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Niedersachsen Landtag: Jeder 3. Abgeordnete der Nachkriegszeit war in der NSDAP
Nachrichten Niedersachsen Landtag: Jeder 3. Abgeordnete der Nachkriegszeit war in der NSDAP
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10:51 12.01.2012
Der niedersächsische Landtag stellt sich der Verantwortung und hat nun intensiv seine historische Vergangenheit aufgearbeitet. Das Ergebnis ist nicht erfreulich: Jeder 3. Abgeordnete der Nachkriegszeit war in der NSDAP.
Der niedersächsische Landtag stellt sich der Verantwortung und hat nun intensiv seine historische Vergangenheit aufgearbeitet. Das Ergebnis ist nicht erfreulich: Jeder 3. Abgeordnete der Nachkriegszeit war in der NSDAP. Quelle: Behrens
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Das Ergebnis: Von den 755 niedersächsischen Landtagsabgeordneten der Nachkriegszeit waren 233 Mitglied von NSDAP, SS oder SA gewesen.

„Im Parlament saßen Opfer, Mitläufer und Täter zusammen, die häufig aus gewandelter Überzeugung einen Weg in die Demokratie suchten“, sagte Landtagspräsident Hermann Dinkla gestern bei der Vorstellung der Studie.

Allerdings habe es auch diejenigen gegeben, „die ihr Fähnlein geschickt im Wind gedreht haben“. Wie Dinkla warnte auch der Vorsitzende der historischen Kommission, Thomas Vogtherr, vor einem Schwarz-Weiß-Denken.  Nicht allein die Parteizugehörigkeit sei entscheidend. Die Überzeugung lasse sich vielmehr am Eintrittszeitpunkt und der Übernahme von Ämtern  festmachen. Laut der Studie waren 46 spätere Landtagsabgeordnete hauptamtlich in der NSDAP tätig gewesen.

Untersucht wurde auch, wie sich die ehemaligen NSDAP-Mitglieder auf die Parteien im Niedersächsischen Landtag verteilten. In der fünften Wahlperiode (1963–67) waren beispielsweise gut 41 Prozent der CDU-Abgeordneten, gut 14 Prozent der SPD-Abgeordneten und 50 Prozent der Abgeordneten der FDP frühere Mitglieder der NSDAP.

Die Studie, die in einer ersten Auflage von 300 Stück erschienen ist, listet auch die Biografien der niedersächsischen Politiker mit NS-Vergangenheit auf.

Zu finden ist dort unter anderem der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Richard Langeheine, Kreisleiter der NSDAP, der später mit dem Großkreuz des Verdienstordens ausgezeichnet wurde. Auch der CDU-Abgeordnete Hermann Conring, Reichskommissar für Groningen, ist in der Liste vertreten.