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Niedersachsen Misshandlung im Ferienlager: Jetzt 13 Jugendliche unter Verdacht
Nachrichten Niedersachsen Misshandlung im Ferienlager: Jetzt 13 Jugendliche unter Verdacht
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19:33 22.07.2010
Von Karl Doeleke
Zu schweren sexuellen Übergriffen zwischen Jugendlichen und Kindern soll es bei einer Sommerfreizeit des Stadtsportbunds Osnabrück auf einem Ferienhof in Buren auf der niederländischen Urlaubsinsel Ameland gekommen sein.
Zu schweren sexuellen Übergriffen zwischen Jugendlichen und Kindern soll es bei einer Sommerfreizeit des Stadtsportbunds Osnabrück auf einem Ferienhof in Buren auf der niederländischen Urlaubsinsel Ameland gekommen sein. Quelle: dpa
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Nach der mehrfachen Misshandlung von mindestens sechs 13-jährigen Jungen im Ferienlager auf Ameland hat sich die Zahl der mutmaßlichen Täter inzwischen erhöht. „Wir gehen davon aus, dass maximal 13 Personen als Beschuldigte in Betracht kommen“, sagte am Donnerstag der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer. Die Ermittlungsbehörde stuft die Taten außerdem eindeutig als Sexualdelikte ein. Es geht demnach um Vergewaltigung und schweren sexuellen Missbrauch der Kinder. Drei der mutmaßlichen Täter hätten inzwischen gestanden, sagte Retemeyer.

Den Jungen im Alter von 13 bis 16 Jahren wird vorgeworfen, den Kindern in mehreren Nächten in einem der drei Schlafsäle der Ferienanlage mit Gewalt Gegenstände wie Colaflaschen oder Besenstiele in den After eingeführt zu haben. Weitere Quälereien konnten die Kinder den Schilderungen zufolge nur verhindern, indem sie sich an ihren Betten festklammerten, über eine Feuerleiter flüchteten oder sich heftig zur Wehr setzten. Die Misshandlungen sollen sich zwischen dem 25. Juni und 8. Juli während der Ferienfreizeit des Stadtsportbundes Osnabrück auf der niederländischen Ferieninsel zugetragen haben. Zwei 13-Jährige sollen, bevor auch sie handgreiflich wurden, selbst misshandelt worden sein. Die Übergriffe wurden erst nach Ende der Ferienfreizeit aufgedeckt, nachdem sich eine Mutter an die Polizei gewandt hatte.

Offen ist weiterhin, ob den 39 Betreuern des Ferienlagers der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung gemacht werden kann. Zeugenaussagen zufolge sollen Kinder von den Misshandlungen berichtet haben. Keiner der Betreuer sei dagegen eingeschritten, hieß es. Die Betreuer seien bisher nicht vernommen worden, sagte Retemeyer. Zunächst würden die Kinder und Jugendlichen – Beschuldigte, Opfer und Zeugen – befragt.

Täglich vernimmt die vierköpfige Sonderkommission in Osnabrück weitere der 40 Kinder, die in dem Schlafsaal in Etagenbetten untergebracht waren. Laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft gab es bis gestern keine neuen Erkenntnisse darüber, ob die Erwachsenen Hinweise der Kinder auf mögliche Misshandlungen ignoriert haben könnten. Es gibt darüber Aussagen in beide Richtungen. Nach Angaben des Stadtsportbundes hätten Kinder nur darüber berichtet, von den Älteren „geärgert“ worden zu sein. Die Betreuer hätten die Jugendlichen daraufhin zurechtgewiesen.

Der Stadtsportbund wies gestern Anschuldigungen zurück, dass das Begleitpersonal nicht ausreichend geschult worden sei. „Es gab mehrere Vorbereitungsveranstaltungen, auf denen alle Betreuer anwesen waren“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Wolfgang Wellmann. Die 170 Jungen und Mädchen wurden von 59 Erwachsenen begleitet, 20 waren für die Küche zuständig, 39 für die Betreuung der Kinder und Jugendlichen.

Die Landesregierung hat unterdessen Vorwürfe von SPD und Linken zurückgewiesen, das Land habe sich fast vollständig aus der Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit zurückgezogen. Das Gegenteil sei der Fall, erklärte gestern eine Sprecherin des Sozialministeriums: „Die Mittel im Bereich Kinder und Jugendschutz sind seit 2003 auf 2,4 Millionen Euro verdoppelt worden, für die Aus- und Fortbildung von Betreuern standen zuletzt 120.000 Euro zur Verfügung.“