Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Regierung schließt Zusammenhang zwischen Asse und Krebsfällen aus
Nachrichten Niedersachsen Regierung schließt Zusammenhang zwischen Asse und Krebsfällen aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:36 04.12.2010
In dre Schachtanlage Asse wird radiokativer Atommüll gelagert. Quelle: dpa
Anzeige

Die Bundesregierung hat einen Zusammenhang zwischen der Atommülllagerung im maroden Endlager Asse bei Wolfenbüttel und dem beobachteten Anstieg von Krebsfällen in der Umgebung des Endlagers ausgeschlossen. Sie bringt nach einem Bericht der „Braunschweiger Zeitung“ (Samstag) stattdessen statistische Zufälle als Erklärung ins Spiel. Das gehe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Bundestags-Anfrage der Grünen hervor, die ihr vorliege, berichtete die Zeitung.

Nach Untersuchungsergebnissen der Umgebung könne der Anstieg der Krebsraten in der Samtgemeinde Asse „nicht durch die Strahlenbelastung aus der Asse erklärt werden“, heißt es in der Antwort auf die Bundestags-Frage von Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. Für die Regierung erklärte die Parlamentarische Umwelt-Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser (CDU) weiter: „Um den beobachteten Anstieg mit Strahlung erklären zu können, müsste nach den vorliegenden wissenschaftlichen Kenntnissen über die Entstehung entsprechender Krebserkrankungen die Dosis etwa 10.000 mal höher sein als beobachtet.“

Anzeige

Die Regierung betont in ihrer ersten offiziellen Stellungnahme zu den erhöhten Krebsraten, die Strahlenbelastung der Umgebung der Asse werde seit 1966 lückenlos erfasst“. Zugleich kämen statistische Zufälle als Erklärung ins Spiel: Eine Analyse seltener Krebserkrankungen in einer kleinen Region „unterliegt zwangsläufig starken statistischen Schwankungen.“ Bei derartigen Auswertungen in einer bestimmten Anzahl von Gemeinden könnten höhere Erkrankungsraten „allein aufgrund des statistischen Zufalls“ gefunden werden.

Im Landkreis Wolfenbüttel selbst seien die Daten unauffällig. Die Regierung versichert aber, sie sei „an einer schnellen Klärung der Sachlage interessiert“ und biete dem Land Niedersachsen Unterstützung bei der Bewertung der beobachteten erhöhten Krebshäufigkeiten an.

Die Grünen-Bundestagsfraktion äußerte sich enttäuscht über die Haltung der Bundesregierung: Sie versuche die Sorgen der Menschen vor Ort kleinzureden, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Dorothea Steiner, der Zeitung. Ein Zusammenhang zwischen Atommüll und Krebshäufigkeit in der Umgebung der Asse liege sehr nahe. Vorige Woche war bekannt geworden, dass in der Umgebung des Endlagers doppelt so viele Leukämie- und dreimal so viele Schilddrüsenkrebsfälle wie im statistischen Mittel aufgetreten waren. Jetzt sollen alle neuen Krebsfälle im Landkreis untersucht werden.

dpa