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Niedersachsen „Masernpartys sind unverantwortlich“
Nachrichten Niedersachsen „Masernpartys sind unverantwortlich“
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06:00 09.03.2019
Ein Impfbuch mit markierten Feldern Diphterie (l-r), Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Polio und Masern liegt auf einem Tisch. Foto: Daniel Karmann/dpa
Hannover

. Gisbert Voigt ist Kinderarzt und Vorsitzender der Bezirksstelle Osnabrück der Ärztekammer Niedersachsen. Mit der NP spricht er darüber, wie notwendig eine Impfung gegen Masern ist.

Wird das Infektionsrisiko von Masern unterschätzt?

In der Vergangenheit gab es immer weniger Fälle von Masern-Infektionen. Das erweckt natürlich den Eindruck, dass das Virus nicht mehr existiert. Eine falsche Annahme: Denn der Erreger hat nur einfach keine Opfer mehr gefunden, weil so viele Menschen geimpft waren.

Also konnte es zu so einer Situation wie in Hildesheim nur kommen, weil nicht mehr genügend Menschen gegen Masern geimpft sind?

Ja, anders ist es nicht zu erklären. In Hildesheim muss eine Art Insel von Nicht- oder nur Teilgeimpften entstanden sein. Liegt die Impfquote bei mehr als 95 Prozent, sind Neuansteckungen quasi unmöglich.

Können alle Menschen gegen Masern geimpft werden?

Nein, Menschen mit einer immunologischen Störung sind ausgeschlossen. Ihnen darf kein Lebend-impfstoff wie der Wirkstoff gegen Masern verabreicht werden. Das ist aber nicht weiter tragisch – wenn die Impfquote sonst bei mehr als 95 Prozent liegt, sorgt der Herdenschutz dafür, dass auch diese Menschen geschützt sind.

Wie wird der Erreger übertragen?

Für die Infektion genügt es, mit dem Erreger in einem Raum zu sein. Masern sind hochansteckend und lassen niemanden aus. Kein Schutz führt unweigerlich zu einer Infektion.

Also ist eine Impfung zwingend nötig?

Ja, denn ganz gleich, wie alt der Patient ist, der Krankheitsverlauf ist nie vorhersehbar. Es gibt keine kausale Behandlung für die Infektion, wir Ärzte können lediglich die Symptome reduzieren. Komplikationen wie eine Lugenentzündung können durch eine Impfung sicher verhindert werden.

Impfgegner vertreten die Auffassung, sogenannte „Masernpartys“ könnten helfen. Sie umgeben ihr Kind also bewusst mit Kindern, die infiziert sind, weil sie der Auffassung sind, dass das Immunsystem die Erkrankung in jungen Jahren besser wegsteckt. Stimmt das?

Impfgegner halten das für die richtige Maßnahme. Allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass Kinder die Erkrankung besser verkraften als Erwachsene. Für sie gelten Masern als „Kinderkrankheiten“. die man durchgemacht haben muss. Sie glauben, dass nur im Erwachsenenalter schwere Komplikationen auftreten. Der Verlauf ist aber absolut unvorhersehbar. „Masernpartys“ sind unver-antwortlich.

Ist denn die Angst der Impfgegner berechtigt, dass eine Impfung gewisse Krankheiten hervorrufen kann?

Das ist ein beliebtes Argument. Komplikationen wie Krampfanfälle können natürlich auftreten, das liegt aber nicht an dem Impfstoff, sondern an dem Lebensabschnitt, in dem das Kind geimpft wird. Bei Masern übrigens vom zwölften bis zum 15. Monat. Kommt es zu Komplikationen, sind das in aller Regel solche, die auf das Entwicklungsstadium des Kindes zurückzuführen sind. Eine Kausalität zur Impfung ist nicht zu erkennen.

Welche Impfungen sollten dringend durchgeführt werden?

Es ist schwierig zu sagen, dass eine Impfung wichtiger ist als die andere. Grundsätzlich sollte man sich an die Empfehlung der Impfkommission halten. All die von ihr vorgeschlagenen Impfungen sind unverzichtbar. Was passiert, wenn sie nicht konsequent durchgeführt werden, können wir am Beispiel von Hildesheim beobachten.

Dennoch halten sich einige Eltern nicht daran. Sollte es eine Impfpflicht geben?

Natürlich würde eine Impfpflicht am Ende für eine hohe Impfrate sorgen. Allerdings bin ich skeptisch, dass das rechtlich durchsetzbar ist. Immerhin ist das ein großer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Vielmehr sollten Ärzte weiter über die Wichtigkeit informieren. Dazu gehört auch, dass die Politik unterstützende Maßnahmen schafft.

Wo stünden wir heute, wenn es keine Impfungen geben würde?

Ich arbeite seit 40 Jahren in der Pädiatrie. Damals war die Infektionsstation voll mit Kindern, die unter Masern oder Mumps litten. Ein Phänomen, das es so heute nicht mehr gibt. Die Lebensqualität hat sich massiv verbessert. In Drittländern sterben Kinder noch immer an einer Masern-Infektion.

Von Mandy Sarti

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