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Niedersachsen Mega-Schlachthof in Wietze verzögert sich
Nachrichten Niedersachsen Mega-Schlachthof in Wietze verzögert sich
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20:13 30.01.2011
Von Margit Kautenburger
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Der Bau des umstrittenen Geflügelschlachthofs in Wietze (Landkreis Celle) verzögert sich. Statt wie bisher geplant im Frühjahr geht der Betreiber, die Firma Rothkötter Frischgeflügel, nun von einer Eröffnung im Spätsommer aus. Das bestätigte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage. Die Verzögerung um etwa ein halbes Jahr sei auf die extremen Witterungsverhältnisse von November bis Anfang Januar zurückzuführen, hieß es. Noch Mitte Dezember ging der Konzern von einer Eröffnung im Frühjahr aus. Dies sei wichtig, um das Grillgeschäft dieses Jahres mitnehmen zu können, lautete damals die Begründung.

Der Dioxin-Skandal hat nach Unternehmensangaben nichts mit der Verzögerung zu tun. Man habe keine Futtermittel der Firma Harles und Jentzsch bezogen, die den Skandal verursacht haben soll, sagte der Sprecher. Das firmeneigene Kraftfutterwerk verwende ausschließlich geeignete Öle und Fette, deren Qualität regelmäßig geprüft werde.

Das Projekt komme offenbar ins Trudeln, kommentiert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) den Aufschub. Den Grund sehen die Gegner des Großschlachthofes nicht etwa in der kühlen Witterung, sondern im stagnierenden Absatz von Geflügelfleisch. Derzeit würden rund 900 neue Hähnchenmastställe gebaut. Bei den derzeitigen Wachstumsraten von vier Prozent würden aber nur 80 neue Anlagen dieser Art gebraucht, erklärt AbL-Sprecher Eckehard Niemann. Möglicherweise werde Rothkötter selbst Opfer des von ihm selbst losgetretenen Verdrängungswettbewerbs unter den fünf großen deutschen Geflügelkonzernen. Im vergangenen Herbst hatte bereits der Geflügelfachmann Prof. Hans-Wilhelm Windhorst von der Universität Vechta vor der wachsenden Konkurrenz auf dem Geflügelmarkt gewarnt, der Landwirte angesichts sehr hoher Investitionskosten in den Ruin treiben könne.

Vertreter der Bürgerinitiative Wietze verwiesen auf Schwierigkeiten, Mäster für den Schlachthof zu finden. Probleme gebe es überdies mit der geplanten massiven Wasserentnahme aus dem öffentlichen Netz und der ungeklärte Einleitung des Schlachthof-Abwassers.