Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Niedersachsen-SPD will Kandidatenfrage später klären
Nachrichten Niedersachsen Niedersachsen-SPD will Kandidatenfrage später klären
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
03:20 12.09.2011
Er ist der Einzige, der sich relativ deutlich zu seiner Ambition bekennt: Parteichef Olaf Lies. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

„Das läuft heute Abend doch ganz prima, Oberbürgermeisterwahlen in Wolfsburg gewonnen, in Emden, in Stade“, meinte gestern ein gut gelaunter SPD-Landesvorsitzender Olaf Lies: „Mal sehen, wie der Abend weiter läuft. Die SPD ist jedenfalls im Kommen, man muss nur gute politische Antworten und gute Kandidaten haben.“ Eine Antwort auf die Gegenfrage, wer denn der gute Kandidat sei, um Ministerpräsident David McAllister (CDU) in vierzehn oder sechzehn Monaten aus dem Sessel zu hieven, blieb Lies am Sonntag indes schuldig: „Dieser Abend gehört ganz den vielen Kandidatinnen und Kandidaten, die in kleinen und großen Gemeinden um Mandate gekämpft haben – nur ihnen.“ Die Frage, wen die SPD gegen McAllister ins Rennen schicke, sei an diesem Sonntag doch zweitrangig.

Dabei hatten die Sozialdemokraten doch versprochen, nach der Kommunalwahl zu entscheiden, wen sie selbst als personelle Alternative zum christdemokratischen Erbprinzen McAllister aufstellen werden. Den hannoverschen Oberbürgermeister Stephan Weil, der sich indes nie positiv zu dieser öffentlich oft aufgeworfenen Frage stellte? Oder den Braunschweiger SPD-Bundestagsabgeordneten Hubertus Heil, den viele noch als SPD-Generalsekretär in Erinnerung haben? Oder den SPD-Landtagsfraktionsvorsitzenden Stefan Schostok? Der zumindest, hat intern abgewinkt. „Ich habe eine einzige Ambition. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, damit wir 2013 wieder den Ministerpräsidenten stellen“, sagte Schostok gestern dieser Zeitung. Dass er als Vorsitzender des SPD-Bezirks Hannover eine mögliche Bewerbung Stephan Weils stützt, steht in der Partei außer Frage. Doch will Weil überhaupt? Dies war auch am Sonntagabend noch überhaupt nicht klar. „So ein toller Job ist das Ministerpräsidentenamt doch gar nicht, in Berlin ist er eine kleine Nummer, in Niedersachsen hat er wenig Geld, da ist das Oberbürgermeisteramt in Hannover doch schöner“, sagt ein einflussreicher Sozialdemokrat. „Aber der Druck auf Stephan wächst“, sagt er auch noch: „Er muss antreten, wenn wir 2013 überzeugen wollen.“

Anzeige


OB-Wahlen in <span class="rtr-schema-org" itemscope="" itemtype="http://schema.org/Place"><meta itemprop="name" content="Niedersachsen">Niedersachsen</span>StepMap


Am Freitag will der SPD-Landesvorstand unter der Leitung von Lies klären, wie es weitergeht. „Das gibt ein geordnetes Verfahren“, sagt Lies. Treten mehrere Kandidaten an, soll es eine Mitgliederbefragung geben. So hat es der jüngste Landesparteitag beschlossen, der den Friesländer Olaf Lies erst kürte, nachdem dieser in einer Art Kandidatencasting gegen den Hannoveraner Schostok gewonnen hatte. Die beiden teilten sich die Macht: Lies bekam den Partei-, Schostok den Fraktionsvorsitz im Landtag. Aber Weil, der so gerne Oberbürgermeister in Hannover ist, habe wenig Lust sich einer Urwahl zu stellen, heißt es am Sonntag, während Lies eigentlich keinen Hehl daraus macht, dass er Ministerpräsident werden möchte – ein Amt, für das ihn allerdings keineswegs alle Sozialdemokraten für geeignet halten. Zumindest in Hannover gibt es etliche Vorbehalte gegen den Landesvorsitzenden, der erst knapp neun Jahre SPD-Mitglied ist. „Der wirkt zwar populär, aber es fehlt ihm doch komplett die Organisationserfahrung“, heißt es.

Immerhin: Die SPD zeigt sich trotz der ungeklärten Kandidatenfrage erstaunlich geschlossen. Wen man auch am Sonntagabend in der niedersächsischen SPD-Führungsspitze fragt – er verweist auf die Landesvorstandssitzung am Freitag. Und die Sozialdemokratin, die noch eben überzeugend sagte: „Der Stephan muss es jetzt machen“, ruft später an, das möchte man doch noch nicht gedruckt sehen. „Wir haben eben ein gemeinsames Ziel: Wir wollen 2013 gewinnen“, sagt Hauke Jagau (SPD), Präsident der Region Hannover, zu der offenkundigen Geschlossenheit. Sie sei Voraussetzung für den Erfolg.

Von Michael B. Berger