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08:22 09.06.2009
Von Saskia Döhner
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Denn nach seinen Berechnungen bildet Niedersachsen viel zu wenig Lehrer aus: „Rund 4200 Neueinstellungen wären jährlich nötig, aber die Zahl der Hochschulabsolventen liegt nur bei rund 2300“, sagte der Wissenschaftler am Montag in Hannover bei der Präsentation seiner Studie, die er für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erstellt hat.

Es sei an sich schon problematisch, wenn Kinder überwiegend von Lehrern im Alter ihrer Großeltern unterrichtet würden, bemängelte Klemm. Angesichts der Pensionierungswelle in den nächsten zehn Jahren könnte es aber bald an den Schulen nicht nur alte, sondern gar keine Pädagogen mehr geben, warnte der Erziehungswissenschaftler.

Bis 2020 werden zwar die Schülerzahlen um 200.000 zurückgehen, aber die Landesregierung hatte stets betont, dass die Zahl der Lehrerstellen erhalten bleiben und etwa für kleinere Klassen genutzt werden soll. Nach dem doppelten Abiturjahrgang 2011 werde sich die Situation deutlich entspannen, hatte es bislang geheißen. Klemm sieht das anders: „Das Problem ist ab sofort da.“

Das Kultusministerium entgegnete, die Nachwuchsplanung sei langfristig gesichert. Durch die Anhebung der Zahl der Referendarsstellen stünden den allgemeinbildenden Schulen jährlich rund 3000 Bewerber zur Verfügung. Es bleibe jedoch „eine Herausforderung, junge Leute für das Lehramtsstudium zu begeistern“, sagte Ministeriumssprecher Andreas Krischat am Montag. Auch an den Hochschulen stehen nach Angaben des Wissenschaftsministeriums mit knapp 5000 Plätzen angehenden Lehrern genügend Kapazitäten zur Verfügung. Es würden jedoch nicht alle Plätze besetzt.

Durch die Umstellung der Studiengänge auf das Bachelor- und Mastersystem würde weder die Abbrecherquote von durchschnittlich 40 Prozent sinken, noch die Dauer des Studium von derzeit rund 6,5 Jahren verkürzt, kritisierte der Essener Wissenschaftler Klemm. Ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums sagte, es gebe dazu noch keine aussagekräftigen Zahlen. GEW-Landesvorsitzender Eberhard Brandt forderte am Montag, die Chancen für Seiteneinsteiger zu erhöhen. Hochschulabsolventen mit Mangelfächern wie Physik oder Mathematik sollten sich in einem einjährigen Masterstudium pädagogisch nachqualifizieren können. Die Lehramtsstudenten müssten an den Universitäten besser betreut werden, zudem sollte die Besoldung besser werden. „Wenn man nicht mehr bezahlt, bekommt man auch die Leute nicht.“ Christa Reichwaldt (Linke) fordert, mehr Geld in die Lehrerausbildung zu stecken.

Klage möglich: In der Affäre um den GEW-Vorsitzenden Brandt überlegt die SPD-Fraktion, ob sie vor dem Staatsgerichtshof auf uneingeschränkte Akteneinsicht klagen soll. Gegen den GEW-Chef läuft ein Disziplinarverfahren, weil er seiner Unterrichtsverpflichtung nicht ausreichend nachgekommen sein soll. SPD-Bildungsexpertin Frauke Heiligenstadt moniert, dass das Ministerium nur teilweise Einsicht in Brandts Personalakte gewähren will, weil einige Dokumente zum „Kernbereich der Regierungsarbeit“ gehörten. Dabei habe Brandt selbst der uneingeschränkten Einsicht zugestimmt.