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Niedersachsen Rennen um SPD-Spitzenkandidatur beginnt in Lüneburg
Nachrichten Niedersachsen Rennen um SPD-Spitzenkandidatur beginnt in Lüneburg
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23:18 01.11.2011
Foto: Weil oder Lies? In einer Urwahl stimmen die Mitglieder darüber ab, wer als SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2013 gegen David McAllister antritt.
Weil oder Lies? In einer Urwahl stimmen die Mitglieder darüber ab, wer als SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2013 gegen David McAllister antritt. Quelle: Dröse
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Hannover/Lüneburg

Die beiden Bewerber könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite SPD-Landeschef Olaf Lies aus der friesischen Provinz, der gerne mit seinem Trecker herumfährt, Esel und Kaninchen auf seinem Grundstück hält, und erst spät zur SPD gekommen ist.

Auf der anderen Seite das SPD-Urgestein Stephan Weil, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, für den das Fußballstadion von Hannover 96 ein zweites Wohnzimmer ist. Doch beide eint, dass sie Spitzenkandidat für die SPD bei der Landtagswahl 2013 in Niedersachsen werden wollen. Am Dienstag liefern sich beide den ersten Schlagabtausch in der Bewerbungstour zur Kandidatenfindung.

Die Vorstellungsrunde vor etwa 300 Zuschauern im Lüneburger "Vamos" beginnt mit einem Paukenschlag. Die Lüneburger Sportfreunde lockern die Stimmung mit ihren Trommeln und Pauken auf, bevor es auf der Bühne fast ebenso laut und kämpferisch losgeht. Doch Lies und Weil kämpfen nicht in erster Linie gegeneinander, das wird klar.

Vor der Veranstaltung hatte SPD-Fraktionschef Stefan Schostok noch von einer Art Wahlkampf gesprochen, in dem sich beide nun befinden. "Aber wer zu aggressiv reingeht, kann auch isoliert herauskommen", macht er klar.

Aggressiv sind beide Kandidaten am Dienstag vor allem gegenüber der Landesregierung. Bildung, Kommunen, Atompolitik und Mindestlohn - all das sind die Themen, bei denen sie der Koalition aus CDU und FDP Versagen vorwerfen. "Diese Landesregierung hat keine Antworten auf die drängenden Fragen der Bürger in Niedersachsen", sagt Lies. Zwtl: Ähnliche Vorstellungen von Politik Obwohl Lies und Weil in ihrer Persönlichkeit so unterschiedlich scheinen, sind sie am Dienstag in ihrem Entwurf für eine Übernahme der Macht in Niedersachsen sehr ähnlich.

Der stärkste Unterschied wird bei der Haushaltspolitik sichtbar. Während Lies die Abschaffung der Studiengebühren betont, macht Weil klar, dass es mit ihm keinesfalls "Blankoversprechen" geben wird. Bürgernah wollen beide sein, sollten sie nach dem 20. Januar 2013 in die Staatskanzlei einziehen. Weil will sogar seine Bürgersprechstunde, die er als Oberbürgermeister regelmäßig abhält, in die Staatskanzlei mitnehmen. Lies verspricht in seinem Bewerbungsschreiben für die Kandidatur: "Ich meine es ernst: Schreibtisch unter den Arm klemmen, hingehen und zuhören."

Einen klaren Sieger gibt es bei der ersten Vorstellungsrunde nicht. Der vorher als Favorit gehandelte Weil hat genauso Applaus und Zustimmung auf seiner Seite, wie Lies. An die Aufmerksamkeit, die einem Ministerpräsidenten gilt, müssen sie sich aber wohl beide noch gewöhnen. Im minutenlangen Blitzlichtgewitter sagt Weil am Dienstag scherzend: "Ich bin doch nicht Arnold Schwarzenegger." Zeit, das zu lernen, haben sie aber noch. Weitere sechs solcher Regionalkonferenzen wird es in den nächsten Wochen geben.

Am 27. November sollen dann die 65.000 Mitglieder der niedersächsischen SPD schließlich in einer Urwahl entscheiden, wer gegen Ministerpräsident David McAllister (CDU) antritt.

(Julia Spurzem)