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Niedersachsen Land sucht noch mehr private Bahnbetreiber
Nachrichten Niedersachsen Land sucht noch mehr private Bahnbetreiber
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22:49 25.03.2010
Von Klaus Wallbaum
Ein privater Metronom-Zug.
Ein privater Metronom-Zug. Quelle: Michael Thomas (Archiv)
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Privat ist Trumpf, zumindest bei den Bahnen, die nicht zum Fernverkehr gehören und damit dem Land, nicht der Deutschen Bahn zugeordnet sind. Die Hälfte dieser Nahverkehrsstrecken wird bereits von privaten Unternehmen wie beispielsweise der Nordwestbahn bedient. Auch die andere Hälfte, auf der die DB Regio bislang noch allein unterwegs ist, soll nun nach den Worten von Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) bis 2014 ausgeschrieben werden – es sollen sich private Anbieter und die Deutsche Bahn im Wettbewerb messen. „Wir setzen damit eine Erfolgsstory fort“, betont Bode.

Die landeseigene Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) betreut seit 1996 eine Schienenstrecke von 3000 Kilometern, auf der täglich 300 000 Fahrgäste unterwegs sind. Vom Bund gibt es dafür „Regionalisierungsmittel“ von jährlich rund 600 Millionen Euro. Zusätzliche Landeszuschüsse waren bisher nicht nötig. Die LNVG ist für das Netz im gesamten Land mit zwei Ausnahmen zuständig – in der Region Hannover wirkt die Üstra, im Großraum Braunschweig der dortige Großraumverband.

Bode und LNVG-Geschäftsführer Hans-Joachim Menn erklärten am Donnerstag, dass sie die Bundesmittel bis zum Jahr 2014 für stabil halten. Ein Konzept der LNVG, das bis 2017 ausgerichtet ist, mache auch darüber hinaus einen dauerhaft hohen Investitionsbedarf deutlich: Seit 1996 seien bereits die Hälfte der 380 niedersächsischen Bahnhöfe saniert worden, 40 weitere Bahnhöfe stünden in nächster Zeit an. Außerdem solle die Heidebahn zwischen Buchholz, Soltau und Hannover für höhere Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer ausgebaut werden. Von 2012 an soll auch der Verkehr zwischen Hildesheim und Braunschweig im einstündigen Takt möglich sein.

Nach Angaben von Menn will die LNVG auch künftig für besondere Schwerpunkte Geld ausgeben. So soll im Kontakt mit den derzeit acht Eisenbahnunternehmen als Betreiber erreicht werden, dass der Fahrzeugpark ständig erneuert wird und dass mehr Zugbegleiter mitfahren. In Express-Zügen sollen den ganzen Tag lang Mitarbeiter mitfahren und Servicedienste anbieten. Die Wiederbelebung alter Bahnstrecken oder Bahnhöfe, die in den vergangenen Jahren mangels Nachfrage aufgegeben wurden, gehöre aber „nicht zu unserem Konzept“, sagte Menn. Ein Ziel könne allerdings sein, sogenannte „Schwachlaststrecken“ aufzurüsten, auf denen die Züge bisher nur mit maximal 60 Stundenkilometern unterwegs sind – künftig sollten es in einigen Bereichen vielleicht 80 sein.

Die Landesregierung sieht in den privaten Betreibern ein gutes Modell. Auf den Strecken der LNVG seien seit 1996 die Fahrgastzahlen um 60 Prozent gewachsen. Die Ausschreibung hat auch zu Kostensenkungen geführt, betont Menn. Unternehmen sollen verpflichtet werden, den modernen Fahrzeugpark der LNVG zu nutzen. Dies geschieht auch, damit die Deutsche Bahn, die ihren alten Fahrzeugpark hat und gern weiter nutzen würde, im Wettbewerb um die Betreiberlizenz keinen Vorteil bekommt.

In diesem Jahr steht die Ausschreibung mehrerer Linien an: Norddeich–Hannover und Bremerhaven-Osnabrück, Bremen-Soltau-Uelzen, Buchholz–Soltau-Hannover, Cuxhaven-Bremerhaven (die „Nordseebahn“) und Bremerhaven-Buxtehude. Diese Verbindungen sind in der nebenstehenden Graphik aufgeführt – neben Zugstrecken im Nahverkehr, für die bereits ein privater Betreiber im Wettbewerb gefunden wurde.