Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen McAllister glaubt nicht an Absage von Castortransport
Nachrichten Niedersachsen McAllister glaubt nicht an Absage von Castortransport
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:09 27.09.2011
David McAllister glaubt nicht, dass der Castortransport abgesagt wird. Quelle: Daniel Reinhardt
Anzeige
Gorleben/Berlin

Angesichts der neusten Strahlenwerte rund um das Atommülllager Gorleben glaubt Niedersachsens Regierungschef David McAllister nicht an eine Absage des nächsten Castortransports. „Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, wird es einen Castortransport geben“, sagte der CDU-Politiker der dpa in Berlin. Der nächste Castortransport wird voraussichtlich Ende November aus dem französischen La Hague ins Wendland starten.

„Wir sind hier nicht im rechtsfreien Raum, sondern es gibt auch rechtliche Ansprüche, an die wir uns zu halten haben.“ Niemand in Niedersachsen sehne sich nach einem Castortransport. „Der zuständige Bund führt in Zusammenarbeit mit dem Land diese Transporte durch, zu denen sich die Bundesrepublik völkerrechtlich verpflichtet hat.“

Anzeige

Am Montag hatte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Hannover die Ergebnisse ihrer jüngsten Strahlenmessungen vorgelegt. Demzufolge liegt die Gesamtstrahlung am Atommüll-Zwischenlager Gorleben mit 0,212 Millisievert (mSv) deutlich unter dem zugelassenen Jahresgrenzwert von 0,3 mSv. Addiert mit dem für das 1. Halbjahr gemessenen Wert von 0,27 mSv wird nun eine Gesamt-Jahresdosis von 0,233 mSv prognostiziert. Bei Überschreitungen des Grenzwertes von 0,3 mSv dürfte der Castor nicht in Gorleben eingelagert werden.

Den Vorwurf, den Castortransport trotz der zunächst erhöhten Messwerte nur wegen der spätestens im Januar 2013 anstehenden Landtagswahl in Niedersachsen nicht auf kommendes Jahr verschieben zu wollen, weist McAllister von sich. „Es geht hier doch nicht um Wahltermine. Der Bund führt das durch, und dann müssen wir es machen.“

Umweltminister Hans-Heinrich Sander schlägt „Bunker-Lösung“ vor

An der Diskussion um mögliche Endlager-Alternativen zu Gorleben wolle er sich nicht beteiligen. „Ich warte jetzt ab, was die Experten im Bundesumweltministerium vorschlagen, und dann können wir uns eine Meinung bilden“, sagte McAllister. „Aber ich werde vorher nicht die Diskussion befeuern, indem ich meinen Senf dazugebe.“ Die von Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) vorgeschlagene „Bunker-Lösung“ zur Lagerung der Castoren in alten Militäranlagen oder stillgelegten Atommeilern wolle er nicht kommentieren.

Die Opposition im Landtag kritisierte diesen „Bunker-Spleen“ scharf. Die vorgeschlagene Bunkerlagerung könne als Eingeständnis gewertet werden, dass die Außensicherung der Atommülllager nicht gewährleistet sei, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. „Ein Beitrag zur Langzeitsicherheit von Atommüll ist die Lagerung in alten Wehrmachtsstollen oder Bundeswehrbunkern jedenfalls nicht.“

Unbeobachtet von der Öffentlichkeit hatte McAllister am vergangenen Dienstag erstmals das Atommüll-Zwischenlager in Gorleben besucht. Seine Einstellung zur Arbeit am Salzstocks habe sich durch den Besuch nicht verändert, sagte er. Es müsse ergebnisoffen erkundet werden. Der Bund müsse aber auch auf die Situation vorbereitet sein, dass Gorleben auch ungeeignet sein könnte. Dazu gehöre die Verabschiedung eines Endlager-Suchgesetzes durch CDU/CSU und FDP. In dem Gesetz müssten „schlicht und ergreifend“ die strategische Fragen geklärt werden“. „Also ob wir zentral oder dezentral unseren Atommüll lagern wollen, ob oberirdisch oder unterirdisch und dann mit der Option der dauerhaften Rückholbarkeit, der Rückholbarkeit für einen gewissen Zeitraum oder nur der Möglichkeit der Bergung in Notfällen.“

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Mehr zum Thema

Waren die Meldungen über erhöhte Strahlung am Außenzaun des Geländes nur falscher Alarm? Landesbetrieb und Bundesanstalt arbeiten offenbar mit unterschiedlichen Methoden bei der Strahlenmessung.

26.09.2011

Gibt es doch grünes Licht für den Castor-Transport nach Gorleben? Das niedersächsische Umweltministerium hat die Strahlenwerte, die vom Zwischenlager im Wendland ausgehen am Montag als nicht zu hoch eingestuft. Damit stiegen die Chancen, dass der in der Kritik stehende Castor-Transport nun doch durchgeführt werden kann.

26.09.2011

Auch nach dem Atomausstieg ist die Suche nach einem geeigneten Endlager für Atommüll noch lange nicht beendet. Der niedersächsische Umweltausschuss berät am Montag über die Strahlenwerte in Gorleben, der Umweltausschuss des Bundestages besucht die Asse und Greenpeace macht Wärmebildaufnahmen.

26.09.2011
26.09.2011
Niedersachsen Unikliniken fordern bessere Bezahlung - 300 Ärzte der MHH streiken
26.09.2011