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Niedersachsen Mit Schuhen gegen Bundespräsident Wulff
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18:20 07.01.2012
Foto: Mit hochgehaltenen Schuhen haben in Berlin 300 Menschen gegen Bundespräsident Christian Wulff demonstriert.
Mit hochgehaltenen Schuhen haben in Berlin 300 Menschen gegen Bundespräsident Christian Wulff demonstriert. Quelle: dpa
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Berlin

Mit hochgehaltenen Schuhen haben am Samstag in Berlin vor dem Schloss Bellevue etwa 300 Menschen gegen Bundespräsident Christian Wulff demonstriert. Der Protest war im Internet über Facebook organisiert worden. Auf Plakaten forderten Teilnehmer den Bundespräsidenten auf dem Gehweg am Schloss Bellevue in Berlin-Tiergarten zum Rücktritt auf. Der Bundespräsident steht wegen eines umstrittenen Privatkredits für einen Hauskauf und einer Auseinandersetzung mit der „Bild“-Zeitung um die Berichterstattung massiv unter Druck.

Zum Abschluss der Demonstration kam es nach Angaben der Polizei zu einer Rangelei, in deren Folge ein Demonstrant und ein Polizist verletzt worden sind. Einige Demontranten hatten die Straßenseite wechseln und damit dem Schloss näherkommen wollen. Dies wollte die Polizei unterbinden. Bei der Rangelei erhielt ein Polizist einen Faustschlag ins Gesicht. Der vorläufig festgenommene Demonstrant, der laut Polizei Widerstand leistete, erlitt Verletzungen, die später im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Zuvor war die Demonstration friedlich verlaufen. „Wulff in die Produktion“ hieß es auf Plakaten, oder „Bundespräsidenten haben kurze Beine“. Ein anderer Teilnehmer hielt ein Schild mit dem inzwischen geflügelten Wort „Ich habe fertig“ in die nasskalte Luft. Als Nachfolge-Kandidat für Wulff wurde u.a. der Kabarettist Georg Schramm empfohlen. Für Lärm sorgten außerdem zahlreiche Trillerpfeifen.

„Ich bin zunehmend und jeden Tag mehr empört. Das geht jetzt alles zu weit“, sagte eine Frau, die zwar ohne Schuhe an der Kundgebung teilnahm, aber dennoch ihren Unmut über den Bundespräsidenten zeigen wollte. Sei sei beschämt und sehr wütend über dessen Verhalten, betonte die Frau, die sich selbst als „alte 68erin“ bezeichnete. Damals habe man noch das Gefühl gehabt, etwas bewirken zu können. Heute fühle man sich etwas hilflos, wenn man sehe, „wie die da oben ihr Süppchen kochen“.

Der 49-jährige Ulf Hodapp kritisierte vor allem „diese Reisen, dieses Schnorrerverhalten“. Wulff war unter anderem auch in die Kritik geraten, da er sich mehrfach von Bekannten zu Urlaubs-Aufenthalten einladen ließ. Das sei doch alles unwürdig für einen Ministerpräsidenten und erst recht für einen Bundespräsidenten. Ein junger Vater, der seinen vier Monate alten Sohn vor der Brust trug, betonte: „Ich möchte nicht, dass mein Kind in einer Bananenrepublik groß wird“. Wahrscheinlich bringe der Protest ohnehin nichts, aber „man sollte wenigstens zeigen, dass man damit nicht einverstanden ist“.

Das Motto der Aktion lautete „Wulff den Schuh zeigen - Shoe for you, Mr. President!“. In der arabischen Kultur werden mit dieser Geste Menschen verhöhnt, aber auch Ärger und Verachtung werden so zum Ausdruck gebracht. „Wir wollen die Schuhe aber nur hochhalten, nicht schmeißen“, betonte der Sprecher der Veranstalter, Jürgen Jänen. Ein anderer Teilnehmer wertete das Schuh-Symbol als Zeichen der Missachtung und des Zornes. Im übertragenen Sinn bedeute es auch: „Zieh die Schuhe an und geh’“, fügte er hinzu.

Auf dem Schlossgiebel wehte die Fahne mit dem Bundesadler. Diese zeigt gewöhnlich die Anwesenheit des Hausherrn an. Bei Reisen oder Terminen außer Haus ist sie eingezogen. Wulff trat am Samstag nicht vor die Tür.

Auch die Polizei zeigte am Samstag Präsenz, verhielten sich aber eher diskret. Die Demonstranten durften nicht auf den Gehweg direkt vor dem Schloss, sondern mussten auf der anderen Straßenseite am Tiergarten protestieren. Veranstalter war die Organisation „Creative lobby of future“ (Clof), die zu der Aktion auch über Facebook aufgerufen hatte. Deren Angaben zufolge nahmen mehr als 500 Menschen an der Kundgebung teil.

Ob die Proteste damit beendet sind, glaubt Clof-Sprecher Jänen indes nicht. Es gehe sicher weiter. So habe seine Organisation bereits dazu aufgerufen, die Schuhe an das Präsidialamt zu schicken. Einige seien auch schon angekommen. 

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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