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Niedersachsen Zahl der Todesermittlungen steigt stark an
Nachrichten Niedersachsen Zahl der Todesermittlungen steigt stark an
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14:27 22.04.2019
Beschäftigt Polizei und Justiz: Niels Högel hat mehr als 100 Patienten getötet. Quelle: Foto: dpa
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HANNOVER

Der Fall des Massenmörders Niels Högel hat auch den Alltag der niedersächsischen Polizisten verändert. Der Krankenpfleger hat mehr als 100 Patienten getötet, die Dunkelziffer seiner Opfer könnte noch viel höher liegen. „Dieser Fall hat zu Veränderungen der Bestimmungen beim Ausfüllen des Totenscheins geführt“, sagt Phillip Hasse, Sprecher der Polizeidirektion (PD) Hannover. Die Folge: Die Zahl der Todesermittlungen hat sich drastisch erhöht. Polizeisprecher Hasse erklärt, dass auch die Zunahme der Feuerbestattungen, die eine zweite Leichenschau nötig mache, zu mehr Verdachtsfällen führe.

Polizisten im Stich gelassen

So stieg die Zahl der Todesermittlungen seit 2013 in der Polizeidirektion Hannover von 1508 (2013) auf 1904 (2018) an; ein Plus von etwa 20 Prozent. Auch in den anderen niedersächsischen Regionen sind die Zahlen der Todesermittlungen zwischen 20 und 30 Prozent gestiegen. Am stärksten hat sich diese Form der Polizeiarbeit in der PD Osnabrück von 1127 (2013) auf 1623 (2018) Fälle erhöht – also um etwa 30 Prozent. Das ergab eine Anfrage der FDP-Fraktion im Landtag. Die FDP glaubt, dass die Polizisten bei dieser Mehrbelastung eher im Stich gelassen werden. Laut einer Studie der Gewerkschaft der Polizei (GdP) fühlen sich 94 Prozent der Thüringer Polizei psychisch und teils auch körperlich stark belastet. Ein großer Stressfaktor für die Gesetzeshüter sei die Konfrontation mit Verletzten und Toten, heißt es.

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Maßnahmen und Vorkehrungen

In der Antwort auf die FDP-Anfrage beschreibt das Innenministerium zahlreiche Maßnahmen und Vorkehrungen, um Polizeibeamten zu helfen. So könnten sich die Beamten an den Polizeiseelsorger wenden. Es ist auch die Rede von Traumatherapien in akuten Fällen, von Einsatznachbereitungen oder der Vermittlung von Bewältigungsstrategien in Fortbildungen. Bereits in der Ausbildung der Polizisten werden die Thema Todesermittlungen erörtert. Aber die Antwort auf Frage 5 der FDP-Anfrage sticht dabei ins Auge: „Die Landesregierung hat keine Erkenntnisse darüber, wie viele Polizeivollzugsbeamten dienstbedingt ein psychisches Krankheitsbild entwickelt haben, da diese Daten nicht erhoben werden.“

Für den innenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Jan-Christoph Oetjen, ein Unding. Die Erfassung der psychischen Krankheitsbilder, die Polizisten auf Grund ihres Dienstes entwickelt haben, sei unerlässlich. „Nur so kann man den Polizeibeamten zielgerichtete Hilfs- und Beratungsangebote anbieten.“ Oetjen fordert die Landesregierung auf, ihrem Fürsorgeauftrag nach zu kommen. Die FDP glaubt, dass Polizisten bei ihren belastenden Einsätzen zu wenig Hilfe erhalten.

Von Thomas Nagel