle er sich in diesem Plan „bestätigt“, sagte Rösler.