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Niedersachsen Krebsgefahr im Atommüllager Asse nicht nachweisbar
Nachrichten Niedersachsen Krebsgefahr im Atommüllager Asse nicht nachweisbar
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20:54 10.02.2011
Ein Mitarbeiter des Atommülllagers überpüft den Boden der Asse auf Kontamination.
Ein Mitarbeiter des Atommülllagers überpüft den Boden der Asse auf Kontamination. Quelle: dpa
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Es klingt nach einer guten Nachricht: Aufgrund der geringen Strahlendosis sind die Mitarbeiter des maroden Atommüll-Endlagers Asse II keinem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt. Das geht aus einer am Donnerstag in Salzgitter vorgestellten Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) hervor. Allerdings sei die Datenbasis für einen Teil der Ergebnisse nicht komplett, sagte der Leiter der Untersuchung, Prof. Thomas Jung.

Für das sogenannte Gesundheitsmonitoring hatte das BfS die Arbeitsunterlagen von 700 Menschen ausgewertet, die zwischen 1967 und 2008 im Bergwerk Asse beschäftigt waren. „Die abgeschätzte Strahlenbelastung war zu gering, als dass dadurch nach dem Stand von Wissenschaft und Technik bei den Beschäftigten nachweisbar Krebserkrankungen ausgelöst werden könnten“, betonte Jung.

Entwarnung wollte der BfS-Experte dennoch nicht geben. Den Berechnungen zufolge sind in sieben Fällen Strahlenbelastungen von mehr als 100 Millisievert aufgetreten, im Durchschnitt waren es zwölf Millisievert. Der Grenzwert für die Berufslebensdosis beträgt 400 Millisievert. Dass es noch weitere Ausreißer nach oben geben könnte, schloss Jung nicht aus. Das gelte vor allem für jene Menschen, die in den ersten Jahren der Atommülleinlagerung in der Anlage arbeiteten. „Wir sind auf die Daten des Helmholtz-Zentrums angewiesen“, erläuterte er.

Das von dem früheren Betreiber zur Verfügung gestellte Material sei aber „äußerst lückenhaft“. So sei fraglich, ob alle Beschäftigten die vorgeschriebenen Dosimeter getragen hätten. Das BfS hatte 2009 die Regie für das Endlager vom Helmholtz-Zentrum übernommen.
Auslöser für die Untersuchung waren Krebsfälle bei drei ehemaligen Mitarbeitern. Sie hatten bei der Berufsgenossenschaft beantragt, ihre Erkrankungen als Folge der Tätigkeit in der Asse anzuerkennen. „Zwei von ihnen haben Strafanzeigen gestellt.

Den dritten Fall haben wir natürlich auch im Blick“, sagte Joachim Geyer von der Staatsanwaltschaft Braunschweig gestern. Einer der Kläger, der frühere Betriebsschlosser Eckbert Duranowitsch, kritisierte die Studie als „reine Berechnung, mit der man nichts anfangen kann“. Er habe von 1987 bis 1990 ohne Dosimeter und Schutzkleidung in dem damals noch als Forschungsendlager bezeichneten Bergwerk gearbeitet und sei sich sicher, dass seine Leukämieerkrankung darauf zurückzuführen ist.

„Ob weitere frühere Beschäftigte Krebs haben, können wir nicht sagen“, räumte Jung ein. Grund sei die sogar vom Bundesdatenschutzbeauftragten geprüfte strikte Anonymität. „Wir wissen nicht, welche Person sich hinter welchem Fall verbirgt, für jeden Mitarbeiter gab es nur eine Codenummer. Deshalb haben wir keine privaten Daten über Krankheitsfälle erhalten“, erläuterte Jung. Ein Abgleich mit dem niedersächsischen Krebsregister sei nicht möglich, weil es die landesweite Erhebung erst seit 2002 gibt.

Das Bundesamt hofft jetzt auf weitere Erkenntnisse. Es versendet demnächst Briefe an alle ehemaligen und heutigen Beschäftigten des Atommülllagers. Jeder von ihnen kann seine persönliche Strahlenbelastung erfragen und freiwillig Angaben über gesundheitliche Beeinträchtigungen machen. Das Angebot gilt auch für Angehörige der Mitarbeiter, die bereits verstorben sind.

Jens Krone