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Niedersachsen Nord/LB verliert durch Betrug bis zu 130 Millionen Euro
Nachrichten Niedersachsen Nord/LB verliert durch Betrug bis zu 130 Millionen Euro
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10:24 19.02.2010
Von Stefan Koch
Der Norddeutschen Landesbank in Hannover steht ein schwerer Verlust ins Haus. Quelle: Martin Steiner
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In Kreisen der Nord/LB hieß es am Donnerstag, der Schaden könne noch nicht präzise ermittelt werden. Zu befürchten sei aber, dass es sich um „30 bis 130 Millionen Euro“ handeln werde.

Betrogen wurden dem Vernehmen nach Manager der schweizerischen Skandifinanz Bank AG, die über eine weitere Luxemburger Gesellschaft zu 100 Prozent der Nord/LB gehört. Die Justizbehörden in der Schweiz seien bereits aktiv geworden.

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Unter Hinweis auf das laufende Verfahren vermieden am Donnerstag sowohl die Nord/LB als auch der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) jede Stellungnahme. Möllring sagte lediglich: „Das ist ein höchst ärgerlicher Vorgang.“ Möllring ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Nord/LB.

Nach ersten Einschätzungen stellt die Affäre zwar keine ernste Bedrohung für die Nord/LB dar. Anders als andere Landesbanken war die Nord/LB auch gut durch die jüngste internationale Bankenkrise gekommen. Jedoch wäre ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe ein ebenso peinlicher wie empfindlicher Schlag ins Kontor.

Zu den Geschäften der Skandifinanz Bank AG gehören nach deren eigenen Angaben seit 1969 „handelsbezogene Finanztransaktionen“ in alle Industriestaaten und wichtigen Schwellenländer. Privatkunden werden am Standort Zürich seit acht Jahren betreut. Die Bank wirbt damit, dass sie „Unabhängigkeit und Diskretion sowie zahlreiche andere Vorteile des Standortes Schweiz“ anbiete.

Bereits am Dienstag hatte Möllring dem vertraulich tagenden Finanzausschuss des Landtags Bericht erstattet. Aus Kreisen von CDU und SPD wurde betont, dass sich aus diesem Verlust „keine politische Debatte ergeben wird“. Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen sei jedenfalls dem Aufsichtsrat kein Vorwurf zu machen.

Als besorgniserregend gelten unter den Abgeordneten auch die seit Längerem bestehenden Schwierigkeiten der Nord/LB mit ihren Schiffsfinanzierungen. Neben der HSH Nordbank und der Commerzbank ist die Nord/LB einer der größten Schiffsfinanzierer. Nach den Einbrüchen im internationalen Handelsverkehr stehe nun zu befürchten, dass Kredite für Containerschiffe nicht mehr bedient werden. Möllring betonte am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung, man könne und werde die damit verbundenen Schwierigkeiten „durch Umstrukturierungen“ in den Griff bekommen.