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Niedersachsen Nazigegner blockieren Kundgebungsplatz von Rechten
Nachrichten Niedersachsen Nazigegner blockieren Kundgebungsplatz von Rechten
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12:08 02.08.2009
Rund 1000 Einwohner haben am Sonnabend in Bad Nenndorf gegen einen Aufmarsch von Neonazis demonstriert. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Schon das vierte Jahr in Folge veranstalten „Freie Kameradschaften“ und NPD-Leute einen „Trauermarsch“ zum Nenndorfer Wincklerbad. Dort hatte der britische Militärgeheimdienst nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein Verhörzentrum für gefangene Nazis und mutmaßliche deutsche Kriegsverbrecher eingerichtet. Mehrere Gefangene wurden misshandelt. Großbritannien hat sich längst offiziell dafür entschuldigt.

Mittlerweile wüssten alle Bad Nenndorfer, dass die Rechtsextremisten die Stadt zu einem „braunen Wallfahrtsort“ machen wollen“, sagt Jürgen Uebel. Der Apotheker beteiligt sich ebenso an der Demo gegen Rechts wie viele andere örtliche Geschäftsleute, die ihre Läden an diesem Tag geschlossen haben. Zu dem Protest hat das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ aufgerufen, dem rund 20 Gruppen, Initiativen und Vereine angehören.

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Der Protestzug sei „bunt und friedlich“ verlaufen, sagt ein Polizeisprecher. Mehr Probleme haben die Beamten mit einer Blockadeaktion linksgerichteter Demonstranten. An die 100 Leute hatten am frühen Morgen den geplanten Kundgebungsort der Rechten vor dem Wincklerbad besetzt, mehrere ketteten sich an Pyramiden aus Holz und Beton. Die Polizisten brauchen Stunden, um die Aktion zu beenden. Gegen Teilnehmer der Blockade verhängen die Beamten Platzverweise, vier Personen werden in Gewahrsam genommen.

Mehrere Hundert Neonazis, die meisten sind in Zügen angereist, haben sich am Nachmittag zu einer Kundgebung am Nenndorfer Bahnhof versammelt. Sie warten auf rund 250 weitere Gesinnungsfreunde, die nicht weit entfernt einem Spalier Polizisten gegenüber stehen. „Die wollen sich nicht kontrollieren lassen“, sagt ein Polizeisprecher, „und so lange dürfen die auch nicht loslaufen“. Zuvor haben Beamte bereits einen Lautsprecherwagen der Rechten aus dem Verkehr gezogen. Aus dem Fahrzeug waren größere Mengen Treibstoff gelaufen.

Dieses Mal sind deutlich mehr Rechtsextremisten nach Bad Nenndorf gekommen als in den Vorjahren - 2008 hatten sich rund 400 Rechte an dem „Trauermarsch“ zum Wincklerbad beteiligt. Die Briten hätten das Kurzentrum damals zu einem „grausigen Folterlager“ umfunktioniert, behaupten die Neonazis. Eine Handhabe, den Aufmarsch der Rechten zu verhindern, hat die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben nicht.

Die Gegendemonstranten wollen sich damit nicht zufrieden geben. Der DGB-Regionsvorsitzende Sebastian Wertmüller ruft Behörden und Politiker zu einem konsequenten Handeln auf, wann und wo immer sich Neonazis versammelten. Sowohl die Kommunen als auch die Landesregierung müssten sich eindeutig positionieren. Die Polizei und die Justiz seien aufgefordert, Naziaufzüge zu untersagen. Dies gelte an allen Orten - auch in Faßberg bei Celle, wo Neonazis seit zwei Wochen ein leer stehendes Hotel besetzt halten.

ddp